Ein Abschied auf Raten

15 Jahre lang hat der heute 70-jährige Hans Jung als Ortsvorsteher von Morbach die Entwicklung des Mittelpunktorts der Einheitsgemeinde Morbach entscheidend geprägt. Für dieses Amt hat Jung bei der Kommunalwahl im Juni nicht mehr kandidiert. Allerdings bleibt er erster Beigeordneter der Gemeinde Morbach.

Morbach. Einmal muss Schluss sein, hatte der pensionierte Realschullehrer Hans Jung (CDU) sich schon im vergangenen Jahr gesagt, als er beschloss, seine kommunalpolitische Karriere nach 25 Jahren zu beenden, 15 Jahre davon war er Vorsteher von Morbach. Doch manchmal kommt es anders, als man denkt. Zwar hat inzwischen sein Nachfolger Georg Schuh die Fäden im Ortsbezirk in der Hand, doch als Beigeordneter bleibt Jung im Amt.

Wegen CDU-interner Auseinandersetzungen bat man Jung, nochmals in die Bresche zu springen. "Aber meine Frau haben sie zuerst gefragt", amüsiert sich der gebürtige Langweilerer rückblickend. Offenbar weiß man bei den Christdemokraten, dass die Meinung von Ehefrau Hannelore erhebliches Gewicht hat. Ihre Zustimmung hat sie offenbar nicht verweigert, denn Jung hat seine erste Bürgermeister-Vertretung in der neuen Legislatur-Periode bereits hinter sich.

In Morbach hat der Alt-Ortsvorsteher Spuren hinterlassen. Das Projekt, das man stets mit seiner Person verbinden wird, ist die Sanierung der historischen Ölmühle. 1997 kaufte die Gemeinde das Objekt auf der Schmausemühle an. Mit vier Helfern aus Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und rund 30 Ehrenamtlern wurde sie in wenigen Jahren zu dem Schmuckstück, das sie heute ist. Sie ist inzwischen komplett saniert. Die Mühlenfreunde haben dem historischen Gebäude inzwischen einen zusätzlichen Glanzpunkt verliehen. Es kann im Dunkeln angestrahlt werden. Den Vorsitz in dem von ihm mitgegründeten Verein will Jung im Ruhestand auch weiter betreiben, "solange die Gesundheit mitmacht".

Eine der ersten Aufgaben, die Jung als Nachfolger von Paul Wilbert übernahm, war die Feier zum vorläufigen Abschluss der Ortskernsanierung 1995. Das Zentrum von Morbach wurde komplett neu gestaltet. Gern erinnert sich Jung an den Festakt. Bei dieser Gelegenheit wurde die Bronzeplastik des Oberkailer Künstlers Johann Baptist Lenz enthüllt, die eine typische Morbacher Marktszene zeigt.

Ein Meilenstein in Jungs Ära war die Erweiterung der Baldenauhalle, die 2001 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Noch zu Wilberts Zeiten war das fehlende Gemeindehaus für den Zentralort der Einheitsgemeinde ein wichtiges Thema gewesen. Zudem fehlten Proberäume für Vereine. Vier Standorte standen zur Debatte. Die Wahl fiel auf den Anbau an die Sporthalle.

Es folgten eine Vielzahl weiterer Projekte: die Waldlehrhütte, der Aussichtsturm auf der Geierslay, die Gestaltung des Morbacher Dreiecks und der Kunstrasenplatz, die stets im guten Einvernehmen mit der Gemeinde realisiert wurden.

Eines ärgert ihn allerdings bis heute: "Dass es nicht gelang, die Morbacher Jugendherberge zu erhalten." Denn sie habe eine Vielzahl von Touristen in den Ort gebracht und das Image des Ortes positiv geprägt. Sie wurde im November 2004 geschlossen.