1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Ein breiter Bogen von Stiftung zu Stiftung

Ein breiter Bogen von Stiftung zu Stiftung

HEIDENBURG. Erst vor zwei Jahren feierte Heidenburg seine 950-Jahr-Feier. Im Zusammenhang mit einer Stiftung wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Eine Stiftung im 21. Jahrhundert soll dazu beitragen, dass den Heidenburgern ihre Geschichte gegenwärtig bleibt.

In einer historischen Straße ließen die Heidenburger anlässlich der 950-Jahr-Feier die Geschichte wieder lebendig werden. Minnesänger, Waschfrauen und Bauersleute in historischen Kostümen entführten die rund 10 000 Besucher in der Gräfinstraße mitten in die Geschichte des Ortes. Der Straßenname erinnert übrigens an die Gräfin Else von Baumburg, eine Schwester des Raugrafen Philipp von Baumburg. Sie hatte wohl Güter in Heidenburg. Sie heiratete um 1360 den Vogt Nikolaus von Hunolstein. Nach dessen Tod vermählte sie sich 1394 mit Dietrich von Daun. Im Gedächtnis der Heidenburger blieb sie präsent. Das zeigt der Straßenname. Viele andere Frauen spielten im Dorf eine wichtige Rolle. Diese Tatsache wurde beim offiziellen Festakt deutlich, als Heidenburgerinnen ihre weiblichen Vorfahren in szenischen Bildern darstellten. Stellvertretend sei hier Anna Rassel genannt, die sich im Pestjahr 1492 gemeinsam mit ihrem Mann Bernhard um die Beerdigung der Toten kümmerte. Oder Helena Blasius-Abback, die erste namentlich bekannte Hebamme des Ortes. "Die Lebensleistung dieser Frau ist beachtlich", ist Rolf Blasius überzeugt, der mit zahlreichen anderen Heidenburgern die Chronik schrieb. "In jungen Jahren übernahm sie in einem fremden Ort einen Haushalt und die Sorge um ein Kind. Sie selbst gebar noch vier Kinder und erlernte neben der Arbeit als Hausfrau, Mutter und Bäuerin einen anspruchsvollen Beruf", schreibt er weiter. Ein bedeutender Heidenburger war allerdings männlichen Geschlechts. Davon ist zumindest Rolf Blasius überzeugt. Der Abt war besser bekannt unter dem Namen "Trithemius", also der Trittenheimer. Das Universalgenie seiner Zeit (1462-1516) und Berater von Kaiser Maximilian I. werde in alten Nachschlagewerken Johannes Heidenberg genannt. Es sei keineswegs ungewöhnlich gewesen, dass die Trittenheimer Neuankömmlinge aus dem Nachbarort Heidenberger nannten. Dass sich der Gelehrte später einen anderen Namen zulegte, wundert wenig. Ein christlicher Abt mochte wohl kaum vom Heidenberg stammen. Adeliger aus Leiwen legt Neuansiedlung an

Wann Heidenburg exakt gegründet wurde, ist nicht belegt. "Menschen siedeln in früheren Zeiten immer dort, wo die Verhältnisse für sie am günstigsten waren. In unserem Raum gab es naturgemäß die besseren Bedingungen im Moseltal. Erst als dieses nicht mehr alle ernähren konnte, begann die Besiedelung der nahe gelegenen Höhen", weiß der Chronist. Um die Jahrtausendwende herum entschloss sich ein Adeliger aus Leiwen auf einem entlegenen Teil der Gemarkung, dem Heidenberg, eine Neuansiedlung anzulegen. Den Menschen versprach er Land, das sie für ihren eigenen Unterhalt bebauen konnten. Er gewann eine Reihe junger Männer und Frauen aus dem Tal, die sich eine Existenz aufbauen wollten. Als die Siedlung etwa 50 Jahre alt war, kam eine einschneidende Änderung auf die Menschen zu. In der Zwischenzeit gehörten die Ländereien längst einem anderen Adeligen namens Anselm. Wegen seines eigenen Seelenheils und dem seiner Familie vermachte dieser seinen Besitz inklusive des jungen Ortes, Wäldern und Weinbergen "aus freiem Entschluss und mit Zustimmung meiner lieben Frau Abba sowie meiner Söhne" dem noch jungen St. Simeonsstift in Trier. Über Jahrhunderte blieb der Ort in kirchlicher Hand. Die Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1053 ist erhalten. Sie war im übrigen auch der Anlass für die 950-Jahr-Feier. Eine Stiftung hat das Leben der Heidenburger über die Jahrhunderte geprägt. 950 Jahre später spielt eine Stiftung ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Chronist Blasius vermacht seine landeskundliche Sammlung über den Ort den Heidenburgern. Sie soll in der Grundschule des Dorfes untergebracht werden. Für einen kirchlichen Besitz trägt der Ort sicher einen ungewöhnlichen Namen. Mit Heiden, also im Wortsinne Ungläubigen, hat der Name wohl nichts zu tun. Auch eine Burg ist auf der Gemarkung Heidenburg nicht nachgewiesen. Der Name hat laut Blasius ganz andere Hintergründe: In den historischen Anfängen war stets von "Heidenberch" oder "Heidenberg" die Rede. Die letzte Silbe bezieht sich auf die Topografie. Der erste Namensbestandteil hat zu vielen Spekulationen geführt. Ein Historiker vermutete in Verbindung mit dem Heidenburger Kirchenpatron St. Michael, dem Kämpfer gegen den Unglauben, dass der Name auf ein heidnisches Heiligtum schließen lässt. Die Realität ist laut Blasius weniger spektakulär. Danach beruht der Name auf einen Flurnamen "Heide". So viel zur Geschichte des Ortes, liebe Leser. Aber wie wird Heidenburg im Jahr 2030 aussehen? Bitte senden Sie uns Ihre Vision zur Zukunft Ihrer Heimat bis Donnerstag, 7. April, 10 Uhr, an hunsrueck@volksfreund.de. Bitte geben Sie Namen und Adresse an.