Quartierskonzept : Dreis plant die Energiewende

Ein mit Holzhackschnitzeln befeuertes Fern- oder Nahwärmenetz, eine Photovoltaikanlage auf der Dreys-Halle und energetische Sanierungen: Die Ortsgemeinde Dreis wil den Klimaschutz voranbringen.

Mit der Ortsgemeinde Dreis hat es nun die dreizehnte Gemeinde im Landkreis Bernkastel-Wittlich in ein lukratives Förderprogramm zum Klimaschutz geschafft, das die Energiewende auf den Dörfern voranbringen soll.

Ziel des Förderprogramms „Bio­energiedörfer und Smart Villages“  ist es, so viel umweltschädliches CO2 wie möglich einzusparen. Der Ortsgemeinderat Dreis hat dazu am Dienstagabend einen ersten Auftrag vergeben. Dabei geht es um eine Machbarkeitsstudie im Wert von mehr als 40 000 Euro, wovon die Ortsgemeinde nur 6300 Euro zahlen muss, denn 85 Prozent der Kosten tragen Bund und Land.

Der Ortsgemeinderat hat mit seinem einstimmigen Beschluss ein Institut der Hochschule Trier beauftragt, „zu prüfen, welche energetischen Maßnahmen sinnvoll und effizient wären. Wir wollen alles auf den Prüfstand stellen“, erklärt Ortsbürgermeister Markus Hansen. Diese nun in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie trägt den Namen „Quartierskonzept“, das am Ende als Ergebnis dabei herauskommen soll. Dabei geht es in erster Linie um energetische Sanierungsmaßnahmen an öffentlichen Gebäuden.

Hansen nennt ein Beispiel: „Vielleicht kann man in unserer Dreys-Halle ein mit Holzhackschnitzeln befeuertes Blockheizkraftwerk einbauen, damit die Ölheizung ersetzen und auf dem Dach eine Solarstromanlage installieren.“

Der Ortsbürgermeister könnte sich auch ein Fernwärmenetz durch den gesamten Ort vorstellen oder zumindest ein Nahwärmenetz, um mehrere öffentliche Gebäude zentral von einem Blockheizkraftwerk mit Wärme versorgen zu lassen. Hansen: „Die Feuerwehr, die Malteser und der Bauhof werden zwar schon von der Halle aus mit Wärme versorgt, aber das geschieht über eine Ölheizung.“ Im Sinne des Klimaschutzes wolle man jedoch weg vom Öl, sagt Hansen.

Die zentrale Wärmeversorgung mit einem Blockheizkraftwerk durch Holzhackschnitzel sei denkbar, sagt auch Tobias Gruben, der Projektleiter des Hochschulinstituts „IfaS“ vom Umwelt-Campus Birkenfeld, das der Ortsgemeinderat zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie beauftragt hat. Gruben: „Regionale Energieträger wie Holz zu nutzen, schützt nicht nur das Klima, sondern schafft auch noch Arbeitsplätze.“

In einem Jahr sollen die Pläne dazu, was in Dreis machbar ist, auf dem Tisch liegen. Gruben: „In den ersten zwei Monaten werden wir eine Bestandsaufnahme machen, die klären soll, was man verbessern kann.“ Was davon realisiert werden könne, solle in einem darauf folgenden Schritt erarbeitet werden. Gruben: „Am Ende unserer Arbeit stehen Maßnahmenbeschreibungen, die der Ortsgemeinde als Entscheidungsgrundlage für Projekte, die sie umsetzen will, dienen.“

So könne das Institut beispielsweise eine sinnvolle Trassenführung für ein Nahwärmenetz im Ort erarbeiten oder die Ortsgemeinde beraten, wie und welche öffentlichen Gebäude saniert werden könnten. Gruben: „Wir wollen auch die Bürger per Post oder via Internet befragen, ob Interesse an einer zentralen Wärmeversorgung besteht.“

Hansen: „Wir sind neugierig und haben natürlich eine gewisse Erwartungshaltung. Mit dem Förderprogramm haben wir die Chance, das Beste für die Gemeinde rauszuholen und anschließend Pläne in der Schublade liegen, die wir umsetzen können.“ Das Förderprogramm deckt finanziell jedoch nur die Machbarkeitsstudie ab. „Wenn wir die Pläne umsetzen wollen, müssen wir uns dafür neue Fördertöpfe suchen und anzapfen“, erklärt Ortsbürgermeister Hansen. Die Lebensqualität auf den Dörfern hänge von der vorhandenen Infrastruktur ab, sagt Hansen. „Wenn wir unsere mithilfe des Förderprogramms und der Hochschule verbessern können, haben wir eine wichtige Chance genutzt.“

Der Ortsbürgermeister und der Projektleiter des Hochschulinstituts  hoffen, dass sich auch Dreiser Bürger bei dem Projekt engagieren. Der Ortsgemeinderat will in Kürze eine Steuerungsgruppe ins Leben rufen, die das Projekt begleiten soll. Dieser sollen auch Einwohner beitreten, die nicht im Ortsgemeinderat sitzen.

Zusätzlich wird das Förderprogramm von zwei „Sanierungsmanagern“ der Verbandsgemeindeverwaltung unterstützt. Günter Weins, Fachbereichsleiter Bau bei der VG Wittlich-Land, erklärt: „Wir helfen den Gemeinden in Zusammenarbeit mit dem Dienstleister, die Konzepte zu erstellen und auch später vor Ort bei der Umsetzung.“

Aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich konnten 13 Gemeinden, die sich zur Teilnahme beworben hatten, in das Förderprogramm „Smart Villages“ aufgenommen werden. Aus der Verbandsgemeinde Wittlich-Land sind neben Dreis auch Bergweiler, Binsfeld, Hasborn, Klausen und Landscheid mit dabei.