Projekt : 281 Gesichter im Bild

Werner Webers Foto-Buch mit „Menschen in Zeltingen-Rachtig 2017“ findet großen Anklang im Ort.

Etwa 2300 Menschen leben in Zeltingen-Rachtig – darunter 1170, die bei der jüngsten Bundestagswahl wahlberechtigt waren. Von ihnen beteiligte sich jeder Vierte am „Kunst- und Geschichts­projekt“ ihres Mitbürgers Werner Weber (der TV berichtete). Mit seiner Idee für ein Foto-Buch brachte er 281 „Menschen in Zeltingen-Rachtig 2017“ zusammen. Zufrieden gewesen wäre er schon mit etwa 200 Teilnehmern. Stattdessen geben nun deutlich mehr Personen ihrem Dorf ein Gesicht für kommende Generationen. „Und jedes Bild besitzt seine Eigenheit, wie der dort abgebildete Mensch die eigene Individualität besitzt“, hebt der pensionierte Studiendirektor eine weitere Besonderheit hervor.

Um möglichst vielen heutigen Bewohnern die Gelegenheit zu geben, mit dabei zu sein, war er in beiden Ortsteilen bei der jeweiligen Kirmes und dem Straßenfest mit seinem mobilen Foto-Pavillon präsent. Außerdem bot er Termine in seinem privaten Fotostudio an. So fanden letztlich ganz verschiedene Menschen zusammen: Frauen und Männer im Alter von 18 bis 92 Jahren, Alteingesessene wie Zugezogene beziehungsweise Eingeheiratete und Personen mit unterschiedlichsten Berufen und ehrenamtlichen Aktivitäten.

Eine weitere Besonderheit des Buches ist, dass jedem der Schwarz-Weiß-Porträts mit alphabetisch sortierten Namen eine komplette Seite in dem quadratischen Fotoband eingeräumt wird. Den künstlerischen Aspekt der „Dokumentation der Gegenwart“ sieht Weber „in der Gesamtheit der Bilder und ihrer Wirkung auf die Betrachter“.

Von den kürzlich gedruckten 150 Büchern sind inzwischen bereits mehr als die Hälfte verkauft. Und das an nur zwei Wochenenden im Rahmen des Zeltinger Adventsmarktes. Weber freut sich aber vor allem über erste positive Reaktionen auf das binnen anderthalb Jahren realisierte Projekt. Jüngere wie Ältere hätten sich teils länger als eine Stunde mit dem Buch beschäftigt.

Schon deshalb steht für ihn fest: „Der Aufwand hat sich gelohnt.“ Viele Leute seien beeindruckt gewesen – von der Vielzahl der Bilder wie davon, „wer da alles drin ist“, und auch von der Qualität der Fotos. Denn die meisten waren in anderthalb Minuten aufgenommene „Adhoc-Fotografien“.

Das Angebot, sich im Fotostudio des Amateurfotografen ablichten zu lassen, nutzten nur einige wenige Teilnehmer.

Sie alle zu fotografieren, habe ihm und seiner Frau Renate, die ihm assistierte, viel Freude bereitet, erzählt Weber. Da sie selbst zugezogen sind, konnten sie zudem neue Kontakte in ihrer Wahlheimat knüpfen. 2008 kauften sie dort ein 1647 erbautes Winzerhaus, das sie seither renovieren und unter anderem mit Vinothek und Kunst-Galerie ausbauten.

Parallel dazu widmet sich Weber der Geschichte des Dorfes und der Ahnenforschung. Besuche von Nachkommen einstiger Amerika-Auswanderer zeugen davon ebenso wie eine Karte, auf der zu sehen ist, wer um 1830 in welchem Haus in Zeltingen und in Rachtig lebte und welchen Berufen diese Menschen nachgingen.

(Ursula Schmieder)