Ein bewegender Augenblick

Heinzerath/Rapperath. Wie durch ein Wunder überlebte der britische Sergeant Addington Norman Hobden im April 1943 als Einziger einen Flugzeugabsturz in einem Waldstück bei Heinzerath. Er gehörte zu einer siebenköpfigen Besatzung, die mit einem viermotorigen Bomber im Auftrag des "RAF Bomber Command" in Oakington/England gestartet war, um die Stadt Mannheim zu bombardieren. Nun kehrte er zurück.

Der 84-jährige Kriegsveteran aus Brighton in England kehrte mit seiner Familie nach 60 Jahren zur Absturzstelle des Flugzeuges in der Gemarkung Heinzerath und dem Landeplatz seines Fallschirmes in Rapperath zurück: Er war sehr überrascht, als er vor dem Gemeindehaus in Heinzerath von Ortsvorsteher Friedhelm Schlarp und einigen Zeitzeugen freundlich begrüßt wurde. Nach dem liebenswürdigen Empfang, den er nicht erwartet hatte, sagte Hobden: "Ich freue mich über das große Interesse und die Anteilnahme", und fügte hinzu: "Ich möchte keinen Krieg mehr haben und freue mich, dass schon so lange Frieden ist."Dann schilderte er die dramatischen Ereignisse des Absturzes. Hobden, damals 24 Jahre alt, war in der Nacht vom 16. auf den 17. April 1943 als Bordmechaniker mit sechs Kameraden in einer "Short Stirling" der 15. Squadron auf dem Flug von Oakington in England Richtung Mannheim gestartet. Das Ziel: die Stadt bombardieren. Vermutlich über der Eifel wurden sie von einem Nachtjäger der deutschen Luftwaffe angegriffen und in Brand geschossen. Nach fünf Minuten sprang Hobden trotz Brandwunden am Arm und im Gesicht mit einem Fallschirm aus der brennenden Maschine. Anscheinend versuchte ein zweites Besatzungsmitglied in dieser aussichtslosen Situation das Gleiche, doch sein Fallschirm fing Feuer, und er stürzte zu Boden, wie sich später herausstellte. Kurz darauf, um 0.20 Uhr, stürzte der vollbeladene Bomber wie eine brennende Fackel zu Boden. Ernst Schabbach erinnerte sich noch, wie er als 14-jähriger Junge durch den Fliegeralarm wach wurde. Er sah, "wie nach einer heftigen Explosion, eine etwa 100 Meter hohe Feuersäule aus dem Habachtal in den nächtlichen Himmel aufstieg".Im Birnbaum hängen geblieben

Eine bewegende Szene spielte sich ab, als Hobden nun die Absturzstelle besuchte. Sie war über 40 Jahre durch ein schlichtes Holzkreuz an einem Baum markiert, weiß Alois Schabbach. Der Kriegsveteran sah sich nachdenklich die Stelle im Wald an, in der seine sechs Kameraden den Tod fanden. Währenddessen pflückte seine Frau einen Johanniskrautstrauß. Hobden nahm die Blumen, ging damit in Richtung Absturzstelle, bückte sich und stellte sie ins Gras am Waldrand.Später erfuhr der rüstige Brite von Maria Stürmer in Rapperath, dass er er bei seinem Absprung in einem Birnbaum neben dem letzten Haus auf der rechten Seite in Richtung Merscheid, in dem damals Rudolf Güldner wohnte, hängen blieb. Nachdem der hilflose Soldat von Bewohnern aus seiner misslichen Lage befreit worden war, wurde er in Schutzhaft genommen und ins Krankenhaus nach Morbach gebracht. Dort wurden seine schweren Brandwunden an Kopf und Hand von Dr. Stackelberg behandelt. An diesem Krankenhaus-Aufenthalt erinnert sich Hobden: "Ich konnte vier Tage lang nichts sehen." Nach seiner Genesung kam er in ein Durchgangslager nach Wetzlar und anschließend in ein Kriegsgefangenlager in Bad Sulza, aus dem er 1945 entlassen wurde.Unter den Augenzeugen in Rapperath ist auch Klemens Kaiser, der die Unglücksstelle einen Tag nach dem Absturz besichtigt hatte, als sie noch nicht abgesperrt war. Er hat noch immer das grauenvolle Bild von den Toten im ausgebrannten Rumpf, dem qualmenden Waldboden und den weit zerstreut liegenden Wrackteilen vor Augen. Er sah auch, wie ein Fallschirm mit einem großen eingebrannten Loch neben einem Baum auf einer Wiese im Habachtal lag und entdeckte den Teil einer Tragfläche in einem Feld oberhalb von Rapperath.Hans-Günther Ploes aus Aachen, der über die Luftkämpfe, Flugzeugabstürze und Bombenabwürfe im Altkreis Bernkastel von 1939 bis 1944 in Militärarchiven recherchiert hat, hatte die Reise erst möglich gemacht. Er begleitete die Gäste auch als Dolmetscher. Der Experte hat herausgefunden, dass vier Besatzungsmitglieder im ausgebrannten Rumpf der Stirling ums Leben kamen. Der Schütze lag tot im abseits liegenden Heck.Der Flugzeugführer des Nachtjägers war nach Ploes' Recherchen Oberleutnant Hans Martin Hadeball. Er soll, wie Augenzeugen in Heinzerath bestätigen, einen Tag später auf den Feldern in der Nähe mit einem Fieseler Storch gelandet sein und die Unglücksstelle besichtigt haben.