Drei Jahrzehnte "auf der Burg"

Während der geplante Nationalpark zunehmend Konturen annimmt, endet im Forstamt Dhronecken eine Ära: Nach drei Jahrzehnten als Forstamtsleiter verabschiedet sich Hans-Jürgen Wagner Ende Juli in den Ruhestand.

Dhronecken. Wer seinen Beruf lebt, tut sich oft schwer, in Rente zu gehen. Nicht jedoch Hans-Jürgen Wagner, seit drei Jahrzehnten Leiter des Forstamtes Dhronecken. "Ich habe eine gute Zeit gehabt, freue mich aber nun, mehr Zeit zu haben für meine Hobbys", sagt der 64-Jährige. Und die beschränken sich nicht auf Natur, Forst und Jagd. Obschon Wagner auch persönlich die Renaturierung der Moore am Herzen liegt und er es liebt, Nester des seit zwölf Jahren in der Region heimischen Schwarzstorchs zu pflegen.
Verabschiedung am 25. Juli


Eine weitere Passion: "Ich mache unheimlich gerne Schreinerarbeiten", schwärmt der Vater zweier Söhne. Außerdem liest er viel und wird als wissbegieriger Mensch bald wieder studieren: Archäologie und Kunstgeschichte.
Als Leiter des Forstamts Dhronecken ist er auch Jagdleiter eines der größten staatlichen Jagdbezirke in Rheinland-Pfalz, den er außerhalb seiner Dienstzeit zu betreuen hat. Das Fleisch der erlegten Tiere verarbeitet er, wann immer es seine Zeit erlaubt, zu Wilddelikatessen wie Wurst- und Schinken-Spezialitäten. Wagner: "Das ist ein bisschen kurz gekommen in letzter Zeit."
Von den drei Jahrzehnten im Forstamt Dhronecken ist ihm der Antrittstag, der 1. Mai 1985, bis heute in Erinnerung. Am Tag der Arbeit dort zu beginnen, sei bezeichnend gewesen.
Denn an Arbeit habe es nie gemangelt. Sorgen bereiteten vor allem vier besonders schwere Stürme, die große Windwurfflächen hinterließen. "Das war Dauerstress", sagt er rückblickend. Daneben hatte er drei große strukturelle Änderungen zu bewältigen.
1995, als Detzem mit Büdlich und Breit zum Forstamt kamen, 2004, als landesweit die Zahl der Ämter halbiert wurde und Morbach eingegliedert wurde und aktuell durch den geplanten Nationalpark. Während Wagner die jetzige Reform als "Chance für die Region" sieht, stand dazwischen auch immer mal die Zukunft des Forstamts Dhronecken, das nun erneut neu zugeschnitten wird (siehe Extra), auf der Kippe.
Dass es weiterhin bestehen wird, freut ihn sehr. Es sei schon etwas Besonderes, im Torhaus einer Burg zu arbeiten und 20 Jahre dort sogar wohnen zu können. Später lebte Wagner in einem sorgsam sanierten Haus in der Nähe und zog kürzlich nach Thalfang um.
Geboren ist der Forstamtschef im niedersächsischen Rotenburg an der Wümme. Da sein Vater ebenfalls Forstbeamter war, musste die Familie alle paar Jahre umziehen, was dem Sohn nach 18 Jahren im Münsterland und acht Jahren in Mainz erspart blieb.
Ob es Nachfolger Thomas Vanck, der das Amt im Dhronecken vorerst kommissarisch leiten wird und bereits seit einigen Wochen im Haus ist, ähnlich gehen wird, bleibt abzuwarten.
Offiziell verabschiedet wird Hans-Jürgen Wagner am Freitag, 25. Juli.

Extra

Durch den Nationalpark ändern sich ein weiteres Mal die Forststrukturen. Die Zahl der Forstämter um das Areal reduziert sich von vier auf drei in Birkenfeld, Rhaunen und Dhronecken. Letztgenanntes umfasst 16 000 Hektar von der Mosel-Schleuse Detzem über den Erbeskopf (816 Meter) bis zum Idarkopf (744 Meter) und beschäftigt etwa 70 Mitarbeiter. Das Forstamt Hochwald, Sitz Hermeskeil, ist mit 16 500 Hektar ähnlich groß und soll von Dhronecken verwaltet werden. Im Gegenzug wird Dhronecken voraussichtlich 10 000 Hektar - Staatswald und Morbacher Gemeindewald - an das Forstamt Idarwald abgeben und dieses wiederum Flächen nach Birkenfeld. Zuständig für die Holzernte im Nationalpark wird das im Mai eröffnete Kompetenzzentrum Waldtechnik Landesforsten (KWL) mit Sitz in Hermeskeil sein. Es ist eine eigenständige, einem Forstamt organisatorisch gleichgestellte Dienststelle. Zu der für das Frühjahr 2015 geplanten Nationalpark-Eröffnung sollen im KWL Hermeskeil 32 Vollzeit-Beschäftigte arbeiten, die unter anderem umwelt- und bodenschonende Holzernteverfahren im Staatswald entwickeln und erproben sollen. urs