Eifeler Kuriositätenkabinett

BERGWEILER. Jahrzehntelang hat Pfarrer Gerhard Wax gesammelt. Entstanden ist aus dieser Leidenschaft das Eifel-Heimat-Museum, in dem sich Kuriositäten neben früheren Gebrauchsgegenständen tummeln.

Das vermutlich größte Ölgemälde von Rheinland-Pfalz, Krippenfiguren, eine umgetextete deutsche Nationalhymne, das Wittlicher Vaterunser, innigste Heiligenbilder, Gamaschen aus der französischen Garnison und ein Fahrplan des Saufbähnchens von 1912: Der Mann, der all diese Kuriositäten auf engstem Raum versammelt hat, ist selbst so schillernd wie sein Eifel-Heimat-Museum. "Wenn ich einmal nicht mehr bin, fliegt sowieso alles in den Container", hat Pfarrer Gerhard Wax oft gehört, und so ungezählte Altertümchen erstanden. Amerikanisches und Französisches steht, hängt und liegt da eng neben Dokumenten lokaler Geschichte, Handwerkszeug neben Schulischem, Religiöses neben Witzigem. Bei so vielen Schattierungen tragen die einzelnen Räume Namen. Da gibt es "das schönste Schlafzimmer Europas", in dem regelmäßig Pilger schlafen, das französische und das bolivianische Zimmer. "Darf ich vorstellen: das Hochzeitszimmer! Hier hängt der Himmel voller Geigen!" Wax weist an die Decke. Auch dort ist jeder Zentimeter ausgenutzt: Geigen, Gitarren, Trompeten und Fanfaren. Unter anderem auch das gute Stück, mit dem er einst Kennedy empfing. Ja, richtig, jenen J. F., den "Berliner". 1963 hatte Wax, damals Kaplan und Chef eines Fanfarenzuges aus dem Hunsrück, es mit seiner Truppe bis vor den Kölner Dom geschafft: Sie brachten Kennedy ein Ständchen. Adenauer persönlich hatte es möglich gemacht. Den daraus resultierenden Briefwechsel zwischen Kennedy und Wax gibt es im Museum zu bewundern - sicherheitshalber in Kopie. Neben Tausenden Dingen des Eifel-Alltags hängen außergewöhnliche Raritäten. Wax beschriftet seine Exponate nicht, behält sich vor, bei jeder Führung Einzelfallentscheidungen zu treffen, welche Geheimnisse er preisgibt - und welche nicht. Ein bisschen ist es wie bei einem orientalischen Märchenerzähler: Der Besucher kommt aus dem Staunen nicht heraus. Gottlob sieht keiner den "modernen Reliquien" ihre Geschichten an. Selbst wenn eingebrochen würde: Die Diebe könnten nur immer danebenliegen mit ihren Vermutungen. Das ist so recht nach dem Geschmack von Pfarrer Wax, den sein Leben als Geistlicher alles andere als weltfremd gemacht hat. Er arbeitete im Gefängnis und in der französischen Garnison: Da weiß man, wo der Hammer hängt. Ja, Hämmer gibt es auch in seinem Museum. Traditionellen Berufen widmet die Choreografie dieses Gesamtkunstwerkes jeweils ein eigenes Fleckchen. Wer kennt wohl noch die Mehlsack-Klopfmaschine oder kocht nach handgeschriebenen Kochbüchern? Und welches Schulkind kennt noch Maulkörbe? Der furchtlose Ehrenschlesier liebt besonders die Innigkeit der riesigen alten Bilder, die heute in kein Haus mehr passen. Jacques Chirac hält das Museum für derart aufschlussreich, dass er anregte, es müsse Pflicht für jeden in Deutschland stationierten Franzosen werden, Bergweiler zu besuchen. Das darf kaum wundern: Der im Saarland geborene Bergmannssohn Wax spricht fließend Französisch, und wuchs quasi Hand in Hand mit der Bundesrepublik in die Völkerverständigung hinein. Besucher melden sich unter Telefon 06571/5624 bei Gerhard Wax. Gruppen werden auf Wunsch bewirtet, auch ganze Busse. Schulklassen haben freien Eintritt.