Ein Fenster in die Vergangenheit

Mit den historischen Funden unter der Burg Landshut kann Bernkastel-Kues seine römischen Wurzeln untermauern. Das historische Gemäuer ist Wahrzeichen der Stadt, die jedes Jahr von mehreren Zehntausend Menschen besucht wird.

Bernkastel-Kues. "Wenn ich mehr solche Geschenke bekäme, wäre ich bald ein armer Mann." Das sagte Kronprinz Wilhelm der VI., nachdem der damalige Landrat C. von Gaertner ihm 1839 die Burg Landshut geschenkt hatte. Die damaligen Stadtherren verbanden die Schenkung mit der Hoffnung, dass die Burg wieder aufgebaut würde.
Schließlich wurde Wilhelm dem VI. eine romantische Ader nachgesagt. Er hatte zuvor bereits mehrere Burgen wieder in Ordnung gebracht. Daraus wurde in diesem Fall aber nichts: Der Kronprinz gab das Geschenk letztlich wieder zurück.
Nichtsdestotrotz hat sich die Burg Landshut zum Wahrzeichen der Stadt entwickelt. Ob man moselaufwärts oder -abwärts fährt, sie ist von weitem zu erkennen. Sie steht auf einem Ausläufer des Bernkasteler Olymp, dem 235 Meter hohen Burgberg.
Zu sehen sind die Mauern einer mittelalterlichen Burg. Aber das ist nicht alles, was das Bauwerk zu bieten hat: An der gleichen Stelle standen bereits drei Burgen. Bei Sanierungsarbeiten im Jahr 2009 kamen die Mauerreste der Vorgängergebäude zum Vorschein.
TV-Serie Landmarken



Sie stammen aus der Zeit etwa 300 nach Christus und weisen auf ein 60 Mal 30 Meter großes militärisch genutztes Kastell hin. Die 1,80 Meter dicken Mauern sind aus Quarzitsteinen. "Womöglich handelt es sich dabei um das früheste Bauwerk seiner Art in der römischen Provinz Belgica", sagt der Archäologe Karl-Heinz Gilles vom Rheinischen Landesmuseum und ergänzt: "Die rechteckige Anlage ist offenbar eine von mindestens 19 Burgbefestigungen, die oberhalb der Mosel angelegt worden waren, um die Kaiserresidenz Trier zu schützen. Sie war Teil der Logistik der Kaiserstadt Trier."
Gefunden wurden die Reste, weil sie nur teilweise mit der mittelalterlichen Kernburg überbaut wurden.
"Die Funde waren für die Stadtgeschichte von Bernkastel ein riesiger und wichtiger Schritt, denn in Bernkastel gab es bisher keine römischen Funde", sagt Annelie Servatius, Stadtführerin in Bernkastel-Kues.
Neben den Resten der Burg aus dem vierten Jahrhundert wurden zudem Mauern, Türme und Torbögen aus dem elften und zwölften Jahrhundert gefunden. Sie zeugen von zwei Vorgängerburgen, die 983 und 1198 gebaut wurden.
Bei einem Feuer wurde die Burg 1692 zerstört und danach nicht wieder aufgebaut. Einige Funde sind 2013, nachdem sie auf Fotos und Plänen festgehalten wurden, wieder zugeschüttet worden, "denn sie sollen vor Feuchtigkeit und Frost geschützt werden", erklärt Gilles.
Aktuell werden die römischen Funde durch einen Rundweg erschlossen und beschriftet. Man wird zudem einen römischen Sarkophag, der in Richtung Graach in den Weinbergen gefunden wurde, dort aufstellen. Der Gastronomiebereich wird komplett erneuert und die Burg so weit wie möglich behindertengerecht ausgebaut, beispielsweise durch einen Aufzug.
Kosten wird der Ausbau der Burg insgesamt 900 000 Euro, der des Gastronomiebereichs 1,2 Millionen. Zur Saison 2016 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein.
Extra

Unter Landmarken versteht man außergewöhnliche Formationen im Gelände, die zum Beispiel Wanderern unterwegs zur Orientierung dienen. In der Serie "Landmarken" werden solche Objekte vorgestellt. Dabei kann es sich um natürliche, aber auch um vom Menschen geschaffene Wahrzeichen handeln. redExtra

 Ein Blick durch ein Fenster der Burg auf die Mosel und die Stadt Bernkastel-Kues.
Ein Blick durch ein Fenster der Burg auf die Mosel und die Stadt Bernkastel-Kues. Foto: (m_kreis )

An der Mosel gibt es insgesamt 16 Burgen, Festungen und Ruinen, die man vom Wasser aus sehen kann. Davon liegen fünf im Kreis Bernkastel-Wittlich. Das sind: die Burgruine Veldenz bei Veldenz, die Burgruine Landshut bei Bernkastel-Kues, die Festung Mont Royal bei Traben-Trarbach, die Grevenburg bei Traben-Trarbach und die Starkenburg, die sich zwischen Traben-Trarbach und Enkirch befindet. chb