Dunlop-Mitarbeiter sorgen sich um ihre Daten

Dunlop-Mitarbeiter sorgen sich um ihre Daten

Etwa 200 Mitarbeiter des Wittlicher Reifenherstellers Goodyear Dunlop haben Widerspruch gegen die Weitergabe von Daten eingelegt. Sie fürchten, Adressen und Bankdaten könnten in den USA in die Hände Dritter gelangen. Befürchtungen wie diese hatten nach der NSA-Affäre auch die deutschen Datenschützer und das EU-Parlament. Die Unternehmensführung hat aus datenschutzrechtlicher Sicht "keinerlei Bedenken".

Wittlich. Spätestens seit Edward Snowdens Enthüllungen haben viele Menschen das Vertrauen verloren, dass ihre Telefonate, E-Mails, Adressen oder Kontodaten vor dem Zugriff Fremder geschützt sind.
Zu groß ist das Ausmaß, in welchem amerikanische Geheimdienste die Telekommunikation und das Internet weltweit überwachen und Daten speichern - selbst, wenn es keinerlei Grund dafür gibt.
Betriebsrat hat Bedenken



Auch viele Mitarbeiter des Wittlicher Reifenproduzenten Goodyear Dunlop sorgen sich um die Sicherheit ihrer Personaldaten. Diese werden an die Konzernzentrale in Akron/USA übermittelt. "Was uns an der Sache stört, ist, dass es nicht nur um Name und Anschrift, sondern auch um die Kontoverbindungen geht", sagt der Betriebsratsvorsitzende Joachim Weberskirch. Dabei werde das Geld gar nicht aus den USA, sondern aus Hanau überwiesen.
Etwa 200 der 930 Wittlicher Angestellten haben daher Widerspruch eingelegt, der insbesondere verhindern soll, dass ihre Daten in den USA an Dritte weitergegeben werden.
"Der Schutz personenbezogener Daten ist uns ein wichtiges Anliegen", sagt Unternehmenssprecherin Gabriele Velte. Mitarbeiter des Standortes Wittlich, die Widerspruch eingelegt haben, seien darüber informiert worden, dass unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten keinerlei Bedenken zur Übermittlung der Daten bestünden. Diese würden im Rahmen der Safe Harbor Richtlinie (siehe Extra) übermittelt. Der Konzern halte so alle Datenschutzbestimmungen der EU ein. Eine Weitergabe der Daten an Dritte erfolge nicht.
Mangelndes Vertrauen darin, dass Informationen bei US-Unternehmen sicher sind, ist allerdings kein Wittlicher Phänomen. Die Safe Harbor-Praxis ist in den vergangenen Monaten immer wieder in die Kritik geraten. Wie der Spiegel im Oktober 2013 berichtete, hatte die Untersuchung einer Datenschutz-Beratungsfirma gezeigt, dass sich Hunderte US-Firmen trotz aller Versprechen nicht an die Nutzungsbedingungen hielten. Auch der NSA-Skandal hat das Vertrauen erschüttert. Denn wie gut sind Daten geschützt, auf die Geheimdienste umfassend und ohne Anlass zugreifen können? Nicht nur die Konferenz der deutschen Datenschutzbeauftragten, sondern auch das EU-Parlament forderten daher eine Aussetzung des Abkommens.
Die EU-Kommission hat jedoch entschieden, daran festzuhalten - bittet die Amerikaner allerdings, bis zum Sommer 13 Empfehlungen zu beachten. Dazu zählt, dass US-Unternehmen die Datenschutzregeln für ihre Kunden online offenlegen sollen. Als Vorbild gilt der Handyhersteller Nokia, der seine Kunden darauf hinweist, dass die Daten womöglich an die NSA übermittelt würden. EU-Justizkommissarin Viviane Reding betonte aber: "Wenn diese Hausaufgabe bis Sommer 2014 nicht gemacht ist, wird die EU-Kommission darauf zurückkommen."
Sollten die "Bitten" bis dahin nicht erfüllt werden, könnte auch Schluss sein mit der Speicherung Wittlicher Personaldaten in Akron/USA.Extra

Safe Harbor (Sicherer Hafen) ist eine zwischen der EU und den USA im Jahre 2000 getroffene Vereinbarung, in deren Rahmen personenbezogene Daten legal in die USA übermittelt werden können. Nötig war sie, weil ein Datentransfer in Drittstaaten verboten ist, die über kein dem EU-Recht vergleichbares Datenschutzniveau verfügen. Dies trifft laut Bundesbeauftragtem für Datenschutz auf die USA zu, da es dort keine umfassenden gesetzlichen Regelungen zum Datenschutz gebe, die dem EU-Standard entsprechen. kah