Dörfliche Identität bewahren

Gemeinschaft macht stark. Dies erlebt derzeit die Hunsrückgemeinde Lötzbeuren, wo seit über einem Jahr die Dorfmoderation läuft. Gemeinsam wollen dabei Bürger, die Vereine, der Gemeinderat und die Dorfjugend nach Lösungen suchen, wie die dörfliche Identität gesichert werden kann und das Dorf eine Zukunft hat.

Mit der Dorfmoderation will Lötzbeuren seine dörfliche Identität bewahren und dem Dorf eine gute Zukunft geben. Im Bild der idyllische Ortsmittelpunkt mit der evangelischen Kirche. Foto: Dieter Junker

Lötzbeuren. Begonnen hat alles schon vor zwei Jahren. Damals überlegte der Gemeinderat, wie er auf den Strukturwandel in der Landwirtschaft und auf den demografischen Wandel reagieren kann. Aufgrund der großen Resonanz in der Bevölkerung entschied sich der Rat für eine Dorfmoderation. Ein Jahr später folgte die Auftaktveranstaltung, moderiert vom Planungsbüro Stadt-Land-Plus aus Boppard, in der eine Stärken- und Schwächenanalyse vorgenommen und erste Arbeitskreise gebildet wurden. Auftakt für die Dorfmoderation in der 500-Einwohner-Gemeinde. "Wir haben seitdem viel miteinander diskutiert und überlegt, haben Vorschläge erarbeitet und erste Ideen umgesetzt", bilanziert Bürgermeister Klaus Reitz. Jetzt gehe es darum, die Menschen zum Mitmachen zu begeistern. Reitz: "Was wir brauchen, ist das Gespräch. Jeder soll seine Bedürfnisse mitteilen und sich so mit seiner Meinung und seinen Ideen einbringen können." Viele im Ort schlummernde Potenziale seien so bereits entdeckt worden, freut sich der Bürgermeister. Ein Arbeitskreis beschäftigt sich derzeit mit der Bausubstanz im Ort, mit dem Ziel, einen Wohnungsleerstand zu vermeiden und für ehemalige Wirtschaftsgebäude eine Weiter- oder Umnutzung zu finden. Der zweite Arbeitskreis widmet sich der Infrastruktur und der gesellschaftlichen Entwicklung der Gemeinde. Zahlreiche Ideen sind hier bereits erarbeitet worden, so für einen Dorfladen, für ein Dorfbegegnungshaus oder eine Tauschbörse. Erster Erfolg: In der vergangenen Woche wurde ein Dorfkaffee im Haus der evangelischen Kirchengemeinde eröffnet, wo sich Jung und Alt treffen und den Nachmittag verbringen können. Sei es zum Spielen, zum Lesen oder einfach nur zum Gespräch. Hier soll sich jeder nach seinen Möglichkeiten einbringen können, wie Reitz betont. Ob es um Kuchen backen oder Geschichten erzählen und aufschreiben geht. "Dies ist unser erster Schritt zur generationenübergreifenden Gemeinsamkeit", freut sich der Bürgermeister. Nun hofft die Gemeinde auch, dass die beabsichtigte Stiftung, in die das Geld aus dem Waldverkauf im Rahmen der Erweiterung des Flughafens Hahn gehen soll, um damit kulturelle und soziale Initiativen im Dorf zu unterstützen, bald gegründet werden kann. Zunächst hatten die Kommunalaufsicht und die ADD in Trier Bedenken geäußert, doch nach Gesprächen zwischen Landrätin, ADD-Präsident und Verbandsgemeinde ist die Verwirklichung dieser Idee näher gerückt. "Dorfmoderation und Stiftung sollen eng miteinander verbunden sein", betont Klaus Reitz. "Vielleicht gelingt es uns ja, hier in der Nähe des Flughafens Hahn eine andere, positive Entwicklung einer Gemeinde zu erreichen", erläutert der Ortschef. Anders als andere Gemeinden im Umfeld des Flughafens setze Lötzbeuren dabei nicht auf die Ansiedlung von Gewerbe und Großhandel, sondern auf Erholung und Lebensgefühl. "Warum soll hier nicht ein Refugium entstehen?", fragt Reitz und hofft dabei auf die Dorfmoderation. "Den Startschuss haben wir gemacht zu einem Staffellauf, nun wollen wir die Zuschauer am Rande mitnehmen", betont Reitz. Am Ziel gehöre der Sieg dann allen. Und dabei weiß er, dass nicht alles auf einmal angegangen werden kann. "Manchmal sind zwei kleine Schritte besser als ein großer Schritt, damit alle Menschen in unserem Dorf das Tempo mithalten können", ist sich Klaus Reitz sicher, und er fügt hinzu: "Ich wünsche mir, dass diese Ideen von vielen Menschen in unserem Dorf angenommen und genutzt werden. Die Herausforderung jedenfalls lohnt sich."