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Ein Ausflug, der sich hören lassen konnte

Ein Ausflug, der sich hören lassen konnte

"Ohne Musik können wir keinen Ausflug machen." Dies sagte Josef Wuyts, Vorsitzender der Königlichen Harmonie Sankt Cäcilia aus dem belgischen Rotselaar. Ausflugsziel war Kröv, und die Musik spielte dort in der Weinbrunnenhalle.

Kröv. Zu einem großen Galakonzert war in die Weinbrunnenhalle in Kröv eingeladen worden. Ein ausgezeichneter Ort für solch eine Veranstaltung, hat die Halle doch ein großes Fassungsvermögen und bekanntermaßen eine ausgezeichnete Akustik. Die Musik des Abends kam von der Königlichen Harmonie Sankt Cäcilia, einem Orchester, das im belgischen Rotselaar beheimatet ist. In den Niederlanden und in Belgien hat die Harmoniemusik, also die Musik für großes Blasorchester, eine ganz eigenständige Tradition und wird auf sehr hohem Niveau gepflegt. Oftmals erreichen die Ensembles die Größe eines Sinfonieorchesters. Bei regelmäßig stattfindenden Wettbewerben müssen und wollen die Mitglieder ihr Können unter Beweis stellen. Man konnte an diesem Abend also viel erwarten. Dass trotzdem nur eine eher kleine Anzahl von Zuhörern den Weg in die Halle fand, war sehr bedauerlich.Das Harmonieorchester besteht seit 136 Jahren und zählt in der vollen Besetzung mehr als 60 Mitglieder. Es war der regelmäßige Vereinsausflug, der die Musiker an die Mosel führte, an dem aber nur rund 40 Aktive teilnehmen konnten. Das erste Auffällige war die angenehme Bescheidenheit des Ensembles. Im TV-Gespräch betonte der Vorsitzende Josef Wuyts, dass es sich um ein Laienorchester handele, das nur von wenigen Profis durchsetzt ist. "Wir haben in Belgien eine Klassifizierung für die Harmonien von eins bis sieben. Unser Orchester belegt den Rang drei." Was dann aber in der Halle erklang, konnte sich bestens sehen, oder besser gesagt hören lassen. Unter der Leitung von Peter van Montfort, einem professionellen Musiker und Di rigenten, gestaltete das Orchester einen Abend, der ein wahres musikalisches Vergnügen war.Harmonie soll Neujahrskonzert gestalten

Originalkompositionen für Harmonien und Arrangements wechselten sich ab, Filmmusik etwa aus "Out of Africa" erklang ebenso wie der Schlager "Gloria" von Umberto Tozzi, Johann Strauss war genauso vertreten wie Franz von Suppé und Astor Piazzolla. War das breit gefächerte Programm, bei dem jeder etwas finden konnte, das ihm zusagte, ein positiver Aspekt des Abends, war die Präzision, mit der die Akteure ans Werk gingen, ein anderer. Durchgängig durch alle Register, ob Flöten oder Klarinetten, ob Tuben oder Trompeten - saubere Dynamik, exakte Einsätze und beispielhafte Rhythmik prägten das Spiel. Die Musiker beachteten van Monforts klares Dirigat und setzten es um, eine Tatsache, die man längst nicht bei allen Blasorchestern beobachten kann. Auffallend auch die große Anzahl jugendlicher Bläser, die zum Gelingen des Abends beitrugen.Mit Leo Wouters, einem der Profimusiker, hatte das Orchester einen Solotrompeter, der im "Opus for Trumpet" von Charlie Knegtel die ersten Begeisterungsrufe auslöste. Am Ende gab es langen und jubelnden Applaus, der nicht nur für mehrere Zugaben sorgte, sondern auch zu der Überlegung, dass die Harmonie das Neujahrskonzert 2008, dann mit einem wienerischen Programm, gestalten soll. Eine gute Idee, für die man nur auf erheblich mehr Publikum hoffen kann.