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Digitale Vernetzung: Traben-Trarbach wird Modellstadt

Stadtentwicklung : Modellstadt lässt grüßen

Die Stadt Traben-Trarbach soll in großem Stil vernetzt werden. Der Probelauf dauert ein Jahr.

Der erste Satz nach der Begrüßung und Vorstellung lässt gleich aufhorchen. „Traben-Trarbach würde sich für ein Modellprojekt eignen“, sagt Marco Felten. Er ist der Kommunalbetreuer  von Innogy, einer Tochtergesellschaft des Energieversorgers RWE. Eigentlich hatte Innogy nur den Auftrag, für die Stadt Traben-­Trarbach ein Grundkonzept für ein WLAN-Netz zu erstellen. Und zwar kostenlos. Bei der Arbeit sei schnell klar geworden, dass sich Traben-Trarbach vor allem wegen der räumlichen Dimension für ein umfassenderes Konzept eigne, sagt Felten.

Das Ergebnis könne eine Modellstadt sein. „Das würde Maßstäbe setzen und seinesgleichen in der Region suchen“, sagt Feltens Kollege Andreas Sonntag in der Sitzung des Stadtrates.

Das Säulensystem  könnte Umweltsensoren enthalten, anonymisierte Bewegungsprofile erstellen, den Parkraum überwachen und freie Plätze melden. Es könnte Ladestation für Elektrofahrzeuge und auch Notrufauslöser sein – und natürlich das Funknetz für das Internet verbessern. Also das gewährleisten, was die Vertreter der Stadt ursprünglich wollten.

Etwa 40 sogenannte Accesspoints müssten in der Stadt errichtet werden. Der Vorteil für Traben-Trarbach: Innogy würde dies alles weitgehend kostenlos aufstellen. Für die finanziell klamme Stadt ist das natürlich ein Anreiz. Der Aufwand, so die Innogy-Vertreter, liege wahrscheinlich zwischen 60 000 und 70 000 Euro. Innogy werde auch die Betriebskosten für ein Jahr zahlen. Die Rede ist von 8500 bis 10 000 Euro. Die Stadt müsste allerdings die Detailplanung zahlen. Die voraussichtlichen Kosten  liegen zwischen 5000 und 8000 Euro.

Das System könne innerhalb kurzer Zeit stehen, sagt Marco Felten. „Ein Jahr lang würden dann Daten generiert werden. Die Daten sind dann auch auf andere Städte übertragbar, sagt Programmierer Andreas Sonntag. Und das sei dann der Modellcharakter.

Nach diesem Jahr stehe es Traben-Trarbach frei, wieder alles rückgängig zu machen und die Säulen wieder abbauen zu lassen. Ob das geschieht ist natürlich offen. Marco Felten kündigt an, dass die Stadt während der Testphase auch das Ziel von Vertretern anderer Kommunen werde.

Klar ist auch, dass Innogy sein System nicht aus reiner Liebe und Fürsorge für die Stadt dort installieren will,sondern auch auf Nachahmer hofft.

Es gibt Rückfragen. Zum Beispiel zum Thema Bewegungsprofile. Die erhobenen Daten seien anonym, versichern die Innogy-Vertreter. Es gehe unter anderem darum zu erfahren, wo sich Passanten und Kunden aufhalten, um danach die Angebote ausrichten zu können.

Und als auf Nachfrage auch noch einmal die wichtige Kostenfrage im Sinne der Stadt beantwortet wird, stimmt der Rat einstimmig zu, sich zur Smart City machen zu lassen.