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Dritte Heimat wird zur zweiten Heimat

Dritte Heimat wird zur zweiten Heimat

Für die Unternehmerin Elke Bolland aus Bad Sobernheim wird die Filmkulisse von "Heimat 3" in Oberwesel nun dauerhaft zur zweiten Heimat. Sie kauft die Grundstücke, auf denen das in städtischem Besitz befindliche Günderrodehaus steht.

Oberwesel. Das bedeutet: Filmfans und Freunde guter Gastlichkeit kommen auch weiterhin in den Genuss von "Schabbacher gefillte Kleß" und anderen Leckereien an einem der her ausragendsten Plätze am Mittelrhein. Nachdem die erfahrene Managerin aus der gehobenen Hotellerie ("Bollants im Park", Bad Sobernheim) vor einem Jahr einen der prominentesten Leerstände der Region beendete, wurde sie nun mit den Grundstückseigentümern Bertil Mensebach und Thomas Hähn handelseinig. Demnächst wird sich der Stadtrat mit der Änderung im Pachtvertrag beschäftigen.

Kaufen oder gehen? So lautete die Frage nach einem Jahr "auf Probe" für die 55-Jährige, die das renommierte Romantik Hotel "Bollants am Park" bereits an ihre Kinder übergeben hat. Doch die Entscheidung fiel nicht schwer: Ein Jahr an dem idyllischen Fleck in Oberwesel, das bedeutete nicht nur eine persönliche Herausforderung, sondern positive Erlebnisse mit netten Besuchern, die das gastronomische Angebot dankbar annahmen. "Es war eine schöne Erfahrung, zu sehen, wie man Menschen mit einfachen, aber liebevoll zubereiteten und hochwertigen Speisen über zwei, drei Stunden glücklich machen kann."

Dabei ist sich Elke Bolland der besonderen Magie des Ortes mit seiner atemberaubenden Aussicht bewusst: "Die Leute sind hier schon glücklich, bevor sie etwas gegessen oder getrunken haben", zitiert sie ihre jüngste Tochter Johanna, die hier gerne aushilft. Elke Bolland hat sehr viel Herzblut in die Einrichtung investiert, setzt innen wie außen auf ein stimmiges Ambiente. Vor allem hat sie dem Haus viel "Heimat" eingehaucht.

Im ersten Stock wird der Film gezeigt



An den Wänden finden sich Fotos, die an die Dreharbeiten mit Edgar Reitz erinnern. Im ersten Stock können sich die Gäste den Film anschauen. Die Szene, in der Hermann und Clarissa erstmals in ihrem Auto zum Günderrodehaus fahren, dürfen all jene bei einem Glas Sekt genießen, die das besondere Menü "Heimat schmecken und erleben" gebucht haben. Dass man sich den Film dabei im "Schlafzimmer" der beiden Hauptfiguren ansieht, sorgt natürlich für den besonderen Kick.

"Heimat" ist eine Attraktion, die Besucher aus der ganzen Welt anzieht, weiß Elke Bolland. Doch den größten Teil der Klientel machen andere aus: "Fast die Hälfte unserer Gäste kennen uns aus Bad Sobernheim. Sie sind neugierig, was Bollands jetzt am Rhein machen." Auch Wanderer und Touristen sind stark vertreten. "Die Einheimischen führen gerne ihren Besuch zum Günderrodehaus", sagt Elke Bolland. "Die Menschen sind hier sehr nett und zugänglich, und ich habe das Gefühl, dass mir sehr viel Wohlwollen entgegengebracht wird", antwortet sie auf die Frage, ob sie sich am Rhein mittlerweile heimisch fühlt.

Ihr Personal setzt sich aus Schülern und Mitarbeiterinnen zusammen, die zum Teil von der Nahe, zum Teil aus der Mittelrhein-Region stammen. Und Elke Bolland ist an weiteren Aushilfskräften interessiert: "Wer Lust hat, bei unserer kleinen ,Frauenwirtschaft' mitzumachen, kann sich gerne melden." Pläne, die weiter in die Zukunft reichen, hat sie auch, die seien aber noch nicht spruchreif. Fest steht dagegen, dass das Günderrodehaus weiterhin mit kulturellen Veranstaltungen glänzen will, die von den Mittlerhein-Musik-Momenten über Mundart- bis hin zu literarischen Abenden reichen. Ein wichtiger Anknüpfungspunkt bleibt die Heimat-Trilogie. Fest zugesagt hat Hauptdarsteller Henry Arnold ("Hermann"). Er freut sich, so Elke Bolland, dass das Haus wieder eine "Seele" bekommen hat, und wird vermutlich im Herbst zu Gast sein. Die Terminabsprachen laufen noch. Auch mit Regisseur Edgar Reitz hofft Elke Bolland ins Gespräch zu kommen.