Diese Liebe endet im Internet

Die West Side Story in der Trier-Wester Bobinet-Fabrikhalle wird die größte Trierer Theaterproduktion seit Jahrzehnten. Wer allerdings jetzt schon Karten für eine der 20 Vorstellungen zwischen Ende August und Anfang Oktober kaufen will, landet bei einer geschlossenen Theaterkasse sowie einem schwerfälligen und unkomfortablen Verkauf im Internet.

Trier. Nicht nur die Schulen haben zurzeit Sommerferien. Auch viele Verwaltungen machen zumindest nach außen hin die Schotten dicht - mit an manchen Stellen spürbar unangenehmen Folgen. Es wird für viele Menschen in Trier noch verschmerzbar sein, dass in den kommenden drei Wochen keine Rathaus-Zeitung erscheint, doch während der noch bis zum 18. August andauernden Spielzeitpause des Theaters ist auch dessen Kasse geschlossen. Ein Service-Engpass in einer Hochphase der Vorfreude auf die West Side Story, deren Premiere am 27. August mit 30 Solisten und 70 Darstellern in der Eibl-Bobinet-Halle in Trier-West stattfinden wird.
Die geschlossene Theaterkasse schneidet alle Haushalte ohne Internet-Anschluss bis Mitte August vom Vorverkauf ab. Die telefonische Kartenbestellung unter 0651/71818 führt zu der freundlichen Bandansage "Wir haben Spielpause". Wer einen Zugang zum großen Netz hat, kann über die Homepage des Theaters Karten bestellen. Dieser Ticketverkauf wurde speziell eingerichtet, um das mögliche Publikum jetzt schon mobilisieren und erreichen zu können. Doch hier hakt es. "Dieser Onlineservice ist die Sommer-Lachnummer von Trier", findet TV-Leser Herbert Hanck. "Weiß die Stadtverwaltung eigentlich, was online heißt?"
Kein Komfort für den Nutzer


Der TV testete das System. Auf der unter www.theater-trier.de erreichbaren Homepage springt den Nutzer die Spielzeitpause vom 4. Juli bis zum 18. August an. "Die Theaterkasse öffnet wieder am 16. August", heißt es dort.
Auf der linken Seite findet der Nutzer die Schaltfläche "Karten". Ein Klick führt zum Angebot "Kartenbestellung online". Soweit kein Problem. Doch danach folgen kein Hallenplan, keine Auflistung bereits belegter und noch freier Plätze, keine Termine und Zeiten und keine Möglichkeit, die bestellten Karten auch sofort online zu bezahlen und sie sich per Post schicken zu lassen. Bereits das ist ein gravierender Nachteil für Theaterfans aus der Eifel, die eine lange Fahrt nach Trier auf sich nehmen müssen, nur um die online bestellten Karten in Trier abzuholen.
Der Nutzer kann nur eines tun: Er schreibt Namen und Adresse auf, nennt den Titel der Aufführung, die er besuchen will, trägt Datum, Uhrzeit, Kartenkategorie und Veranstaltungsort selbst ein und hat dann noch Platz für "Ihre Nachricht ans Theater".
Die TV-Redaktion hatte noch Glück: Eine Testbestellung wurde 30 Minuten später von einer Mitarbeiterin der Theaterkasse persönlich per Mail bestätigt - verbunden mit der Bitte, die Karte bis zum 1. September abzuholen.
Wer abends oder an Wochenenden und Feiertagen bestellt, wird auf diese Bestätigung mit Sicherheit länger warten müssen. Wobei sich die Frage stellt, ob im Theater jemand sitzt, der vorhat, bis Mitte August alle auf diese Weise eingetroffenen Bestellungen persönlich zu beantworten. Diese Frage bleibt offen, denn laut Mitteilung des Trierer Presseamts ist "in der theaterfreien Zeit kein sachkundiger Ansprechpartner erreichbar".
Wer Geduld hat und die Homepage des Theaters weiter erkundet, findet heraus, dass es auch einen zweiten Weg der Kartenbestellung online gibt. Doch der ist im Gegensatz zur eben beschriebenen und offensiv beworbenen Methode eher versteckt.
Erst ein Klick auf die Schaltfläche West Side Story und dann auf den Menüpunkt Termine führt zu einer Auflistung aller geplanten Vorstellungen. Hier kann man online direkt Karten für die gewünschte Aufführung bestellen.Meinung

Verstoß gegen alle Regeln
Bei aller darstellerischen und künstlerischen Brillanz, die am Theater Trier immer wieder seh-, hör- und spürbar ist, gehören Pleiten und Pannen ebenfalls zum Geschäft. Da feiert eine Großproduktion, mit der viele Hoffnungen und Erwartungen sowie Kosten und Kalkulationen verbunden sind, kurz nach der Sommerpause Premiere - und der Kartenvorverkauf verstößt gegen alle Regeln des Geschäfts. Dieser Verstoß beginnt bereits mit der fragwürdigen Entscheidung, während der Spielpause die Kasse zu schließen und konsequenterweise auch das Telefon abzustellen. Der Internetauftritt schießt dann endgültig den Vogel ab. Wer im Internet Karten erwerben und bezahlen will, erwartet selbstverständlich Transparenz, Sicherheit und vor allem Komfort. Nichts von alldem kann der Ticketverkauf des Theaters bieten. Er gefährdet den Erfolg der West Side Story in Trier. j.pistorius@volksfreund.deDie West Side Story ist ein US-Musical von Leonard Bernstein (Musik), Steven Sondheim (Texte) und Arthur Laurents (Buch). Das Stück verlegt William Shakespeares Drama Romeo und Julia ins New York der 50er. Die Handlung dreht sich um die unmögliche Liebe zwischen Tony und Maria inmitten des Bandenkrieges zwischen den amerikanischen Jets und den puertoricanischen Sharks. jp Spielpausen im Hochsommer sind auch an anderen Theatern in Rheinland-Pfalz eine völlig normale Geschichte. Der TV hat sich im Internet umgesehen: Wie läuft der Kartenverkauf in Mainz, Koblenz und Saarbrücken ab? Mainz: Mit zwei Klicks kommt der Nutzer von der Homepage zum Ticketshop mit allen angezeigten Sparten, Produktionen, Kategorien und verfügbaren Plätzen. Koblenz: Im Spielplan ermöglicht eine kleine Schaltfläche hinter jedem Stück die Online-Reservierung von Karten. Diese Fläche zeigt auch direkt an, ob es für das gewünschte Stück noch Karten gibt. Der Käufer kann wählen, ob er zwei Euro für die Zusendung zahlt oder die Karten selbst an der Kasse abholt. Saarbrücken: Auch von der Homepage des Staatstheaters Saarbrücken führt ein Klick in einen Ticketshop mit der Anzeige aller Produktionen, Kategorien und erhältlicher Karten. jp