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DRL-Chef Hubert Friedrich geht nach fast vierzig Jahren in den Ruhestand

Nachfolger von Hubert Friedrich steht schon bereit : Abschied von einem Traumjob: DLR-Chef geht in den Ruhestand

Hubert Friedrich, der Leiter des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Mosel, geht in den Ruhestand. Den Facetten des Weinbaus galt sein Faible, doch er schaute weit über den Tellerrand hinaus.

Wer kann schon von sich behaupten, mit einem echten König über Weinbau gefachsimpelt zu haben? Hubert Friedrich kann es. Der Leiter des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Mosel kam im Herbst 2018 beim Arbeitsbesuch des niederländischen Königspaars in Rheinland-Pfalz in diesen Genuss. König Willem Alexander und Königin Maxima waren zu Gast im Steillagenzentrum in Bernkastel-Kues, wo sich an diesem Tag deutsche und niederländische Winzer – die gibt es wirklich – austauschten. Es war sicher einer der unvergesslichen Momente im Leben des 65-Jährigen, der am Monatsende in den Ruhestand geht.

Fast 40 Jahre lang war er dann bei der Behörde beschäftigt, die früher als Kulturamt Bernkastel-Kues bekannt war. 1995 übernahm Friedrich die Leitung der Behörde, die seit 2003 Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel (DLR) heißt.

25 Jahre war er der Vorgesetzte von etwa 200 Mitarbeitern in vier Abteilungen. Wie hat er die Menschen geführt, wie hat er sie motiviert? Die Leistungsbereitschaft sei sowieso hoch gewesen, sagt er. Es folgt in Satz, der für Chefs vielleicht (noch) ungewöhnlich ist. „Die jungen Leute sollen uns die Welt erklären“, sagt Friedrich. Und: „Sie haben die bessere Ausbildung, und es ist ihre Zukunft.“ Und selbstbewusst fügt er an, dass das DLR Mosel im Vergleich mit den fünf anderen rheinland-pfälzischen Dienstleistungszentren sehr gut da stehe.

Vielleicht spielt sein eigener Werdegang dabei mit. „Ich komme aus einer Försterdynastie“, erzählt der gebürtige Saarburger. Sein Weg sei eigentlich vorgezeichnet gewesen, doch er habe sich anders entschieden und durchgesetzt. Jetzt könne er feststellen: „Es war ein Traumjob für mich. Ich bin fast jeden Tag gerne zur Arbeit gekommen.“ Er sei allerdings relativ oft gefrustet nach Hause gefahren. „Aber nur wegen der Bürokratie“, sagt er.

Im DLR laufen viele Fäden zusammen. Hubert Friedrichs Faible galt und gilt dem Weinbau. Im vor zehn Jahren fertig gestellten Steillagenzentrum arbeiten etwa 35 der 200 DLR-Mitarbeiter. Dort wird auch der Winzernachwuchs ausgebildet. Dort  wird geforscht und ausprobiert – unter anderem in der sechs Hektar umfassenden Versuchskellerei.

Friedrichs Lieblingsprojekt sind die „Lebendigen Moselweinberge“. Es gehe vor allem darum, den Einheimischen „den Wert unserer Heimat zu vermitteln“. Mit allem, was in den Weinbergen lebt und wächst. „Biologische Vielfalt sowie Artenreichtum an Tieren und Pflanzen sind ganz wichtige Themen für die Wertschöpfung des Steillagenweinbaus“, sagt Friedrich.

Nicht vergessen werden dürfe, dass in der Region circa 30 000 Menschen im Tourismus arbeiten. Auch für sie sei eine gute Zukunft des Weinbaus von existenzieller Bedeutung.

In Zukunft widmet sich der in Wittlich lebende Friedrich zum Beispiel seinen drei Enkeln – Nummer vier ist im Anflug –, seinem Mountaibike und seiner Gitarre. Vor Langeweile hat er keine Angst. Und jedesmal wenn von der Höhe an die Mosel fahre, werde ihm das Herz aufgehe, so wie in all den Arbeitsjahren.

Seine Nachfolge erfolgt nahtlos. Am 1. Dezember übernimmt Norbert Müller die Leitung des DLR Mosel. Er war Leiter des Prüfdienstes Agrarförderung und zuletzt auch Friedrichs Stellvertreter. „Er ist mit allen Aufgaben des DLR Mosel bestens vertraut“, sagt der Mann, der wegen der Pandemie zum Abschied auf einen großen Bahnhof verzichten muss.