Echte "Lüxemer Kinder"

WITTLICH-LÜXEM. Bis zum 9. Mai kann der Entwurf des Bebauungsplans "Weisrink" öffentlich eingesehen werden. In der Ortsbeiratssitzung erregte die bisherige Planung die Gemüter zahlreicher Anwohner.

Sie seien inzwischen schon mehrmals zur Kasse gebeten worden, stellte die erzürnte Petra Thetard in der Sitzung des Ortsbeirats klar. Als Anwohnerin der Straße "Zum Wingert" ist sie eine von denen, die in den 80er Jahren mit rund 214 000 Mark ziemlich genau 90 Prozent der Erschließungskosten dieser Straße gezahlt hatten. Nun sieht es so aus, als werde der "Wingert" die einzige Zu- und Ausfahrtsstraße zum neuen Baugebiet "Weisrink" bleiben, in dem 30 neue Bauplätze entstehen sollen. In einer Machbarkeitsstudie hatte das Büro Max und Reihsner drei Möglichkeiten einer alternativen Straße untersucht und aus wirtschaftlichen und technischen Gründen alle verworfen. Erregte Bürger melden sich zu Wort

Es spricht jedoch noch ein schwerwiegenderer Grund gegen eine zweite Zufahrt: Nur ein einziger Anwohner hatte seine Bereitschaft zum Verkauf von Grund signalisiert, der Bedingung für jede der drei untersuchten Alternativen wäre. Eine Enteignung kommt jedoch, wie Klaus Weber-Kadner auf Nachfrage erfuhr, auch für Ortsbeiratsmitglied Hartmut Scheibe nicht in Frage. Der hatte sich vor Lüxemer Publikum lautstark echauffiert; die Kollegen erinnerten ihn jedoch daran, dass er dies besser im Stadtrat hätte tun sollen, wo die Entscheidungen gefällt würden. Wozu also überhaupt noch diskutieren, wenn sowieso keiner verkauft, dachte sich mancher der rund 30 Bürger, die ins Pfarrheim gekommen waren. Ortsvorsteher Peter van der Heyde unterbrach die Sitzung, um seine Mitbürger zu Wort kommen zu lassen, was sie auch recht temperamentvoll taten. Bereits jetzt hat der "Wingert" Risse, die im Sommer repariert werden. Wenn das Neubaugebiet erschlossen sei, sei wahrscheinlich auch die Straße hin: Dann müssten wieder allein die Anwohner draufzahlen, befürchtet Stephan Caspari. "Da geht es um viel Geld und um viel Lärm, den wir in den nächsten Jahren um die Ohren haben werden." Van der Heyde beschwichtigte: Für kleinere Reparaturen wie die jetzigen Risse besitze die Stadt ein Extra-Budget, aus dem solche Schäden wieder gut gemacht würden; falls durch die Erschließung Schäden am "Wingert" entstünden, hätten diese Kosten selbstverständlich die Neubürger mitzutragen. Als "ein bisschen befremdlich, bei allem Verständnis," empfand Hubert Eichhorn die Beschwerden seiner Mitbürger. Immerhin sei das Baugebiet gegenüber der Ursprungsplanung drastisch verkleinert worden: von anfangs 100 auf heute 30 Bauplätze. Zurzeit stünden auf der Interessentenliste 23 Bewerber, so van der Heyde, rund die Hälfte davon echte "Lüxemer Kinder". Bei den Quadratmeterpreisen wollte er sich nicht festlegen, sie seien jedoch deutlich niedriger als noch vor einigen Jahren.

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