Drei Stempel für die Wittlicher Bücherwürmer

Wittlich · Am Dienstag startet wieder der Lesesommer in der Stadtbücherei Wittlich. Im Vorjahr haben über 1000 Kinder teilgenommen. Eine wichtige Rolle haben die Interviewerinnen, die die Kinder befragen und ihnen so bestätigen, dass sie die Bücher auch gelesen haben.

Beatrix Stieger, Ursula Große Höötmann und Anita Sottmeier (von links) gehören zu den über 30 Interviewerinnen, die sich ehrenamtlich für den Lesesommer der Stadtbücherei Wittlich engagieren. TV-Foto: Björn Pazen

Foto: Bjoern Pazen (BP) ("TV-Upload Pazen"

Wittlich. Manchmal bilden sich mitten in den Sommerferien lange Schlangen in der Stadtbücherei/Kreisergänzungsbücherei in Wittlich. Kinder warten freiwillig außerhalb der Schulzeit darauf, abgefragt zu werden. Nicht von Lehrern, sondern von Interviewerinnen. Nicht über die Hausaufgaben, sondern über Bücher.
Es ist wieder Lesesommer. Ab Mittwoch sind dann auch Ursula Große Höötmann, Beatrix Stieger und Anita Sottmeier wieder im Einsatz. Sie sind drei von über 30 ehrenamtlichen Helferinnen beim Lesesommer, der in den vergangenen Jahren jeweils über 1000 Kindern zwischen sechs bis 16 Jahren zu Bücherwürmern werden ließ.Drei Bücher pro Sommer


Jedes Kind erhält zum Start seinen Lesesommerpass, und wer zwischen dem 14. Juli und 12. September mindestens drei Bücher gelesen hat, wird zur großen Abschlussveranstaltung am 4. Oktober im Bungert-Oktoberfestzelt eingeladen. Aber nur Ausleihen reicht nicht - die Kinder müssen die Bücher auch gelesen haben. Da kommen die Interviewerinnen ins Spiel. Denn sie überprüfen, ob das Buch auch gelesen wurde - nur dann gibt es einen Stempel in den Pass. Zum dritten beziehungsweise vierten Mal sind Ursula Große Höötmann, Beatrix Stieger und Anita Sottmeier schon als Interviewerinnen aktiv. Alle Bücher haben sie natürlich nicht gelesen, aber sie bereiten sich auf jedes Interview vor, zumindest mit dem Klappentext. "Die kleineren Kinder haben noch Lampenfieber, viele erzählen aber so viel aus den Büchern, dass wir gar nicht groß nachfragen müssen", sagt Beatrix Stieger aus Osann-Monzel, die sich als Buchhändlerin auch beruflich mit Kinderbüchern beschäftigt.
Anita Sottmeier ist ehrenamtliche Vorleserin in der Kindertagesstätte ihres Heimatortes Wallscheid und freut sich immer wieder über "die große Begeisterung, wenn Kindern vom Lesen erzählen". Ursula Große Höötmann ist Mutter von drei Kindern, die am Lesesommer teilnehmen und ist selbst interessiert daran "welche Bücher bei Kindern wie ankommen". Da sich mittlerweile - auch dank des Aufrufs im Volksfreund - über 30 Interviewerinnen für diesen Sommer gemeldet haben, hat das Trio deutlich weniger Schichten als früher. Einmal pro Woche zwei bis zweieinhalb Stunden befragt jede von ihnen bis Mitte September die Kinder. Während der gesamten Öffnungszeit der Bücherei - dienstags von 11 bis 19 Uhr, mittwochs und donnerstags von 11 bis 18 Uhr, freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 14 Uhr - ist eine Interviewerin ab 14. Juli vor Ort.Spaß muss sein


"Lesen soll den Kindern Spaß machen, es soll kein Zwang zum Lesen sein - so handhaben wir auch unsere Interviews, das ist etwas anderes als ein Test in der Schule", beschreibt Sottmeier die Interviewsituation. Alle drei sind begeistert über die große Resonanz des Lesesommers - Wittlich ist seit Jahren die Stadt mit den landesweit höchsten Teilnehmerzahlen: "Das ist erstens eine gute Tradition. Die Kinder haben einen großen Ehrgeiz, und die Aktion wird drittens von der Bücherei sehr stark in den Schulen beworben", sind für Stieger die Gründe dafür.
Und bei ihren Interviews erleben die Frauen auch lustige Begebenheiten. So wie den Jungen, der sich an den Tisch setzte, und dem Mann gegenüber alles über das Buch erzählte - dieser aber gar kein Interviewer, sondern ein normaler Bücherei-Besucher war. Oder der Junge, der lauthals ein Lied intonierte, das in dem Buch vorkam. Lohn für die Interviewerinnen ist neben dem Spaß, den die Beschäftigung mit Kindern und Büchern mit sich bringe, übrigens nur ein gemeinsames Essen. "Das reicht uns völlig aus", sagt Stieger.