Diffuses Licht am Ende des Tunnels
Der Kreistag Bernkastel-Wittlich hat seine Hausaufgaben gemacht: Er stimmte in seiner Sitzung am gestrigen Montag nach langer Debatte für einen landesweiten Modellversuch als Lösung für Raumnot an den Wittlicher Gymnasien.
Wittlich. Ab dem kommenden Schuljahr können erstmals Wittlicher Gymnasiasten der fünften und sechsten Klassen in einem gymnasialen Unterstufenzentrum in der ehemaligen Dualen Oberschule (Dos) in Wengerohr unterrichtet werden. Das jedenfalls hat der Kreistag beschlossen. Diese Entscheidung ist für den Kreis als Schulträger vorläufiger Schlusspunkt des langen Ringens um eine Lösung für die Raumnot an beiden Wittlicher Gymnasien.
Offen bleibt, ob die beiden Schulen den Beschluss mittragen. Zumal die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier signalisiert habe, keinen Druck auf die Schulen auszuüben. Andererseits hat die ADD vom Kreis gefordert, die leer stehende Dos in ihre Planung zu integrieren. Die Reaktionen der Gymnasien und sodann der ADD auf das Ja zum Modellversuch bleiben daher abzuwarten.
Als Einheit wollten bislang Cusanus- und Peter-Wust-Gymnasium in Wittlich bestehen bleiben. Das Problem: Beide Bildungseinrichtungen sind zu klein geworden. Der Kreis aber hat kein Geld für die notwendigen Erweiterungsbauten, seine finanzielle Situation sei "katastrophal": Für 2010 fehlen ihm laut ebenfalls beschlossener Eckwerte-Prognose 13,4 Millionen Euro im Haushalt. Den Kreis kontrolliert die ADD in Trier. Und von dort kam die eindeutige Vorgabe: Ausgaben für Schulneubauten werden nicht genehmigt, wenn die leer stehende Duale Oberschule in Wengerohr in die Schulentwicklungsplanung nicht einbezogen wird.
Deshalb hat die Kreistagsmehrheit in diesem Sinne beschlossen, an der Dos als landesweiten Modellversuch ein eigenständiges gymnasiales Unterstufenzentrum einzurichten. Die bisherigen Argumente der Schulen gegen eine Aufteilung auf zwei Standorte, Wittlich und Wengerohr: Das Cusanus-Gymnasium plant, in Kooperation mit der benachbarten Realschule Ganztagsschule zu werden, das Peter-Wust-Gymnasium sieht unter anderem sein pädagogisches Konzept gefährdet. Dort ist die Raumnot besonders groß.
Falls die Gymnasien nach dem aktuellen Kreistagsbeschluss weiterhin gegen das Unterstufenzentrum sind, könnte sie theoretisch die ADD mit einer schulbehördlichen Verfügung zwingen, diesen neuen Weg gen Wengerohr zu gehen. Laut Wissenstand im Kreis will die ADD aber diesen Zwang nicht ausüben. Sollte das so bleiben, erwartet der Kreis, dass trotz der bislang geltenden Argumentation, man erhalte keine Bewilligung für Investitionen in Erweiterungs- und Umbaumaßnahmen angesichts der Schulden, eben diese Investitionen nun doch genehmigt werden - ohne eine Nutzung des Dos-Gebäudes.
Meinung
Wie Versuchskaninchen
Frustrierend für alle Beteiligten sind die Zuständigkeiten in Sachen Schule. Dabei will natürlich keiner den Schwarzen Peter haben. Eine katastrophale Ausgangslage ist das, vor allem für die Schüler. Denn wo für sie die Reise tatsächlich hingeht, das ist immer noch offen: In einen offensichtlich ungeliebten Modellversuch als Versuchskaninchen? Oder weiter in überfüllte, enge Klassen, in ein System der Notlösungen? Klar ist, der Druck ist nun erhöht, die Zeit läuft allen sowieso davon. Die teilweise absurde Debatte hinterließ den Eindruck: Der Kreis Bernkastel-Wittlich hatte die Wahl zwischen Pest oder Cholera, dabei will aber keiner zu lange herumgedoktert haben. Armer Patient Schüler. Man darf gespannt sein, welches Rezept ADD-Chef Josef Peter Mertes nun ausschreibt. s.suennen@volksfreund.de