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Dodenburg inspiriert Kunststudenten

Dodenburg inspiriert Kunststudenten

Sechs Kunststudenten aus Polen und Deutschland arbeiten und wohnen während eines einwöchigen Workshops gemeinsam in Dodenburg. Ihr Thema ist das Dorf und seine Umgebung. In einer Ausstellung am Samstag, 27. August, zeigen sie die Ergebnisse.

Dodenburg. Im Garten des Hauses 18 in der Schlossstraße in Dodenburg sitzen morgens sechs Mittzwanziger in der Sonne und trinken Kaffee. Sie unterhalten sich in Englisch. Katarzyna, Kinga und Jakub sind am Vortag aus Polen gekommen. Sie studieren in Krakau an der Akademie der Schönen Künste Bildhauerei. In Dodenburg wohnen und arbeiten sie eine Woche lang gemeinsam mit drei Deutschen. Lea, Lukas und Matthias studieren Kommunikationsdesign an der Trierer Fachhochschule. Marie Senftleben-Gudrich hat die sechs zu sich eingeladen, weil sie den Austausch zwischen Deutschen und Polen fördern will, um die Augen für die "ungeheure intellektuelle und musische Begabung unserer Nachbarn zu öffnen".
Ihre Tochter Lea, die für ein Jahr an der Kunstakademie in Krakau studiert, bestätigt, dass der Kontakt zu polnischen Künstlern inspirierend sei. "Die sind so gut, dass es ungeheuer anspornt." Zum dritten Mal hat die Psychotherapeutin und Kunstliebhaberin Marie Senftleben-Gudrich den deutsch-polnischen Workshop organisiert und zum großen Teil auch finanziert. Am Ende der Woche zeigen die Kunststudenten in einer Ausstellung ihre Werke, die alle etwas mit Dodenburg zu tun haben sollen. Lea war bereits beim Schreiner, Milchbauern und Metallbauer. Die 24-Jährige will ihre Hände malen, um festzuhalten, wie das Leben sie gezeichnet hat.
Lukas möchte Menschen aus Dodenburg porträtieren. "Ihre Gesichter sind zufriedener als die von Stadtmenschen", schildert er seinen Eindruck. Der 28-Jährige bevorzugt Großstädte. Aber in dieser Woche hat er seine Liebe zum Dorf entdeckt: "Die Menschen sind ganz anders. Sie kommen auf einen zu, sind interessiert. Man geht nicht in der Masse unter."
Die drei Polen sind besonders von der Natur überwältigt, von der sie sich in Spaziergängen zu Gemälden inspirieren lassen.
In einer der drei Werkstätten hat Marie Senftleben-Gudrich das Material aufgebaut. Farben, Ton, Leinwände, Tusche, Pinsel, Kohlestifte. "Alles, was das Herz begehrt", sagt Lukas. Zu Hause in meiner WG kriege ich Ärger, wenn ich mit Ölfarben und Sprühlack arbeite." Auch neu und anders als im Studium ist die Freiheit, ohne Vorgaben arbeiten zu können, was die Studenten genießen. "Ich fahre lieber hierhin als in Urlaub", sagt Lukas und bringt seine Begeisterung für den Workshop auf den Punkt. Um etwas über Dodenburg und seine Umgebung zu erfahren, gehen die Studenten durchs Dorf, schauen sich einen Bauernhof an und essen gemeinsam im Gasthof Plein, wo Wirt und Wirtin alte Geschichten aus dem Dorf auspacken. Angefüllt mit Eindrücken machen sich die Künstler ans Werk. Der Erlös aus dem Verkauf ihrer Bilder fließt in die Finanzierung des Studentenaustauschs, für den die Initiatorin weiterhin Sponsoren sucht. sys
Die Ausstellung ist am Samstag, 27. August, von 12 bis 20 Uhr, in den Häusern und Gärten Schlossstraße 18/19 in Dodenburg zu sehen. Kontakt: Telefon 06508/1626