Drei Stimmen aus dem Hintergrund

Vorstadt, Marktplatz, Kueser Brückenkopf: Wer dort beim Weinfestumzug steht, wird auch mit Informationen versorgt: von den fachkundigen Kommentatoren Bianca Waters, Dieter Kiesgen und Jürgen Servatius.

Bernkastel-Kues. Von oben herab schauen: Im übertragenen Sinn kann das auch bedeuten, etwas geringzuschätzen oder zu verachten. Das haben Bianca Waters, Dieter Kiesgen und Jürgen Servatius aber nicht im Sinn, wenn sie beim Weinfest der Mittelmosel von oben herabschauen. Das Trio kommentiert an verschiedenen Orten den Festzug am 6. September und steht dabei wegen der besseren Aussicht erhöht: Waters in der Apotheke am Marktplatz, Kiesgen im Café Michel in der Vorstadt und Servatius im Haus Barten am Kueser Brückenkopf.
Knapp 90 Gruppen unterwegs

 Im zweiten Jahr dabei: Jürgen Servatius. Foto: privat
Im zweiten Jahr dabei: Jürgen Servatius. Foto: privat
 Seit zehn Jahren dabei: Bianca Waters. Foto: privat
Seit zehn Jahren dabei: Bianca Waters. Foto: privat Foto: (m_mo )
 Seit elf Jahren dabei: Dieter Kiesgen. Foto: C. Beckmann
Seit elf Jahren dabei: Dieter Kiesgen. Foto: C. Beckmann Foto: (m_mo )


Die längste Erfahrung als Kommentator hat Dieter Kiesgen. Seit 2005 erzählt der 65-Jährige den Besuchern etwas über die teilnehmenden Gruppen - in diesem Jahr sind es knapp 90. Sein Vorgänger, Alex Bastian, habe damals aufgehört. Er sei gefragt worden und habe sofort zugesagt, berichtet Kiesgen. Und was sieht er seither? "Zum Beispiel viele Einheimische, die jedes Jahr an der gleichen Stelle sitzen oder stehen."
Wenn es nach ihm geht, muss die Sonne an dem Tag nicht unbedingt vom Himmel knallen. Vor einigen Jahren habe er sich, obwohl eingecremt, das Gesicht verbrannt, weil er genau in die Sonne geschaut habe. Es dauert immerhin zwei Stunden, bis der Zug an ihm und den Kollegen vorbeigezogen ist.
Bianca Waters (45) kommentiert den Zug zum zehnten Mal. Anfangs in ihrer Funktion als freie Journalistin, mittlerweile als Mitarbeiterin der Stadt. Der Markplatz, das geben Kiesgen und Servatius zu, sei das Herzstück an der Festzugstrecke. "Bianca ist prädestiniert, dort zu stehen", sagen sie
Der Umzug verändert sich von Jahr zu Jahr kaum - das schadet ihm aber nicht. Da könnte man doch fast die Kommentare vom Vorjahr übernehmen. "Ich bereite mich jedes Jahr von Neuem vor", erzählt Waters. Den beiden anderen geht es ähnlich. Waters beschriftet Karteikarten, Kiesgen und Servatius haben sich Ordner angelegt. Die Änderungen sind manchmal marginal, aber wichtig, wenn zum Beispiel eine neue Weinkönigin auf einem der Wagen steht.
Alle drei bemühen sich, auch Interessantes aus den jeweiligen Orten der Teilnehmer anzusprechen - bei den einheimischen Gruppen werden bekannte Leute auch schon mal gezielt begrüßt.
Das Grundwissen bekommt das Trio vom Mosel-Gäste-Zentrum. Es erfragt jedes Jahr bei den Gruppen und Gemeinden, was es zu den Teilnehmern zu berichten gibt. Nicht jeder antworte, bedauern die Kommentatoren. Das führe manchmal zu falschen Beschreibungen und Namen.
Jürgen Servatius (60) ist das zweite Mal dabei. Als Wein- und Kulturbotschafter verfügt er über Wissen über die Region und kann es den Zuschauern nahebringen. "Wir wollen die Leute für die Region begeistern", sagt er.
Die Kommentatoren können nicht alles planen. Zieht eine Gruppe schnell an ihnen vorbei, fällt die Beschreibung kurz aus, gerät der Zug ins Stocken, darf sie auch länger werden. Aufpassen müssen sie auch, dass der Zug so rollt wie geplant. Es könne durchaus geschehen, dass Teilnehmer die Plätze tauschen. Ein falscher Kommentar zu einer Gruppe wäre peinlich.
Es ist Weinfest: Waters, Kiesgen und Servatius werden natürlich auch mit Wein versorgt. Den trinken sie aber erst nach dem Umzug. Ein klarer Kopf sei ein Muss, sagen sie. Technische Probleme, beispielsweise ein defektes Mikrofon, habe es bisher noch nie gegeben. Die Technik sei auch insgesamt verbessert worden. Über mehr als circa 25, 30 Meter in jede Richtung tragen die Lautsprecher die Stimmen aber nicht.
Waters, Kiesgen und Servatius kennen den Zug wie ihre Westentasche. Gibt es Verbesserungswünsche? Waters hält nicht hinter dem Berg. "Die Festwagen könnten durchaus mal erneuert werden", sagt sie. Aber das sei Sache der Gemeinden und nicht per Order umsetzbar. Denn es erfordere Geld und ehrenamtliches Engagement.