Drei Brücken - ein Jahrhundert

Vor 100 Jahren wurde der Grundstein für die erste Wehlener Moselbrücke gelegt. Eine Hochwasserkatastrophe sowie der Zweite Weltkrieg machten zwei erneute Brückenbauten erforderlich. Seit 1949 gilt die einzige Hängebrücke im Moseltal als Besonderheit unter den Moselbrücken.

Bernkastel-Kues/Wehlen. Vor genau einem Jahrhundert, am 22. Oktober 1913, erfolgte im Weinort Wehlen die Grundsteinlegung zum Bau der ersten Brückenverbindung zu den Weinbergslagen auf der gegenüberliegenden Moselseite. Die nach Kaiser-Wilhelm II. benannte Moselbrücke wurde nach zweijähriger Bauzeit im September 1915 fertiggestellt und ersetzte den ehemaligen Fährbetrieb. Sie verband die beiden gegenüberliegenden Provinzialstraßen und ermöglichte es den Wehlener Bürgern und Winzern, die ehemalige Moseltalbahnstation bequem zu erreichen. Darüber hinaus diente die Brücke als Ausweichs- und Entlastungsverbindung für die Moselbrücke in Bernkastel-Kues.
Die Konstruktion der Kaiser-Wilhelm-Brücke in Betonausführung mit zwei im Flussbett gegründeten Pfeilern sollte sich aber schon nach wenigen Jahren als anfällig erweisen. Bedingt durch ein großes Hochwasserereignis kam es am 15. Januar 1920 zu einem folgenschweren Eisgang, der das Bauwerk zum Einsturz brachte.
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Als Ursache für den Einsturz wurden Gründungsfehler beziehungsweise unsichere Bodenverhältnisse angesehen. Die schwierige Beseitigung der Trümmer dauerte von 1923 bis 1924.
Angesichts dieser Vorgeschichte wählte man zum Bau der zweiten Wehlener Moselbrücke im Jahr 1925 eine eiserne Bogenbrücken-Konstruktion ohne Flusspfeiler. Die neue "Hindenburg-Brücke" wurde am 24. November 1926 dem Verkehr übergeben. Doch auch dieses neue Brückenbauwerk erreichte kein hohes Alter. Nachdem es einen schweren Flieger-Bombenangriff am 25. Februar 1945 überstand, wurde es am 12. März 1945 bei Rückzugskämpfen der deutschen Truppen durch Sprengung vernichtet. Die Entfernung des zerstörten Brückengerüstes zog sich bis zum Jahr 1947 hin.
Bedingt durch die Materialknappheit nach Kriegsende und Restriktionen der französischen Militärregierung griff man beim Bau der dritten, heute noch bestehenden Brücke auf einen stahlsparenden Entwurf einer sogenannten "echten" Hängebrücke (siehe Extra) zurück. Diese bei früheren Brückenbauten weltweit bewährte Konstruktion war nicht nur optisch reizvoll, sondern für diesen Standort auch ideal geeignet. Bei der Finanzierung des Bauwerks mussten sich die Wehlener Winzer mit 1 DM je Weinbergstock beteiligen.
Nach Beginn der Bauarbeiten im Februar 1948 konnte die Hängebrücke in einer Bauzeit von eineinhalb Jahren fertiggestellt werden. Am 17. September 1949 erfolgte die Verkehrsübergabe, und man feierte ein dreitägiges Brückenweihefest.
Im Jahr 1994 musste das Bauwerk einer größeren Sanierung unterzogen werden, wobei das Erscheinungsbild der Brücke trotz teilweiser Neukonstruktion erhalten werden konnte.
Obwohl sie zunächst als "Probebrücke für Kolonialzwecke" von der ehemaligen französischen Militärregierung genehmigt wurde, hat sich die Wehlener Moselbrücke bis heute bewährt und stellt als einzige Hängebrücke im Moseltal eine Besonderheit dar.
Extra

Bei einer "echten" oder erdverankerten Hängebrücke handelt es sich um eine Brückenkonstruktion, bei der die Zugkraft der Brücke am Ende der Stahl-seile von einer Verankerung im Baugrund aufgenommen wird. Dazu werden die Tragseile in großen Ankerblöcken im Baugrund befestigt. Bei dieser Brückenbau-Variante wird der Fahrbahnträger nur gering durch Zug- oder Druckkräfte belastet und kann in einer sehr leichten Bauweise erstellt werden. Bei den meisten Hängebrücken der Welt handelt es sich um echte Hängebrücken. mph