Dinosaurier-Projekt

Zur Debatte um den Hochmosel-Übergang meint diese Leserin

Die Pläne zum Bau des Hochmoselübergangs und der B 50 neu bestehen seit Jahrzehnten. Entstanden ist das Projekt in Zeiten des Kalten Krieges, Sinn war die rasche militärische Verbindung der Atlantikhäfen mit dem Rhein-Main-Gebiet und der ehemaligen DDR-Grenze bei Fulda.

Wir freuen uns über 20 Jahre Wiedervereinigung - und trotzdem halten CDU, SPD und FDP an diesem anachronistischen Projekt fest. Heute soll es zum Nutzen des defizitären Flug hafen Hahn sein, das heißt gutes Geld schlechtem Geld hinter herwerfen! Nach der erfolgreichen Klage des BUND im Jahr 2002 vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig war an der Baufront zunächst Ruhe. Das Land Rheinland-Pfalz hat jedoch die bemängelten Stellen im Planfeststellungsbeschluss "geheilt" und nunmehr besteht Baurecht.

"Warum jetzt noch Widerstand?", werde ich häufig gefragt, "ist doch eh gelaufen."

In jüngster Zeit haben namhafte Winzer nochmals ihre Stimmen in die Waagschale geworfen. Hugh Johnson, jedem Weinkenner als "Weinpapst" bekannt, hat vor Ort dazu aufgerufen, die Pläne zu begraben. Die internationale Fachpresse und auch Zeitungen wie die "Washington Post", die "Finan cial Times International", berichten über den Frevel, der unserer Landschaft angetan werden soll. Geschätzte 270 Millionen Euro für eine Verbindung zwischen Platten und Longkamp - da fragt man sich doch in den heutigen Zeiten, in denen es mannigfaltig an den nötigen Mitteln für beispielsweise Schulsanierungen und Kreisstraßenausbau fehlt: "Geht's noch?"

Der gerichtliche Weg ist ausgeschöpft, die Millionen Steuergelder für den Bau stehen offenbar zur Verfügung, was hilft noch? Öffentlichkeit und Politik! Es war und ist eine politische Entscheidung, ob das Moseltal und der Moselsporn zur Transitstrecke degradiert werden. Daher setze ich mein Vertrauen in die neu gewählte Bundesregierung, dass sie tatsächlich den Rotstift an der Stelle ansetzt, wohin er gehört: Schluss mit dem Verplempern von Millionen Euro in ein "Dinosaurierprojekt"!

Das wäre wirklich eine vertrauensbildende Maßnahme.

Jutta Blatzheim-Roegler

Bernkastel-Kues

(Anmerkung der Redaktion: Die Autorin ist für Bündnis 90/Die Grünen Mitglied des Stadtrat Bernkastel-Kues)

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