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Dorfdialekt im Wandel: Vortrag von Sprachwissenschaftlerin in Thalfang

Dorfdialekt im Wandel: Vortrag von Sprachwissenschaftlerin in Thalfang

Was macht unseren Dialekt aus, und wie beeinflusst er die Standardsprache? Beim Vortrag der Dialektforscherin Maike Edelhoff aus Minheim im Thalfanger Haus der Begegnung haben die Besucher viel Neues erfahren.

Dialekte sterben nicht aus. Und obwohl bei der Kindererziehung die hochdeutsche Aussprache in den vergangenen Jahrzehnten forciert worden ist, haben Dialekte nach wie vor Hochkonjunktur. "Ich kenne Leute, die in den 1980ern ihre Kinder hochdeutsch erzogen haben und ihren Enkeln jetzt Platt beibringen", sagt die Minheimer Dialektforscherin Maike Edelhoff. Und das werde inzwischen allgemein auch begrüßt. Denn so lernten Kinder zwei "Sprachen", ihren individuellen Dialekt und Hochdeutsch und könnten je nach Bedarf zwischen beiden Sprachen umschalten. Wer in Dialektgegenden hochdeutsch erzogen werde, könne das nicht. Bei denen vermischten sich beide Sprachen, erklärt sie bei ihrem Vortrag im Thalfanger Haus der Begegnung.

Die heutigen Dialekte haben ihren letzten Einfluss aus der Lautverschiebung, die sich von der Schweiz nach Norden fortgesetzt hat. In den süddeutschen Gegenden ist sie angekommen, in Norddeutschland hingegen nicht. Dazwischen ließen sich Grenzen beobachten, sagt sie. Beispiel "das" und "dat": Während im Rheinfränkischen, zu dem auch der saarländische Dialekt gehört, das "s" vorherrscht, sei dieses im Moselfränkischen nie angekommen, sagt sie. Und auch innerhalb der VG Thalfang beobachtet sie unterschiedliche Dialektformen, wie sie am Beispiel "werden" wie "größer werden" beobachtet: Im 19. Jahrhundert sei in der VG flächendeckend "wären" gesagt worden. Erst in den 1980er Jahren habe sich in einigen Ortschaften dann das Wort "ginn" durchgesetzt, beispielsweise in Horath, Heidenburg und Talling, während in Hilscheid damals nach wie vor "wären" gesagt worden sei. Bei einer Spontanumfrage unter zehn Bewohnern der VG Thalfang, unter anderem aus Deuselbach, Breit, Malborn und Thalfang, hätten alle Befragten "ginn" gesagt. Sterben also die Dialekte? "In dem Zusammenhang scheinen sie stärker geworden zu sein", sagt Edelhoff.

Doch wandelten sich die ursprünglichen Dorfdialekte zu Regionalsprachen, sagt sie. "Dialekte gehen nicht weg, sie werden großräumiger." Zudem änderten sich der Gebrauch, die Aussprache und die Grammatik der Dialekte, aber "sie verschwinden nicht spurlos". Regionalsprachen seien identitätsstiftend für eine größere Region. "Man sagt: ,Ich bin von der Mosel`' anstelle von: ,Ich bin aus Minheim'", nennt sie ein Beispiel anhand ihres Heimatortes. Außerdem bleiben Dialekte einflussreich, denn deren Wörter und Strukturen könnten auch die Standardsprache beeinflussen.

Das "Äich senn am Koche" heißt hochdeutsch "Ich koche gerade." Doch werde "Ich bin am Kochen" inzwischen auch in anderen Teilen Deutschlands akzeptiert, während eine erweiterte Form wie "Ich bin Kuchen am Backen" außerhalb der Region abgelehnt werde.Extra: Promovierte Dialektforscherin

Die Dialektforscherin Maike Edelhoff ist 29 Jahre alt und stammt aus Minheim. Ihre Doktorarbeit hat sie geschrieben über das Thema "Wird die deutsch-luxemburgische Staatsgrenze zur Sprachgrenze?"