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Dietmar Schier aus Landscheid schafft mit Kettensägen Holz-Figuren

Menschen : Mit Kettensäge und viel Phantasie: Wie aus Baumstämmen Kunstwerke entstehen

Dietmar Schier aus Landscheid arbeitet mit schwerem Gerät und erschafft aus Baumstämmen Figuren.

 Wie wird aus einem mächtigen Baumstamm oder einem klobigen Holzklotz ein „Stillleben“? Dietmar Schier aus Landscheid weiß es. Denn er zaubert viele lebensechte Figuren aus großem und kleinem Holz.

Schier ist Kettensägenkünstler, und was er erschafft, sind wahrlich Kunstwerke, die viele Blicke auf sich ziehen. Inmitten seiner Gartenausstellung mit seinen vielfältigen Werken unter exotischen Palmen gibt er Auskunft über seinen „Werdegang“.

Croupier in der Trierer Spielbank ist seit 33 Jahren sein eigentlicher Beruf. Zur Kettensäge greift er, wenn er von Interessenten deren Vorstellung, Entwürfe oder Bilder bekommt. Dann werden diese Wünsche naturgetreu erfüllt. Diese Arbeit hat er als Nebengewerbe angemeldet. „Ich habe einem Kettensägenkünstler bei der Arbeit zugeschaut, und sofort wurde ich angesteckt. Ich wollte auch solche Holzwerke schaffen“, sagt Schier, der seit 2012 meist im Garten und bei Regen in seiner geräumigen Werkstatt arbeitet. Dann holt er aus dem Holz kleinere und große Figuren wie Löwen- oder Bärenkörper hervor.

„Anfangs habe ich nur Stämme strukturiert, aber dann sind viele Figuren entstanden, so dass ich auch auf Frühjahrsmärkte in Koblenz, Bitburg oder Hermeskeil fahren konnte. Dort habe ich für Schaulustige mit den Kettensägen verschiedene Wildtiere erarbeitet und habe Informationen zu meiner Beschäftigung gegeben. Aber in der leidigen Corona­zeit musste ich zu Hause bleiben“, erklärt der Landscheider, der auch in seinem Gartenbereich Zuschauer begrüßt.

Mit schnittfester Hose, Schutzbrille und Gehörschutz bearbeitet er meist Eichen- und Douglasienstämme, die er von einem Landscheider Forstbetrieb bezieht. „Das Holz muss nass sein. Bei trockenem Holz brechen gern kleinere Teile wie Adlerzungen oder Eulenschnäbel ab“, erzählt der 56-Jährige. Für sein kunstvolles Tun stehen zehn Kettensägen mit verschiedenen Schwertern bereit, hinzu kommen Winkelschleifer und Bandschleifer, aber insgesamt besitzt er 48 historische Kettensägen und andere Arbeitsgeräte verschiedenen Alters – ein kleiner Museumsschatz, den er über Jahre gesammelt hat.

Bevorzugt beschäftigt sich Schier mit Tierfiguren wie Eulen und Adlern, dann und wann auch mal mit einem Hund. Wenn die Figuren mit der geeigneten Kettensäge entstanden sind, beginnt die Feinarbeit. „Auch mit den Kettensägen kann man Kleinigkeiten aus Stämmen herausholen“, klärt er auf. An einer Eule sägt er zum Beispiel zwei Stunden. Auch die kleinsten Details werden zum Vorschein gebracht Dann werden die Tierkörper geschliffen, lasiert und geölt. Um lebendig zu erscheinen, werden Augen gesetzt.

Schier hat einen „Riesenzoo der bekannten Schleichtiere“ angeschafft, die eigene Ideen bei der Sägenschnitzarbeit vervollständigen. Die stehen zum Anschauen stets bereit, und so braucht er keine Entwurfzeichnungen.

 Dietmar Schier bei der Arbeit an seiner „Tik“-Figur. Die Idee dazu entsprang seiner Phantasie.
Dietmar Schier bei der Arbeit an seiner „Tik“-Figur. Die Idee dazu entsprang seiner Phantasie. Foto: TV/Bernd Schlimpen

 „Ich beschäftige mich momentan gern mit sogenannten ‚Tik’-Figuren“ verrät der Holzkünstler. Wenn er keine speziellen Aufträge hat, kann er bei diesen Figuren der Phantasie freien Lauf lassen. Phantasievoll mit überdimensionalen Mündern und Häuptern sieht dieser „Tik“-Bestand auch aus. So hat er einen „Tik“-Personenstamm gefertigt, oben mit einem gutgelaunten lachenden Antlitz und im Unterteil mit einem verzagten und ratlosen Gesicht, das den Betrachter zum Nachdenken anregt.