Dreckiger Bahnhof ärgert den Stadtchef

Dreckiger Bahnhof ärgert den Stadtchef

Ein Schild der Stadt Traben-Trarbach fordert die Fahrgäste auf, sich direkt bei der Bahn zu beschweren.

Traben-Trarbach Patrice Langer, Stadtbürgermeister von Traben-Trarbach ist es leid. Ständig beschweren sich bei ihm oder den Mitarbeitern der Touristinformation Gäste und Einheimische über den verdreckten Bahnhof. Er ist Endstation der Moselweinbahn, die zwischen Bullay und der Doppelstadt verkehrt. Jetzt hat Langer vor dem Bahnhof ein Schild montieren lassen auf dem steht: "Für die Sauberkeit/Pflege des Bahnhaltepunktes Traben-Trarbach ist die Stadt leider nicht zuständig. Pflegearbeiten/Sauberkeit etc. obliegen der Deutschen Bahn AG. Bitte richten Sie ihre Beschwerde an: DB Station & Service AG, Bahnhofsmanagement Koblenz." Angegeben ist die entsprechende Telefonnummer.Ob es was bringt? Langer hofft, ist aber skeptisch. Das Thema verfolgt ihn, seit er vor drei Jahren zum Stadtbürgermeister gewählt wurde. Langer: "Die Situation an der Bahnhaltestelle ist eine Katastrophe. Die Mülleimer quellen über, der Wind verteilt Papier und Dreck in alle Himmelsrichtungen." Langer macht deutlich: Traben-Trarbach sei kein Mini-Haltepunkt wie zum Beispiel Kövenig. Vor allem während der Saison und des Mosel-Wein-Nachts-Marktes im Dezember und Januar würden viele Gäste mit der Bahn anreisen. Dabei gab es kurzfristig einmal Hoffnung auf Besserung. Ein Beschwerdebrief an die Bahn vor zwei Jahren hatte zunächst einmal Wirkung gezeigt. Die Bahn gelobte am 10. Dezember 2015 Besserung. Zitat: "Wir versichern Ihnen, dass wir Tag für Tag unser Bestes geben, um die Bahnhöfe so sauber wie möglich zu halten. Wir können aber Verschmutzungen in unseren Anlagen nicht überall und zu jeder Zeit ausschließen. Daher bitten wir Sie um Verständnis und Nachsicht, dass es trotz regelmäßiger und gründlicher Reinigung zu Beeinträchtigungen kommen kann. Um die von Ihnen geschilderte Situation in der Verkehrsstation Traben-Trarbach kurzfristig zu verbessern, haben wir unseren Vertragspartner beauftragt, kurzfristig eine Sonderreinigung durchzuführen. Dies auch vor dem Hintergrund des unmittelbar neben dem Haltepunkt stattfindenden Wein-Nachts-Marktes und des erhöhten Müllaufkommens von dort. Diese Sonderreinigung hat heute stattgefunden und soll vor Weihnachten noch einmal wiederholt werden. Ab dem kommenden Jahr haben wir für Traben-Trarbach den Reinigungsintervall, der für Stationen dieser Kategorie vorgesehen ist, erhöht."Langer berichtet, dass es besser geworden war - aber nur kurzfristig, danach sei der alte Zustand wieder eingetreten. Langer moniert, dass die Mülleimer zu klein seien und nur einmal pro Woche, und zwar montags, also nach dem Wochenende, geleert würden. Und er sagt mit Blick auf die vielen auf dem Boden liegenden Zigarettenkippen: "Ein Aschenbecher würde schon helfen." Neben dem Müll sind die ungepflegten Grünanlagen am Bahnhof dem Stadtchef ein Dorn im Auge. Mit diesem Problem sah sich bereits seine Vorgängerin Heide Pönnighaus konfrontiert. Sie hatte der Bahn vorgeschlagen, dass die Pflegearbeiten gegen Entgelt von der Stadt übernommen werden könnten. Diese Anregung verlief aber ebenso im Sande wie ein entsprechendes Angebot von Langer. Hans-Peter Kohlbecker, Leiter des Bahnhofsmanagement in Koblenz, verweist auf den wöchentlichen Reinigungszyklus. Die Bahn arbeite derzeit an einem neuen Reinigungskonzept. Kohl-becker: "Wegen der Situation in Traben-Trarbach sind wir gerne bereit, mit der Stadt noch einmal ein Gespräch zu führen." KommentarMeinung

Ob es hilft? Stadtbürgermeister Langer hat jetzt dieses Schild vor dem Bahnhof montieren lassen. Foto: Winfried Simon (sim) ("TV-Upload Simon"

Gute Manieren sind outNatürlich muss die Bahn für Sauberkeit auf ihrem Gelände sorgen. Aber sie kann nicht jedem Schmutzfink hinterherlaufen. Das scheint nämlich das größere Problem zu sein: Zigarettenkippen auf den Bahnsteig werfen, leere Dosen und Flaschen unter der Sitzbank hinterlassen, Kaugummi auf die Gehwege spucken und so weiter: Anstand und Manieren kennen heute offenbar immer weniger Menschen. Meistens sind es Jugendliche, die bei ihren Treffs öffentliche Plätze in Müllhalden verwandeln. Es ist wohl ein gesellschaftliches Problem. Werte wie Rücksichtnahme oder gutes Benehmen zählen heute nicht mehr viel. w.simon@volksfreund.de