DRK plant Supermarkt für Mitarbeiter mit Handycap

Pilotprojekt in der Region : DRK plant Supermarkt für Mitarbeiter mit Handicap in Osann-Monzel

Ortsbürgermeister spricht von „Pilotprojekt“ für Osann-Monzel und die Region zur Verbesserung der Nahversorgung und Inklusion.

Einen besonderen Lebensmittelmarkt einer Art, die es in der Region noch nicht gibt, planen Investoren gemeinsam mit dem DRK-Sozialwerk. Ziel der Planung sei nicht nur einen Lebensmittelmarkt zur Verbesserung der Nahversorgung in der 1700-Einwohner-Gemeinde zu errichten, erklärt Ortsbürgermeister Armin Kohnz, sondern auch ein „soziales Projekt zur Inklusion von Menschen mit Behinderung“.

Das Ganze nennt sich „Cap-Markt“, wobei „Cap“ von Handicap kommt. Cap-Märkte sind Lebensmittelmärkte, in denen bis zu 50 Prozent der Beschäftigten eine Beeinträchtigung haben.  Inzwischen gibt es 104 Cap-Märkte in fast allen Ländern im Bundesgebiet, aber in der Region Trier hingegen noch nicht. „Das wäre ein Pilotprojekt“, sagt Ortsbürgermeister Kohnz, der voll und ganz hinter diesem Projekt steht wie auch die Mehrheit im Gemeinderat.

Das Gremium beschloss mit neun Ja- zu fünf Nein-Stimmen, dass die Ansiedelung des Betriebes im überwiegenden Interesse der Ortsgemeinde sei und beauftragte den Ortsbürgermeister, die Planung von Seiten der Gemeinde weiter voranzutreiben.

Cap-Markt Obwohl es im Ort ein kleines Lebensmittelgeschäft und eine Metzgerei gebe, sei die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes eine große Chance für Osann-Monzel, sagt Kohnz.

„Denn der Großteil der Einwohner fährt nach Wittlich oder Bernkastel-Kues einkaufen. Das sind Streckenlängen von zehn bis zwölf Kilometern.“ Dazu sei die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes in der Mitte der Gemeinde ein Wunsch, den viele Einwohner bei Bürgerveranstaltungen zum Dorferneuerungskonzept geäußert hätten.

Was bietet ein Cap-Markt an? „Die Basis-Produktpalette liefert die Handelskette Edeka“, erklärt Kohnz. Ein Cap-Markt führe aber auch Waren aus dem DRK-Sozialwerk. So könnten mitunter Gemüse und Salate vom DRK-Sozialwerk vom Kueser Plateau angeboten werden. „Aber die Cap-Märkte arbeiten nicht nur regional, sondern lokal. Sie bieten Waren lokaler Produzenten aus einem Radius von 20 Kilometern an.“ Das Konzept der Cap-Märkte beinhalte eine Kooperation mit örtlichen Geschäften.

Darüber hinaus sei ein Backshop mit Café Teil des Konzeptes sowie ein Lieferservice für Senioren. Doch bei diesem DRK-Lebensmittelmarkt gehe es nicht nur um die Nahversorgung, „sondern auch um Verknüpfungen im sozialen Bereich durch die Beschäftigung von beeinträchtigten Menschen. Das ist gelebte Inklusion.“

Da direkt in der Nachbarschaft in der nahegelegenen Moseltalstraße bereits 18 Menschen mit Beeinträchtigung in einer Wohneinrichtung des DRK wohnen würden, sagt Kohnz, sei die Beschäftigung von bis zu fünf Bewohnern der Einrichtung im Cap-Markt nach Auskunft des potentiellen Betreibers denkbar.

Gegenstimmen Doch trotz der Mehrheit im Rat für die Fortführung der Planung zeigen die fünf Neinstimmen, dass es für die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes in der Straße „Am Oestelbach“ auch klare Gegner gibt. Die Kritiker im Rat befürchten, dass der von einem Lebensmittelmarkt ausgehende Lärm die Anwohner in der Straße „Am Oestelbach“ beeinträchtigen würde. Denn ein Lebensmittelmarkt erzeugt Verkehr, sowohl durch die An- und Abfahrt der Kundschaft als auch durch die Anlieferung der Waren. Die Gegner sehen die Ruhe im Wohngebiet gefährdet, obwohl die Zufahrt von der Kreisstraße über die Straße Am Oestelbach direkt an keinem Wohngebäude vorbeiführen würde.

Der Gemeinderat einigte sich darauf, zur Lärmentwicklung ein Gutachten in Auftrag zu geben.  Es soll klären, wie sich etwaiger Lärm für die Anwohner reduzieren ließe.

Darüber hinaus kritisieren Ratsmitglieder den mit dem Bau eines Lebensmittelmarktes einhergehenden Verlust von drei Baugrundstücken. Denn die Freifläche, auf welcher der Parkplatz des Lebensmittelmarktes errichtet werden soll, ist derzeit noch als Bauland ausgewiesen.  Allerdings liegen die drei Baugrundstücke nach Angaben des Ortsbürgermeisters seit über zehn Jahren ungenutzt. Dazu muss gesagt werden, dass sich das gesamte Plangebiet und darüber hinaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindliche Bauflächen bereits im Eigentum der Investoren befinden. Für die Umsetzung des „Pilotprojektes“ wäre allerdings noch eine Änderung des Bebauungsplans notwendig. Denn die Fläche, auf welcher der Parkplatz des Cap-Marktes entstehen soll, ist derzeit noch als Wohnbaugebiet gekennzeichnet. Damit dort ein Supermarkt entstehen könnte, müsste der Ortsgemeinderat daraus ein Mischgebiet, in dem auch gewisse Gewerbebetriebe  zugelassen sind, machen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Gefährdung der örtlichen Betriebe. Können das kleine Lebensmittelgeschäft Fritzen und die Fleischerei Pütz die Ansiedelung einen großen Lebensmittelmarktes mit 799 Quadratmetern Ladenfläche  verkraften? Dazu muss man sagen, dass Osann-Monzel innerhalb der letzten  Jahre ein Lebensmittelgeschäft und eine Metzgerei verloren hat. Kohnz: „Mit den örtlichen Betrieben sollen laut potentiellem Betreiber aber auch Gespräche in Hinblick auf Kooperationen geführt werden.“

Chancen Und trotz des Konfliktpotenzials gibt es in Bezug auf die Investorenpläne  im Gemeinderat mehr Befürworter als Gegner. „Für mich wäre das für die Versorgung und Zukunft des Ortes ein Leuchtturmprojekt“, sagt Kohnz. „Der Investor ist da, die Fläche ist da und der Betreiber ist auch da.“ Wenn man jetzt nicht zugreife, meint Kohnz, würde das Projekt möglicherweise in einem Nachbarort umgesetzt.

„Und dann wären wir wieder die, die fahren müssen.“ Sollte die Planung in Osann-Monzel zu einem positiven Abschluss kommen, sagt der Ortsbürgermeister,  dann könnte der Cap-Markt möglicherweise im Herbst/Winter 2020 eröffnen.

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