Ein anspruchsvolles Frühwerk

Nichts ist originärer in der evangelischen Kirchenmusik als das Kantatenwerk von Johann Sebastian Bach. Zwei der mehr als 250 Kompositionen sind am Sonntag in der evangelischen Kirche in Wittlich er klungen.

Wittlich. Mit der Kantate "Christ lag in Todes Banden", BWV 4, hat sich die Kantorei der Wittlicher Christuskirche der wahrscheinlich ersten Komposition dieser Gattung des großen Thomaskantors angenommen, entstanden 1707. Kantor Tilman Bruus hatte mit dem Konzert ein sehr ambitioniertes Projekt in Angriff genommen und speziell mit diesem Frühwerk seiner Kantorei eine große und anspruchsvolle Aufgabe gestellt.
Sind schon die "normalen" Choralsätze, mit denen Bach seine Kantaten umrahmt, oft mit Klippen und Hürden versehen, so liegt mit der fugierten Kompositionsform die Latte noch um einiges höher. Gleiches galt für die zweite Kantate, "Bleib bei uns, denn es will Abend werden", BWV 6, die Bruus ins Programm aufgenommen hatte. Auch hier verlangt das Werk für den Eingangschor einen hoch konzentrierten und einsatzfreudigen Klangkörper. Für beide Werke kann man der Kantorei nur ein Kompliment aussprechen. Das monatelange Proben hat sich in dem Konzert ausgezahlt.
Dem Chor zur Seite standen mit Alexa Spielmann-Sips (Sopran), der Altistin Sandra van Gemert, dem Tenor Sebastian Kohlhepp und Gerd Elsen (Bass) vier bestens vorbereitete Solisten, unter denen besonders Kohlhepp mit einem exquisiten Tenor hervorstach. Nicht ganz so überzeugend war das Bergische Barockorchester, das mit einem historischen Instrumentarium antrat. Hier fehlte teilweise etwas der Schwung und die Reinheit, auch bei der Orchestersuite "Hamburger Ebbe und Flut" von Georg Philipp Telemann. Unverständlich blieb, warum das Ensemble auf die Mitwirkung eines Kontrabasses oder einer Violone verzichtet hatte, wodurch dem Gesamtklang die Abrundung nach unten fehlte. Insgesamt ein Konzert, das die Kantorei als großen Erfolg verbuchen kann. gkl