Drei Jahre für den Panzerknacker

Der Panzerknacker-Prozess ist zu Ende: Das Landgericht Trier hat gestern einen 39-Jährigen zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Er war wegen einer Serie von Bankeinbrüchen angeklagt, doch davon übrig blieb nur die Rolle des Fluchtfahrers beim Aufbruch eines Geldautomaten in Pluwig.

Trier. Acht Tage lang hat die dritte große Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Armin Hardt verhandelt und dabei 40 Zeugen angehört. Ein enormes Pensum in einem Verfahren, das unter dem Spitznamen "Panzerknacker-Prozess" die Runde machte.
Die Staatsanwaltschaft warf dem in Frankfurt lebenden Angeklagten vor, er sei 2012 und 2013 zusammen mit einem Komplizen in Banken eingebrochen und habe dort Geldautomaten geknackt. In Thomm und Pluwig (Landkreis Trier-Saarburg), Monzelfeld, Niederöfflingen und Longkamp (Bernkastel-Wittlich) sowie Bickendorf (Bitburg-Prüm) und im Wittlicher Stadtteil Bombogen soll er zugeschlagen haben. Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht fanden eine Einigung: Der Angeklagte legt für den Aufbruch des Geldautomaten in Pluwig vom 6. Februar 2014, der eine Beute von 70 000 Euro einbrachte, ein volles Geständnis ab. Er erhält im Gegenzug die Garantie, dass seine Haftstrafe nicht mehr als sechs Jahre umfassen wird.
Deal platzte



Doch dieser Deal platzte. Statt des angekündigten vollen Geständnisses ließ der 39-jährige gelernte KFZ-Mechaniker seinen Verteidiger Miroslav Lucic aus Frankfurt eine Erklärung verlesen. Er habe mit all diesen Überfällen nichts zu tun. Der Täter sei sein Komplize gewesen, der sich Anfang April in der Untersuchungshaft das Leben genommen hat (der TV berichtete).
Nur am Einbruch in Pluwig sei er beteiligt gewesen - als Fluchtfahrer. Eine Nacht lang habe er mit einem Fluchtauto auf einem Parkplatz gewartet.
Die Kammer zog gestern die Konsequenz und stellte auf Antrag von Staatsanwalt Arnold Schomer das Verfahren in allen Anklagepunkten ein - bis auf Pluwig. Für die Beihilfe zum Einbruch, die der 39-Jährige gestanden hatte, musste er sich weiterhin verantworten.
Beute zurückerhalten


Die Beute aus Pluwig hat die Bank bis auf 115 Euro komplett zurückerhalten - ein zusammen mit dem Geständnis klar strafmildernd wirkender Punkt. Doch auf der anderen Seite standen neun Vorstrafen des Angeklagten, der offenbar schon als junger Erwachsener in die Welt der Einbrüche eingestiegen ist und wegen schweren Bandendiebstahls auch bereits zweieinhalb Jahre gesessen hat.
Nach kurzer Beratung verkündete Richter Hardt das Urteil der Kammer: Der Angeklagte, der seit seiner Verhaftung im Februar in Untersuchungshaft sitzt, wurde zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Er kann Revision einlegen, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.Extra

Der Einbruch in Pluwig: Der Täter hat sich nach Darstellung der Ermittler gegen 4.30 Uhr von hinten an das Bankgebäude herangeschlichen und waren durch ein Fenster in den Tresorraum eingestiegen. Das Eisengitter, mit dem das Fenster gesichert war, wurde aus der Wandverankerung gerissen. Der Verurteilte blieb bis zuletzt bei seiner Behauptung, er habe im Fluchtauto gesessen und sei am Einbruch selbst nicht beteiligt gewesen. Die Polizei jagte beide Männer mit Spürhunden und einem Hubschrauber, der mit einer Wärmebildkamera ausgestattet war. Gegen 5.30 Uhr, eine knappe Stunde nach dem Einbruch, schoss die Polizei Leuchtkugeln hoch. Dadurch konnten die flüchtenden Männer offenbar schnell geortet werden. jp