Dokumente von Lebenskultur

Zum Artikel "Stadt und Dörfer mit Leben erfüllen" (TV vom 28. Januar) meint dieser Leser:

Schon immer haben verantwortungsbewusste Bürger für den Erhalt des hohen Kulturgutes Stadt gekämpft. Durch die von der Politik zugelassenen ständigen Neugründungen und Erweiterungen von DOC's und FOC's wird bewusst oder unbewusst die Urbanität im Sinne städtischer Vielfalt vernichtet. Städte bluten aus und veröden. Denn jede Neugründung und Erweiterung von Factory- und Designer Outlet-Centern (FOC und DOC) hat ihre Auswirkung auf die Innenstädte. Zweibrücken steht vor der Erweiterung um 3000 Quadratmeter. In Wertheim Village hat man gewachsene deutsche Stadtkultur durch pseudofränkische Fachwerkidylle ersetzt; Disneyland-Architektur. Rüdiger Stoph fragt in der FAZ: "Wo ist der Bürgerstolz geblieben, der sich so eindrucksvoll in der Architektur deutscher Rathäuser manifestiert?"Was bleibt von unserer Zivilisation und Kultur, wenn man sich die Städte einmal wegdenkt? Städte sind Dokumente von Lebenskultur. Ohne attraktiven vielfältigen Handel keine Innenstädte, ohne Innenstädte keine Städte mit Urbanität. Auch die Politiker haben dieses durchaus erkannt und beraten in Konferenzen Programme zur Stärkung der Städte. Umso unverständlicher, besorgniserregend und empörend ist es für mich, dass man sehenden Auges oder grob fahrlässig durch FOC-Ansiedlungen oder -Erweiterungen zunehmend zerstört, was man dann mühsam und in vielen Städten erfolglos wiederherzustellen versucht: die unverzichtbare urbane und funktionsfähige Stadt.Günter Hees, Bernkastel-Kues Stadtentwicklung