Digitalfunk: Bei einigen Kommunen stockt's

Digitalfunk: Bei einigen Kommunen stockt's

Einige Hundert Digitalfunkgeräte sind bei den Feuerwehren zwischen Eckfeld und Malborn seit einigen Wochen im Einsatz. Um den Umgang mit der neuen Technik zu vereinheitlichen, wird nun ein Alarm- und Einsatzplan vorgestellt, mit dem der Kreis Bernkastel-Wittlich landesweit eine Vorreiterrolle einnehmen will.

Bernkastel-Wittlich. 21 Jahre sind vergangen, seitdem die Schengen-Staaten die Einführung eines einheitlichen Funknetzes beschlossen haben. Elf Jahre sind die konkreten Planungen mittlerweile im Gange. Feuerwehren und Rettungsdienste müssen bei der Umstellung vom analogen auf den digitalen Funk einen langen Atem beweisen. Einige Hundert Geräte sind mittlerweile im Kreis Bernkastel-Wittlich im Einsatz, um den Umgang mit der neuen Technik zu testen. Mit dem Rheinland-Pfalz-Tag in Prüm Ende Mai hat der Probebetrieb begonnen. Das erste Fazit: "Absolut positiv", sagt der Wittlicher Konrad Becker, Teamleiter und Leiter des Sachgebiets Information und Kommunikation der Führungsgruppe Technische Einsatzleitung im Landkreis Bernkastel-Wittlich (der TV berichtete).
Zwar zeigten sich hier und da Kinderkrankheiten wie technische Macken. Zudem gibt es noch immer Versorgungslücken, also Stellen, die auch vom Digitalfunk nicht erreicht werden, berichtet Kreisfeuerwehrinspektor Willi Herres. Doch eine hundertprozentige Versorgung gibt es laut Becker nie. Die letzte der 95 Basisstationen im Raum Trier, die die Signale senden, ist im Mai in Betrieb gegangen. Die Standorte sind geheim.
Alles in allem würden die Geräte aber gut angenommen, berichtet Becker. Probleme bereitet den Feuerwehrleuten allerdings, dass manche Verbandsgemeinden noch nicht alle Bestellungen erledigt und ihr Kontingent bislang nicht ausgschöpft haben. Aus Sicht von Herres wäre eine verbindliche Einführung durch das Land daher besser gewesen.
Für die Kommunen ist das auch eine Kostenfrage. 153 Feuerwehren gibt es im Kreis, deren Fahrzeuge zumindest teilweise umgerüstet und deren Wehrleute geschult werden müssen. Für den Einbau der Geräte in bestimmten Fahrzeugen gibt es Zuschüsse. Benötigt eine Feuerwehr zusätzliche - zum Beispiel mobile - Geräte, muss sie diese selbst bezahlen.
Offizieller Beginn im Herbst


Und die Kosten können sich sehen lassen: Ein Funkgerät kostet mit Zubehör und Einbau rund 800 Euro. Die Wittlicher Feuerwehr benötigt beispielsweise 60 bis 70 Geräte. Selbst wenn sie für alle Zuschüsse in Höhe von 50 Prozent erhält, muss die Kommune also noch rund 28 000 Euro zahlen.
Im Sinne der Einheitlichkeit wird beim Kreisfeuerwehrtag am 14. August in Dreis ein Einsatz- und Alarmplan vorgestellt, der für alle Wehren und Rettungsorganisationen im Kreis die Kompetenzen im Funkverkehr festschreibt - also wer wann mit wem kommunizieren darf. Damit nimmt der Kreis in Rheinland-Pfalz eine Vorreiterrolle ein. Das Regelwerk könnte auch von anderen Kommunen übernommen werden.
Im Herbst beginnt der offizielle Betrieb des Digitalfunks, also auch im Einsatz, erklärt Becker. Mit einem flächendeckenden Betrieb rechnet er aber erst für kommendes Jahr. Denn der Einbau der Geräte kommt nur schleppend voran. Zudem müssen die Feuerwehrleute geschult werden, womit im April begonnen wurde. Schätzungsweise bis zu zwei Jahre werden die Feuerwehren noch zweigleisig fahren und analog sowie digital funken - auch mit zwei Funkgeräten in der Hand, wenn es ein muss.
Bislang haben die Feuerwehren im Landkreis auf einem Kanal gefunkt. Die Rettungskräfte konnten also auch die Kommunikation der Feuerwehren in der Nachbarschaft mithören. Künftig hat jede Verbandsgemeinde ihren eigenen Kanal. Die Nachrichtenübermittlung läuft verschlüsselt, ist also nicht mehr für jeden abhörbar, und es kann für jeden Einsatz eine eigene Gruppe geschaltet werden. In besserer Sprachqualität können die Mitarbeiter der Leitstellen in Zukunft Kontakt zu den Feuerwehrfahrzeugen, Rettungswagen und Streifenwagen halten und Einsätze effektiver koordinieren. Rauschen, Überreichweiten und sonstige Störungen werden der Vergangenheit angehören, und es soll weniger Funklöcher geben. Die Region Trier ist die erste in Rheinland-Pfalz, die umgestellt wird. Es folgt Koblenz im Spätjahr und die Pfalz im nächsten Frühjahr. uq