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Diskussion um letzte Ruhestätte des Kriegsverbrechers Baldur von Schirach

Diskussion um letzte Ruhestätte des Kriegsverbrechers Baldur von Schirach

Vor 39 Jahren starb in Kröv der ehemalige Reichsjugendführer Baldur von Schirach. Dort ist er auch beerdigt. Das Grab existiert immer noch. Doch es gibt Stimmen, die sagen, es hätte längst eingeebnet werden müssen. Laut Gemeinde könnte dies nun im kommenden Jahr geschehen, wenn ein Teil des Friedhofs neu geplant wird.

Auf dem Grab von Baldur von Schirach auf dem Kröver Friedhof wachsen ein paar Blümchen, die zwei Buchsbaumsträucher hingegen sind im heißen Sommer verdorrt. Die Vorderseite des massigen Grabsteins, in dem das Geburts- und Todesdatum eingraviert sind, trägt den Spruch "Ich war einer von euch". Das Grab wird offenbar im Auftrag der Angehörigen von einer Firma oder einer Privatperson gepflegt, und das schon seit 39 Jahren.

Baldur von Schirach, ehemaliger Reichsjugendführer, war bei den Nürnberger Prozessen als einer von 24 Hauptkriegsverbrechern angeklagt. 1946 wurde er zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die beiden letzten Jahre bis zum seinem Tod 1974 verbrachte er in Kröv - im ehemaligen Hotel Montroyal, das von den beiden unverheirateten Schwestern Ida und Käthe Müllen betrieben wurde. Käthe Müllen war während des Dritten Reiches in Kröv Ortsführerin des Bundes Deutscher Mädel (BdM) und wurde später von den Einheimischen nur "das Hitler-Käthche" genannt.

Ein Artikel im Wochenend-Journal des Trierischen Volksfreunds Anfang Juli dieses Jahres befasste sich mit der preisgekrönten Facharbeit des 19-jährigen Schweicher Abiturienten Felix Hufschmidt. Der Schüler hatte darin das Leben und Denken Baldur von Schirachs beleuchtet. In mehreren Leserbriefen wurde daraufhin gefordert, das Grab nach der längst abgelaufenen Ruhezeit doch endlich einzuebnen. Historische Bedeutung komme der Grabstätte nicht zu und um ein "Ehrengrab" mit Bestandsprivileg könne es sich wohl nicht handeln, schrieb beispielsweise Franz-Josef Schmit, Historiker aus Wittlich.

Das Grab endlich einzuebnen, fordert auch Werner Gessinger aus Lösnich. Er hatte sich zunächst per E-Mail an die Gemeinde Kröv gewandt, erhielt aber keine Antwort. Daraufhin schrieb er an den Bürgerbeauftragten des Landes, der wiederum die Gemeinde bat, die Angelegenheit zu prüfen und zu dem Anliegen Gessingers Stellung zu nehmen. Gessinger, der sich seit vielen Jahren intensiv mit der jüdischen Geschichte seines Heimatortes befasst und den dortigen jüdischen Friedhof pflegt, sagt: "Ich bekomme oft Besuch von jüdischen Nachfahren. Die können das nicht verstehen."

Günter Müllers, Ortsbürgermeister von Kröv, sagt: "Das Grab wird behandelt wie jedes andere auch."
Konkret: Ist die Ruhezeit abgelaufen - zum Bestattungszeitpunkt von Schirachs betrug diese 30 Jahre - können die Nachkommen laut Gemeinderatsbeschluss von 2005 bei Doppel- und Wahlgrabstätten eine Verlängerung beantragen, solange die Fläche nicht anderweitig genutzt wird. Das kostet pro Jahr derzeit 50 Euro. In dem Schreiben an den Bürgerbeauftragten des Landes, unterzeichnet von VG-Chef Otto Maria Bastgen, heißt es: "Begründet ist dieser Beschluss mit dem unterschiedlichen Ablauf von Ruhezeiten bei Einzel- oder Doppelwahlgrabstätten und den dadurch entstehenden Lücken in den Grabreihen, was das Gesamtbild des Friedhofs doch strak beeinträchtigt. Unter anderem machten von dieser Möglichkeit auch die Angehörigen des Baldur von Schirach Gebrauch".

Laut Ortschef Müllers wird der Bereich, in dem sich das Grab befindet, im kommenden Jahr, spätestens 2015, überplant. Ein Weg werde verbreitert, damit auch dort der Friedhofsbagger eingesetzt werden kann. Müllers: "Spätestens dann wird die Angelegenheit, die der Gemeinde bisher keine Probleme bereitet hat, erledigt sein." Soll heißen: Dann wird das Grab eingeebnet.