Ein Denkmal für Trierer Frauen

Der Soroptimist Club International hat Biografien recherchiert und lebende Persönlichkeiten befragt. Daraus ist ein Buch entstanden.

Trier Zum 25-Jährigen sollte es etwas Besonderes sein: Der Soroptimist Club International Trier hat ein Buch herausgegeben über Frauen in Trier - klug, stark, politisch. So steht es auf dem Cover des neu erschienenen Werks aus 135 Seiten. Von dort aus lächeln dem Leser auch einige Bekannte entgegen: darunter die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Karl Marx' Frau Jenny und Schmuckdesignerin Miranda Konstantinidou. Den vielen markanten Frauenpersönlichkeiten, die die Trierer Geschichte geprägt haben und deren Spuren im Stadtbild zu sehen sind, soll ein Denkmal gesetzt werden - so heißt es im Vorwort des Bands, der zum 25-jährigen Bestehen des Clubs (siehe Info) im Verlag Michael Weyand erschienen ist.
Clubmitglied Gisela Stolz-Sauter hat eineinhalb Jahre lang in Biografien zehn historischer Frauen von Kaiserin Helena bis hin zu Schwester Blandine Merten gestöbert, viel erfahren, über manches gestaunt und schließlich ihre Version der Lebensgeschichten zu Papier gebracht. "Am meisten überrascht hat mich, dass sich das Thema Bildung durch alle Lebensläufe zieht", sagt die Dolmetscherin des EU-Parlaments. Mit Hilfe von Bildung hätten sie sich Freiräume für eigene Lebensvorstellungen geschaffen.
Weitere Clubmitglieder haben 15 ihrer Zeitgenossinnen, die Karriere gemacht haben, die Gesellschaft und das Stadtgeschehen heute mitgestalten, einen Fragebogen ausfüllen lassen. "Was hat Sie zu Ihrem Beruf gebracht?", "Was ist Ihre Lebensmaxime?", "Welche Vorbilder haben oder hatten Sie?"
Die Antworten gewähren Einblicke in die Lebenswege unter anderem von Autorinnen, Unternehmerinnen, einer Chefärztin, Politikerin und Juristin. Gisela Stolz-Sauter hat vor allem eine Gemeinsamkeit zwischen den historischen und den zeitgenössischen Frauen entdeckt: "Die Zähigkeit und Hartnäckigkeit, mit der sie an ihren Lebensvorstellungen festgehalten haben."
Wer sollte das Buch lesen? "Alle Frauen und möglichst viele Männer", empfiehlt Stolz-Sauter. "Und Politiker", ergänzt Hilde Kessel, Buch-Projektleiterin bei SI Trier. Denn vier Frauen hätten auf die Frage, was sie sich von Trier wünschten, mit einer besseren Verkehrsanbindung geantwortet. Stolz-Sauter betont, dass das Buch nur einen Ausschnitt an Frauenleben zeige, "die die Stadt machen".
"Frauen in Trier" ist im Weyand-Verlag erschienen, kostet 17,95 Euro und ist im Trierer Buchhandel erhältlich. Der Erlös kommt dem Trierer Archiv für Geschlechterforschung und Digitale Geschichte (TAGG) zugute.Extra: SOROPTIMIST INTERNATIONAL CLUB TRIER


Soroptimist International (SI) ist eine Organisation für berufstätige Frauen, ein globales Netzwerk, das das Leben von Mädchen und Frauen verbessern will. Die Clubmitglieder engagieren sich für Menschenrechte, Frieden und internationale Verständigung. Der erste Club wurde 1921 in Kalifornien gegründet. Heute gibt es in 132 Ländern mehr als 3000 Clubs mit rund 80 000 Mitgliedern. Den Trierer Club hat die kürzlich verstorbene Gisela Schlobach 1992 ins Leben gerufen. Das 25-jährige Bestehen wird im Oktober groß mit befreundeten Clubs und Unterstützern gefeiert. Die rund 30 Trierer SI-Mitglieder treffen sich einmal im Monat zu einem Vortrag und organisieren Fundraising-Projekte. Infos und Kontakt: www.soroptimist-trier.de (kat)