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Dröhnende Motoren kontra sanfter Tourismus

Dröhnende Motoren kontra sanfter Tourismus

Die Deutschland-Rallye ist eine der größten Sportveranstaltungen in der Region. Vom 22. bis 25. August brettern die Rennfahrer über Land- und Kreisstraßen, Weinbergs- und Feldwege - unter anderem auch durch die Grafschaft Veldenz. Dort regt sich aber Kritik. Die Urlauber würden gestört. Der Veranstalter sieht das ganz anders.

Mülheim/Veldenz/Brauneberg. Die ADAC Rallye Deutschland ist wieder zu Gast in der Region: Vom 22. bis 25. August gibt es Wertungsprüfungen unter anderem im Dhrontal, im Sauertal, bei Klüsserath, Piesport und Riol und in der Grafschaft Veldenz. Der Veranstalter schreibt: "Die Fans und Fahrer erwartet ein intensives Programm in den Weinbergen der Mosel sowie auf spektakulären Wertungsprüfungen im Hunsrück."
Aber die teilweise über 300 PS starken Boliden machen auch einen Höllenkrach. Der Mülheimer Hotelier Jens Schiffmann kritisiert seit Jahren die Rallye, die an einem Tag über Weinbergswege in der Grafschaft Veldenz führt. Eines hat Schiffmann zumindest erreicht: Auf seine Beschwerde hin hat der Gemeinderat Mülheim Ende des vergangenen Jahres beschlossen, dass die Rallye keine Wege und Straßen auf der Mülheimer Gemarkung nutzen darf.Bundesweiter Werbeeffekt


Der Krach ist aber dennoch in Mülheim zu hören und beliebte Wanderwege müssen gesperrt werden. Schiffmann: "Die Wander- und Radtouristen, die wir mit sehr viel Mühe ins Moseltal locken, haben nicht nur den Lärm um die Ohren, sie stehen auch vor Absperrschildern ohne jeglichen Hinweis."
Und er stellt die provokante Frage: "Sind es die würstchenessenden und biertrinkenden Scharen wert, die auch noch ihren ganzen Müll hinterlassen, den Ruf einer intakten Urlaubslandschaft zu beschädigen?"
Schiffmann ist mit seinen beiden Häusern Domizil Schiffmann (36 Betten) und Landhaus Schiffmann (65 Betten) einer der größten Hoteliers an der Mittelmosel.
Auf der Homepage heißt es: "Das Landhaus Schiffmann ist ein kleines, familiär geführtes Hotel, das abseits von Stress und Hektik liegt."
Der Veranstalter der Rallye stellt die Vorteile dagegen. Timo Lewerentz vom ADAC Mittelrhein sagt: "Natürlich hat die Rallye nicht nur Freunde." Er weist aber auf den wirtschaftlichen Mehrwert hin, beispielsweise auf die zusätzlichen Übernachtungen. Rund 200 000 Zuschauer locke die Veranstaltung an dem langen Wochenende in die Region. Lewerentz schätzt, dass während der vier Tage 12 bis 16 Millionen Euro zusätzlich in die Region fließen. Die meisten Orte, so Lewerentz, unterstützten die Rallye.
Die Gemeinde Neumagen-Dhron hat im Jahr 2011 sogar ihren Weinförderpreis der ADAC Rallye Deutschland verliehen. Der Burgener Ortsbürgermeister Reinhard Grasnick sagt, die Gemeinde sei froh mit der Rallye, sie bringe zusätzliche Gäste in den Ort.
Die Geschäftsführerin der Mosellandtouristik, Sabine Winkhaus-Robert, zeigt Verständnis für die Kritik des Mülheimer Hoteliers, weist aber auch auf die vielen Befürworter hin. Die Förderung der Wirtschaft und der bundesweite Werbeeffekt dieser hochkarätigen Veranstaltung seien nicht zu unterschätzen. Es gebe insgesamt mehr Vor- als Nachteile.Meinung

Freunde und Feinde
Der Rallyesport hat in Deutschland sowohl Fans als auch Kritiker. Die einen, zumeist junge Leute, stellen sich an die Piste, wenn aufgemotzte Serienfahrzeuge über Feld- und Weinbergswege rasen. Für die Gegner ist dieser Sport ausschließlich Krach und Umweltverschmutzung - mithin also völlig unsinnig. Beide Parteien werden wohl nie zueinanderfinden. Und was die Mosel angeht: Die einen finden die Rallye gut, weil Touristen kommen, die anderen schlecht, weil Touristen wegbleiben. Es ist wie bei den Hotelschiffen: Manche stören sich am nächtlichen Geräusch der Stromaggregate, während andere an den Schiffstouristen verdienen. Für die Rallye spricht zumindest, dass sie nur ein paar Tage im Jahr in der Region ist - insofern ist sie auch erträglich. w.simon@volksfreund.de