Ein Brief flog aus dem Zeppelin

Seit über 50 Jahren lebt Charlotte Kürten, geborene Kayser, mit ihrem Ehemann Bruno in Düsseldorf. In der Heimat feierte sie jetzt den 80. Geburtstag, und Erinnerungen aus vergangenen Jahrzehnten in Traben-Trarbach kamen ihr beim Familientreffen wieder in den Sinn.

Traben-Trarbach. Der Berliner Architekt Bruno Möhring errichtete von 1906 bis 1907 das Kellereigebäude am Wolfer Weg für ihren Großvater Julius Kayser. Charlotte Kürten erinnert sich an frühere Weinfeste, als eine Militärkapelle aus Koblenz auf der Dachterrasse aufspielte und die Gäste im Pavillon bewirtet wurden. Mit ihren Eltern lebte sie in der Schwanenstraße, und gegenüber stand das Haus der Großeltern. Das Fachwerkhaus gehört heute zum Jugendstilhotel "Bellevue", und die Familie freute sich, dass sie während ihres einwöchigen Aufenthaltes in Traben-Trarbach dort wohnen konnte.

Bruno Kürten verbindet auch besondere Erinnerungen mit dem Haus: Seine Eltern hatten dort während des Zweiten Weltkriegs vor den Bombenangriffen in Düsseldorf Zuflucht gesucht. 1948 "funkte" es zwischen Charlotte und Bruno, sieben Jahre später heirateten sie in Trarbach. Der legendäre Fährmann Jopa brachte das frischvermählte Paar wieder an das Trabener Ufer. "Jopa war sehr still während der Überfahrt", erinnert sich Bruno Kürten. "Dann zog er mit zittrigen Händen aus seiner Hosentasche einen verschlissenen Geldbeutel". Darin befand sich ein kleiner vergoldeter Anker, den er der jungen Frau mit den Worten überreichte "Kind, wenn's dir mal schlecht geht, dann halt' dich daran fest". Noch heute befindet sich dieses Andenken im Besitz von Charlotte Kürten, die als Kind dem Fährmann oft beim Festmachen geholfen hatte und sich auch als "Kranzträgerin" ein Taschengeld verdiente.

"Eine Leichenhalle gab es damals noch nicht, die Verstorbenen wurden zu Hause aufgebahrt", erzählt die vitale Seniorin. Dort waren auch die Kränze, und als Zehnjährige trug sie diese mit anderen Kindern vor dem Sarg zum Friedhof. "Je wohlhabender die Leute waren, desto weniger haben sie gegeben", sagt sie schmunzelnd, und dann berichtet das Ehepaar vom Gruß aus dem Zeppelin. Ein Freund der Familie war Hermann Köhl (1888-1938), der mit zwei weiteren Piloten als erster 1928 den Atlantik von Osten nach Westen überflog. Als Kommandant eines Zeppelins auf dem Weg nach Amerika nahm Köhl Kurs auf Traben-Trarbach und warf in einer beschwerten Kapsel einen Gruß für Charlottes Vater genau über der Schwanenstraße ab. Das Dokument wurde auch sogleich gefunden und hing viele Jahre eingerahmt im Gebäude der Weinkellerei Julius Kayser. Wo es verblieben ist, entzieht sich jedoch Kürtens Kenntnis.