Dienstag ist Speedy-Tag - Ein Lehrer mit Fell und vier Pfoten

Bernkastel-Kues · Speedy, ein Jack Russell Terrier, ist Teil eines neuen Projektes in Bernkastel-Kues. Als Schulbesuchshund ist Speedy jeden Dienstag mit seiner Besitzerin Claudia Winter zu Gast in einer Arbeitsgruppe mit elf Schülern.

Er ist erst dreieinhalb Jahre alt, geht aber schon zur Schule. Er ist ziemlich behaart und läuft auf vier Pfoten: Speedy ist ein Jack Russell Terrier und sozusagen Spezial-Lehrmittel der Schulhunde-Arbeitsgruppe in der Freiherr-vom-Stein-Realschule-plus in Bernkastel-Kues.

Im vergangenen Jahr konnten sich die Fünftklässler für dieses Ganztagsschulprojekt bewerben, das montags und dienstags in der langen Mittagspause nach dem Essen stattfindet. "Im ersten Halbjahr war es das Ziel, dass sich die Kinder auf den neuen vierbeinigen Mitschüler einlassen und Regeln im Umgang mit einem Hund einhalten", erklärt Claudia Winter.

Infos über Haltung und Pflege

Zunächst stand für die Mädchen und Jungen im Mittelpunkt, sich mit Körperbau, Körpersprache, Haltung sowie Pflege des Tieres vertraut zu machen. "Ich war ganz aufgeregt, als ich zu Hause davon erzählte und war überglücklich, dass mir meine Eltern ihr Einverständnis für die Teilnahme gaben", sagt Schülerin Annika Bollig aus Wehlen. "Montags und dienstags hatten wir erst fünf Mal nur Theorie. Das war schon gut, denn so wussten wir, wie wir unseren neuen Schulkameraden richtig begrüßen", sagt Lennert Dolzmann stolz.

Dann kam Speedy mit in den Unterricht. Jetzt wird montags besprochen, welche Aufgaben dienstags mit dem Terrier umgesetzt werden können. Dazu gehört das Erlernen von Hundetricks. Für Kinder ohne Haustier ist die Arbeitsgemeinschaft (AG) eine neue Erfahrung.

Sie lernen Verantwortung zu übernehmen, etwa indem sie einen Wassernapf bereitstellen oder den Liegeplatz für den Vierbeiner vorbereiten. Die Kinder halten sich für den Hund gerne an Regeln wie Händewaschen, Fressbares wegzuräumen und selbst nicht herumzutoben. "Speedy schafft es, sowohl verschlossene Schüler aus der Reserve zu locken als auch aufgedrehte Schüler etwas herunterzufahren, wenn sie wissen, dass sie den Hund durch einen Parcours oder über Hürden führen dürfen.

Die Kinder gewinnen mehr Selbstvertrauen und konzentrieren sich über das normale Maß hinaus", freut sich Schulsozialarbeiterin Anke Neuroth, die das Projekt begleitet.

Ein weiteres Ziel ist es, Ängste abzubauen, durch Respekt dem Tier gegenüber zu ersetzen und Sicherheit zu vermitteln. "Anfangs hatte ich Angst vor Hunden und war gar nicht so richtig begeistert, dass mich meine Mutter zu dieser AG anmeldete. Mittlerweile bin ich großer Fan von Speedy", sagt die Fünftklässlerin Eliza Kanazi und gibt dem Terrier ein Leckerli.

Damit Speedy mit in die Schule durfte, mussten er und seine Halterin Prüfungen ablegen. Hundeführerin Claudia Winter hat Fach-Fortbildungen absolviert. Die erste Hürde für Speedy war der BHV-Hundeführerschein. BHV ist die Abkürzung für den Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater.

Die elf Schüler der Schulhund-AG sind begeistert, wenn sie mit Speedy lernen und arbeiten dürfen. Auch Schulleiter Torsten Meier ist zufrieden: "Speedy wird nicht nur von den Schülern geliebt und respektiert, auch die Lehrerschaft hat ihn ins Herz geschlossen. Ein Lehrer mit Fell und vier Pfoten!"