Ein Dorf mit bewegter Geschichte

Eine idyllische Lage an der Salm und ein historischer Ortskern prägen Eisenschmitt. Der Trierische Volksfreund hat sich im Rahmen seiner Dorffoto-Aktionen dort umgeschaut. 96 Einwohner waren gekommen, um fotografiert zu werden.

Eisenschmitt. Bereits drei Jahre vor Wittlich gab es in Eisen schmitt elektrischen Strom. 1896 drehte sich der erste Generator, der heute noch im Hotel Molitors Mühle in der Lobby steht. Der ruhige Ort kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, über die Ortsbürgermeister Georg Fritzsche gerne erzählt. "Hier gab es früher sogar einmal ein Kino, zwei Metzgereien, zwei Geschäfte, eine Postfiliale, eine Sparkasse und mehrere Kneipen und Hotels," erzählt er. Das war noch in den 1960er Jahren.
Blütezeit im Mittelalter


Aber die eigentliche Blütezeit Eisenschmitts liegt noch viel weiter zurück. Der natürliche Waldreichtum, Erzvorkommen und das Flüsschen Salm ermöglichten schon im 15. Jahrhundert Eisenerzeugung in dem Ort.
Es gab viele Köhlerhütten, in denen die Holzkohle produziert wurde, die man benötigt, um Eisen zu erhitzen. Freilich waren die Bäume irgendwann abgeholzt. Die Industrialisierung schritt voran, große Verhüttungsanlagen entstanden im Ruhrgebiet und im Saarland. Zudem wurde die Bahnstrecke Trier-Köln 1864 eröffnet. Damit konnte die kleinteiligere Industrie in Eisenschmitt nicht mehr konkurrieren. Und so verarmte der Ort. Die Männer aus Eisenschmitt mussten im Ruhr- und im Saargebiet arbeiten, kamen nur an wenigen Tagen nach Hause.
Die Triererin Clara Viebig schrieb ihren Roman "Das Weiberdorf" über dieses Thema im Jahr 1900. "Das haben die Eisenschmitter ihr nicht gedankt. Viebig hatte in ihrem Buch die Dinge auf den Punkt gebracht", erzählt Fritzsche. Selbst 1973 habe eine Buchvorstellung von ihr in Eisenschmitt nicht stattfinden können. Freilich ist das heute anders.
Erinnerungen an Clara Viebig



Eisenschmitt verfügt über ein liebevoll hergerichtetes Clara-Viebig-Zentrum, in dem auf drei Stockwerken Erinnerungen an die berühmte Eifeldichterin ausgestellt werden, manche Werke von Eifel-Maler Fritz von Wille zu sehen sind und auch die Heimatgeschichte nicht zu kurz kommt.
"Das Haus, das früher ein jüdisches Kaufhaus war, haben wir vor einigen Jahren mit Zuschüssen vom Land und der EU herrichten können. Pro Jahr führe ich zwischen 1000 und 1500 Leute hier durch," sagt Fritzsche.
Der Ort hat inzwischen 329 Einwohner, erzählt der Bürgermeister. Bis auf den Schulbus komme kein Bus in den Ort. Man sei auf das Auto angewiesen. Aber die mangelnde Infrastruktur werde mit Nachbarschaftshilfe wettgemacht. "Hier hilft jeder jedem, besonders älteren Leuten. Und immerhin - ich kriege um 7 Uhr morgens frische Brötchen", sagt Fritzsche und verweist auf den Dorfladen, der von 7 Uhr bis 9.30 Uhr geöffnet hat und von einer Bäckerei betrieben wird. "Der hat zwar ein schmales Sortiment, aber die wichtigen Dinge, von der Zahnbürste bis zur Bierflasche, gibt es."
Auch das Vereinsleben sei sehr aktiv, versichert der Ortschef. Wir haben einen jungen Musikverein, die Freiwillige Feuerwehr und den Sportverein. Gottesdienste finden nicht mehr so oft statt, seit Eisenschmitt mit mehreren Pfarreien zusammengelegt wurde. Aber die Kirchengemeinde ist dennoch aktiv. Ludger Pape, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats: "Heute morgen hatten wir noch eine Taufe in der Kirche. Wir haben erst vor kurzem die Kirche innen neu gestrichen und renoviert." Die Pfarrgemeinde hat sogar eine eigene Homepage im Internet ( www.st-servatius-eisenschmitt.de).
Dass, was Eisenschmitt wegen seiner Größe an Infrastruktur entbehrt, macht es mit Nachbarschaftshilfe und seiner ruhigen und idyllischen Lage wett. Das beweist auch ein Neubaugebiet, in dem Eisenschmitts Neubürger ihre Heimat finden. Sogar den einen oder anderen Städter hat es dorthin verschlagen.
Beate Kremer aus Trier lebt seit den 1980er Jahren in Eisenschmitt, wo sie geheiratet hat: "Hier lebe ich, und hier ist es sehr schön. Mich zieht es nicht mehr zurück in die Stadt."
Und auch der Fremdenverkehr spielt in dem ruhigen Ort eine Rolle. Peter Rob betreibt einen Blockhaus-Ferienpark und erzählt: "Wir haben viele Gäste aus Nordrhein-Westfalen, auch Vereine und Wandergruppen. Wir bieten außerdem geführte Wanderungen an."

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