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Ehrgeizige Pläne, aber die Kasse ist leer

Ehrgeizige Pläne, aber die Kasse ist leer

ENKIRCH. Etwa 120 Enkircher informierten sich am Donnerstagabend auf einer Bürgerversammlung über die Pläne zum Umbau der alten Schule. Beschlossen ist das Projekt noch nicht, da die Höhe der zu erwartenden Zuschüsse noch ungewiss ist. Im Ort selbst gibt es Gegner und Befürworter des auf zwei Millionen Euro veranschlagten Umbaus.

Zumindest in einem Punkt sind sich die Enkircher einig: An der alten Schule, einem ortsbildprägenden Gebäude mitten im Ort, muss etwas passieren. Allein schon deshalb, weil verschiedene Gebäudeteile marode sind. Es gibt zwei Lager im Dorf: Die einen wollen nur das Allernotwendigste investieren, sprich das kaputte Dach sanieren, die anderen, und das dürfte die Mehrheit im Ort sein, will, dass das 100 Jahre alte, mehrgeschossige Haus vollkommen entkernt und sozusagen im Inneren komplett neu aufgebaut wird. Letzteres würde rund zwei Millionen Euro kosten. Die Dachsanierung ist zurzeit mit 66 000 Euro veranschlagt. Die Hälfte würde das Land zahlen. Dass diese 66 000 Euro allerdings ausreichen, bezweifeln die meisten. Denn man rechnet damit, dass im Zuge der Dachsanierung noch andere Mängel zu Tage treten und weitere teure Reparaturen folgen werden. Aber es gibt auch im Ort Bürger, die sich einen Kompromiss vorstellen können. Also Umbau der alten Schule, aber nicht so aufwändig - vielleicht sogar ohne den vorgesehenen großen Saal. Am Donnerstagabend hatten die Bürger nun Gelegenheit sich zu äußern. Der Gemeinderat hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres beschlossen, Nutzungskonzepte zum Preis von insgesamt 4500 Euro von drei verschiedenen Architekturbüros erstellen zu lassen. Die vom Rat favorisierten Pläne sind seit Wochen im Gemeindehaus einzusehen, am Donnerstagabend wurden sie von Ortsbürgermeister Karl-Heinz Weisgerber und dem Bauamtsleiter der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach, Jürgen Fritz erläutert. Veranschlagt ist das Projekt auf zwei Millionen Euro. Basierend auf diesen Plänen und dieser Summe wurden bereits die Zuschussanträge an das Land gerichtet. Mit einem Bescheid rechnet man im Frühjahr. VG Chef-Ulrich K. Weisgerber sagte, dass sich bei solchen Projekten der Fördersatz "üblicherweise" zwischen 40 und 60 Prozent bewege, es sei aber nicht ausgeschlossen, dass es mehr gebe. Vorgesehen ist laut Planentwurf im Prinzip eine völlige Entkernung des 100 Jahre alten Gebäudes, der Bau eines neuen Treppenhauses, das Einziehen neuer Decken und eine komplett neue Aufteilung der Räume in den drei Geschossen. Unten soll ein Multifunktionsraum entstehen, darüber die Vereinsräume und im zweiten Obergeschoss ein großer Saal inklusive Bühne und 250 Sitzplätzen. Ferner werden neue Sanitäranlagen gebaut, und die Heizung erneuert. Die unmittelbar an das Haus angrenzende Schulturnhalle bleibt unberührt. Die Diskussion drehte sich in erster Linie um die Frage: "Kann sich Enkirch eine solche Investition leisten?" Wolfgang Immich, Beigeordneter der Gemeinde, und von Beginn an Kritiker des Projekts, bezweifelt das. Immich: "Wir hängen uns einen Millionenbau an den Hals. Wir bauen etwas, was kein Mensch will." Ein anderer Kritiker rechnet damit, dass es in zehn Jahren sowieso kaum noch Vereine im Ort gibt und deshalb ein solch teures Vereinshaus mit großem Saal unsinnig sei. Dennoch: Die Mehrheit der Redner äußerte sich eher zustimmend. Gerd Becker, Präsident der Karnevalsgesellschaft: "Man liest ständig in der Zeitung über Projekte in anderen Orten wie Zell, Traben-Trarbach oder Kröv. Dort wird nicht so viel diskutiert. Die reden nicht, die setzen was um." Eine kurze Diskussion entwickelte sich ferner zu der geäußerten Befürchtung, mit dem neuen Saal werde die örtliche Gastronomie Einbußen erleiden. Roland Bender entgegnete: "Das Gegenteil wird der Fall sein. Das zeigt zum Beispiel die Weinbrunnenhalle in Kröv." Ortsbürgermeister Karl-Heinz Weisgerber kündigte an, dass er in Kürze zusammen mit VG-Chef Ulrich K. Weisgerber nach Mainz fahren werde, um im Innenministerium über die Pläne und Finanzierungsmöglichkeiten zu sprechen.