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Ein Eifeler unter den Besten der Welt

Ein Eifeler unter den Besten der Welt

Simon Steffen aus Minderlittgen startet in dieser Woche im Kartsport-Weltfinale in Le Mans. Die weltbesten Fahrer dieser Kleinrennwagen treten dort gegeneinander an. Der TV hat den erfolgreichen Piloten mit seinem Vater und Coach Ulrich Steffen an der Wittlicher Kartbahn getroffen.

Minderlittgen/Wittlich. Kart-rennwagen erreichen bis zu 150 Stundenkilometer und sind keine Spielzeugboliden, obwohl in der kleinsten Wettbewerbsklasse schon Achtjährige starten dürfen. Die flachen Flitzer mit phänomenalen Kurveneigenschaften, deren Fliehkräfte den Fahrer mit dem Vierfachen seines Eigengewichts belasten, standen schon am Anfang von Formel-1-Karrieren. Genannt sei Michael Schumacher.
Ein junger Könner auf der Piste der rasenden Flachrenner mit hochtourigen Motoren mit bis 15 000 Umdrehungen ist der 17-jährige Simon Steffen aus Minderlittgen.
Der Schüler des Wittlicher Cusanus-Gymnasiums steht zwei Jahre vor dem Abitur und hat noch einen "Nebenjob": Er fährt für den deutschen Importeur des Herstellers Top-Kart und hat national wie auch international seinen Platz in den vorderen Reihen. Von heute bis zum 18. Oktober kämpft Steffen beim Treffen der weltbesten Kartfahrer beim IAME International Final in Le Mans auf einen vorderen Platz in seiner Klasse X 30. "Mit der Teilnahme an diesem prestigeträchtigen Rennen geht für mich ein Traum in Erfüllung", sagt er.
Simon Steffen hat einen Coach, seinen Vater Ulrich Steffen, der zugleich Manager, Organisator und Rennmechaniker ist. Auch die Familie mit Mutter Monika und den älteren Geschwistern Julia und Christian steht hinter der Rennleidenschaft. Dazu gebracht hat ihn der Vater.
Simon: "Als ich sieben Jahre alt war, habe ich mit meinem Vater die Wittlicher Kartbahn besucht und durfte die ersten Proberunden drehen. Ich war sofort total fasziniert. Ein Jahr später bekam ich den ersten eigenen Kart, und dann ging es bald schon los mit Slalomwettbewerben."
So begann für Simon die rasende Fahrt durch die Rennklassen, die sich im wesentlichen durch die Motorstärken unterscheiden (siehe Daten und Fakten). Heute fährt er in der Klasse X 30 Senioren mit 22 Kilowatt (rund 30 PS). Das klingt wenig für ein Rennfahrzeug. Aber wenn man bedenkt, dass zwei Männer das "Auto" bequem wegtragen können, wird klar, welches Kraft-Gewichtsverhältnis im Spiel ist.
Wie viele Pokale er schon hat? "150 oder mehr. Jedenfalls ein ganzer Schrank voll." Doch es gab auch Rückschläge, wenn die Technik im Rennen mal wieder einen Strich durch die Rechnung machte. Auf dem ersten Platz liegen - dann Motorschaden kurz vor der Zieldurchfahrt. Das kennen nicht nur Formel-1-Stars.
Um so lieber erinnert sich der Kartpilot an sein schönstes Rennerlebnis. Das war in diesem Jahr sein erster Doppelsieg im bayerischen Ampfing. "Da bin ich im Vorfinale und dann noch im Finale als Erster über die Ziellinie gekommen. Ist das ein Gefühl."
Gesponsert wird die Rennleidenschaft von Top-Kart Deutschland und einer Kölner PR-Agentur. "Ein paar Sponsoren mehr wären sehr hilfreich, denn das geht richtig ins Geld", sagt Vater Ulrich Steffen. Man sei schon der Rennstall mit dem geringsten Budget, aber in den vergangenen drei Jahren habe es durch die Technik eine regelrechte Kostenexplosion gegeben. Das sei wie bei den großen Rennserien: Um konkurrenzfähig zu bleiben, müsse immer mehr in die Technik investiert werden. Steffen: "Wenn wir keine zusätzlichen Sponsoren finden, wird wohl im nächsten Jahr Schluss sein."Extra

Stationen einer Karriere: 2006 erster eigener Kart. 2008 Einstieg in die "echten" Rennen, zunächst in der kleinsten 15-PS-Klasse "Kadetten". 2010 der Umstieg auf die World Formula. 2011 Aufstieg in die Juniorenklasse. Zahlreiche Siege in 2012 und 2013. 2014 Vize-Titel bei der Serie ADAC-Kart-Masters X 30 Senioren gegen mehr als 50 Konkurrenten. Im selben Jahr ebenfalls zweiter Platz bei der Vega-Trophy. 2015 zunächst führend im zweiten Lauf bei den ADAC-Kart-Masters. Wegen technischer Probleme fünfter Platz unter 50 Teilnehmern. Von heute bis zum 18. Oktober erfolgt die Teilnahme am Weltfinale in Le Mans. Dabei tritt Simon Steffen in seiner Klasse gegen 126 Fahrer an. f.k.Extra

Was macht einen guten Kartfahrer aus? Simon Steffen: Fitness, Ehrgeiz, unbedingter Siegeswillen. Und du musst die Technik verstehen. Stichwort "Fitness" - treiben Sie Konditionstraining? Steffen: Vier Mal die Woche bin ich im Fitnessstudio. Dazu kommt tägliches Laufen. Das braucht man, um die Belastung in den Rennen durchzuhalten. Ohne Kondition und Kraft geht da nichts. Wer denkt, er könnte sich einfach in den Kart setzen und losfahren, wird sich wundern." Gibt es ein Risiko? Steffen: Es kann was passieren, auch mit Verletzten. Aber im Rennen denkt man nicht daran. Ich selbst habe noch keinen größeren Crash gehabt. Bleibt noch Zeit für Freunde und Bekannte? Was sagen die Klassenkameraden? Steffen: In zweieinhalb Jahren kommt das Abi in Sicht. Das führt zu einer Doppelbelastung. Die Leute in meiner Klasse sehen Kartsport grundsätzlich positiv und stehen hinter mir. Aber am Wochenende mit denen losziehen - da wird es meist eng. Was ich mal beruflich machen werde, weiß ich noch nicht. Aber es sollte mit Technik zu tun haben. f.k.