Ein Blick auf die Stadtgeschichte

Ein Turm erzählt - das Filmprojekt zur Geschichte der Stadt Wittlich ist in vollem Gange. Die ersten Spielfilmszenen sind im Kasten. 30 Drehorte sind geplant, dann soll das 45-Minuten-Werk im Herbst 2009 fertig sein und allen Wittlichern zur Verfügung stehen.

Wittlich. (ger) Professionell geht es zu. Dabei sind die Akteure allesamt Amateure, aber was für welche! Mit Elan sind sie dabei, die Schauspieler, Kameraleute, Tontechniker, Regisseure und etliche helfende Hände. Das Projekt ist bis ins Detail geplant. Mitorganisatorin Elisabeth Freitag ist beeindruckt von der regen Beteiligung und der angenehm gelösten Atmosphäre beim Dreh der ersten Spielfilmszenen im historischen Sitzungssaal der Kreisverwaltung. Von Lampenfieber ist auch bei den Schauspielern nichts zu spüren. Klaus Petry spielt den Dombaumeister, Roland Konrath-Pütz den Wittlicher Stadtboten und Hermann Haller den kurfürstlichen Sekretär. Albert Klein, Wittlichs kleiner Bürgermeister, mimt den Kurfürsten. Aber an diesem Tag spielt die aktuelle städtische Politik absolut keine Rolle. Da sind sich die Wittlicher einig. Das Filmprojekt ist Kulturarbeit im besten Sinne, deren Ergebnis sich an alle Wittlicher richten und viele Wittlicher interessieren wird.

Choreograph Martin Gest huisen, er bezeichnet sich als Schauspieler aus Leidenschaft und ist im Hauptberuf Lehrer in Maria Grünewald, gibt letzte Regieanweisungen. Für den Stadtboten und den Sekretär markiert Gesthuisen auf dem Boden mit Klebeband deren Standorte. Bruno Thelen und Ingeborg Schulze positionieren ihre Digital-Video-Schulterkameras auf dem Stativ. Heribert Geiter und Tonassistent Günter Schumacher angeln den Ton mit dem Richtmikrofon. Die Darsteller werden gepudert, die Perücken zurechtgezupft, und die Kleidung wird überprüft.

Die Kirche soll größer und schöner gebaut werden



Der Kurfürst sitzt am Barocktisch. Um ihn herum das Kamerateam und die vielen Helfer als kritische Beobachter: "Albert, zieh' die Armbanduhr aus, die passt nicht ins 18. Jahrhundert!" Dann tritt der Stadtbote ein. Es ist das Jahr 1707: "Ich habe Schlimmes zu vermelden. Ein gar grässlich Feuer hat in Wittlich gewütet, Herr Bischof." Für den Kurfürst steht fest: "Die Kirche muss größer und schöner aufgebaut werden, meine Residenz muss im alten Glanz wiedererstrahlen." Mit seinem Dombaumeister bespricht er den Wiederaufbau. Beide besiegeln das Ganze mit einem Glas vorzüglichem Wittlicher Wein: "Auf unser neues Wittlich".

Die Szene mit dem Dombaumeister ist nach zehn Minuten gedreht, aber es geht mit Wiederholungen weiter. Denn der technische Regisseur Bruno Thelen meint: "Müssen wir noch mal machen". Vor allem wechselnde Kameraeinstellungen werden gewählt. Nach insgesamt drei Stunden sind die Szenen im Kasten. Martin Gesthuisen, der Choreograph und künstlerische Regisseur, ist zufrieden "Gut, gut, das war ganz gut."

Weiter geht es am Samstag im Alten Rathaus mit der nächsten Szene.

ExtraDas Filmprojekt "Ein Turm erzählt" ist 2007 von einer Projektgruppe unter Leitung des Wittlichers Bruno Thelen ins Leben gerufen worden. Er hat ein Drehbuch geschrieben, das die Entwicklung der Stadt seit 1707/09 zeigt. Auslöser ist das 300-jährige Bestehen der Markuskirche. Idee des Films: Der Turm der Markuskirche blickt auf Wittlich herab und sieht die kurfürstliche Residenzstadt in stetigem Wandel bis zur heutigen Kreisstadt. "Es entsteht ein Film über unsere Stadt mit den prägenden historischen Abschnitten, angereichert mit ernsten und humorvollen Geschichten." Das Drehbuch ist von ihm, die historischen Dialoge von Josefine Wittenbecher. An über 30 Drehtagen entsteht ein 45 Minuten dauernder Film, der am 1. Advent fertiggestellt sein soll und dann als DVD beim Stadtmarketing erhältlich ist. (ger)

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