Eigenwilliges Experiment

SALMTAL. (peg) Sehr erfolgreich verlief ein eigenwilliges Experiment an der Regionalen Schule: Die Klassen neun und zehn hatten den "Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt auf die Bühne gebracht.

Nein, so stellt er sich eine gute Ehe nicht vor, gesteht Paul Menzel nach der Vorstellung. Paul schlüpfte für kurze Zeit in die Rolle des Moby, aktueller Ehemann von Claire, der alten Dame in dem Stück von Friedrich Dürrenmatt, in dem der gesellschaftskritische Schriftsteller die Ungleichbehandlung der Geschlechter thematisiert. Daran litt Claire in besonderem Maße, Zeit ihres Lebens: Am Ende wird sie grausame Rache nehmen. Paul ist da friedlicher: Er möchte, dass in seiner Ehe, sollte es mal so weit kommen, dass er heiratet, "beide etwas zu sagen haben", und die ihn umstehenden Schauspieler einschließlich Corina Schillen als "alte Dame" nicken zustimmend, obwohl Carina aus der Sicht der Klassenkameraden schon etliche Gemeinsamkeiten mit Claire aufweist. Tiefer möchten wir denn auch nicht eindringen, lassen lieber das Stück auf der Bühne für sich sprechen. Vier Klassen der neunten und zehnten Jahrgangsstufe der Regionalen Schule hatten Dürrenmatt auf dem Lehrplan stehen. Statt es von vorne bis hinten abzuarbeiten, zauberte die Schule ein großes Gesamtkonzept aus dem Ärmel, das bei der Aufführung in der Turnhalle überzeugte: So sehr, dass die Schüler das Stück am nächsten Morgen noch einmal den Jüngeren vorspielen durften. Geplant war das nicht, doch nach der Begeisterung von Eltern, Freunden und Geschwistern wollten Anne Renth und ihre Kollegen es dem Rest der Schule nicht vorenthalten. Alles hatten die Schüler selbst gemacht: Texte, Kostüme, Requisiten, Bühnenbild, eine ins Stück integrierte Powerpoint-Präsentation, selbst das Programmheft entstand nach den Vorstellungen der Schüler. Bis zum Abend der Aufführung war fraglich, ob die einzelnen Szenen letztendlich überhaupt ein einheitliches Gesamtbild ergeben würden - jede Arbeitsgruppe hatte ihre Aufgaben schließlich allein und unabhängig voneinander bewältigt. Nach der Vorstellung war klar: Die Mühe hatte sich gelohnt, der Applaus war überwältigend. Ganz nebenbei haben die einzelnen Schüler sich selbst und unterein- ander auf eine neue Weise kennen lernen dürfen. Renth: "Gerade einer, der im Unterricht bisher den Mund kaum aufmachte, lebte auf der Bühne richtig auf." So sehr, dass sogar die eigenen Eltern ins Staunen gerieten.

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