Ein Ertrag wie nie zuvor

Ein wenig versteckt in einer Art Hinterhof wächst und gedeiht in Piesport eine Weinrebe, die es auf ein Alter von mehr als 250 Jahren bringt.

Piesport. An einem etwas zentraleren Standort würde sie sicher für Furore sorgen. Stattdessen scheint eine mehr als 250 Jahre alte Piesporter Weinrebe in einer Art Hinterhof kaum beachtet vor sich hin zu wachsen. Unbehelligt von allzu vielen Neugierigen rankt sie wie eh und je an der Giebelwand einer Scheune empor. Und das tut sie sogar fleißiger denn je - in diesem Jahr erweist sich der Weinstock als besonders ertragreich. Aber vielleicht ist es ja gerade die Abgeschiedenheit, die sein honoriges Alter begünstigt hat. Jedenfalls wird er Weinstock, unbeeindruckt von den Veränderungen um sie herum, Jahr für Jahr größer.Alfons Christen, der seit Jahren für die Pflege Sorge trägt, ist selbst erstaunt, dass der Rebstock immer noch weiter wächst und sich schier unermüdlich am Giebel der Scheune verteilt. Gebäude und Pflanze seien seit jeher im Besitz der Familie seiner Frau. Deren Opa "Ziemens Pit" (Peter Schmitt) habe schon früher immer gesagt, die Rebe sei so alt wie die Scheune, die vor nunmehr 260 Jahren gebaut worden sei. Eine von Christen inzwischen veranlasste Überprüfung des Alters der Rebe hat das bestätigt. Die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt Trier, heute Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel, hat laut Christen festgestellt, dass das untersuchte Holz des Weinstockes tatsächlich mehr als 250 Jahre alt ist. Außerdem weiß die Familie nun, dass es sich nicht um einen Rieslingstock handelt, sondern um eine "rieslingähnliche" Rebe. Das erklärt auch die bedeutend kleineren Blätter des Rebstocks und die süßeren Trauben.Dass es alte Reben auf ein solches Alter bringen können, ist laut Dr. Paul Slamka vom Dienstleistungszentrum schon etwas Besonderes. "Eigentlich ist es nicht normal - aber es ist möglich", macht der Experte deutlich, dass eine Wild rebe offensichtlich ihren eigenen Gesetzen folgt. Bei heutigen, wegen der Reblausgefahr gepfropften Reben könne so ein Alter nicht erreicht werden. Für Slamka steht jedenfalls fest: "Die Rebe ist schon eine ganz tolle Pflanze - ein tolles Kulturgut."Das i-Tüpfelchen ist ein Farn

Davon ist auch Alfons Christen überzeugt. Zumal der betagte Weinstock noch eine weitere Kuriosität aufzuweisen hat: An seinem Stock hat sich nämlich ein Farnkraut eingenistet. "Das ist seit eh und je da dran", macht der Winzer aufmerksam auf "das i-Tüpfelchen" der Rebe. Klagen über die mittlerweile aufwendige Pflege des Stockes sind daher von ihm nicht zu hören. Obwohl es angesichts der Ausmaße der Pflanze schon sehr mühsam sein muss, sie im Frühjahr und im Sommer immer fachmännisch zu "stutzen" und auch regelmäßig zu spritzen. Doch schließlich wird Alfons Christen dafür ja reichlich belohnt: "Die hat dieses Jahr vor aussichtlich einen Ertrag, wie er noch nie da war."