Ein Fisch namens Schweinekeule

BERNKASTEL-KUES. (urs) Ob schmusen oder malochen, dufte oder meschugge - in die Umgangssprache sind viele Wörter jiddischer Herkunft verwoben. Yaghoub Khoschlessan arbeitete das bei einem musikalischen Erzählabend in der Akademie Kues heraus.

Es waren liebenswerte Geschichten von Maloche und Mauschelei, von Schmus aber auch Stuss, die in der Akademie Kues ihre Runde machten. In unterhaltsamen Erzählungen führte Yaghoub Khoschlessan den Zuhörern die Vielzahl jiddischer Wörter in der deutschen Umgangssprache vor Augen. Manche der Wörter waren zeitweise sogar schon aus dem Wortschatz verschwunden. Ein Beispiel dafür ist das Wort "Rebbach", das nach 1968 wieder als "Reibach" zurückkehrte. Andere dagegen sind längst kaum mehr erkennbar mit nicht-jiddischen Wörtern verschmolzen. Beispiele dafür sind schmusen und dufte oder mies und Pleite. Ebenso dürfte wohl jedem klar sein, dass es sich bei einem Fisch, der "im Baum sitzt und singt" nur um einen "meschuggenen" Fisch handeln kann. Und auch der Unterschied zwischen Massel (Glück) und Schlamassel ist nur allzu bekannt. Selbst wenn mal "Tacheles" (Klartext) oder "Tinnef" (Unsinn) geredet wird, sieht sich kaum einer veranlasst, darüber zu mosern (klagen). Eine Auflistung, die schier endlos fortsetzbar scheint. Die rechte Würze erhielt der Abend jedoch erst mit den dazu passenden Anekdoten.Den Besuchern munden die Leckerbissen

Dazu gehörten die Geschichten und Witze über "jiddische Feste, Riten und Symbole", die der Referent zu erzählen wusste - wie etwa den Witz vom auf koscheres Essen bedachten Juden, der im Restaurant Appetit auf etwas Spezielles verspürt. Auf seinen mit Fingerzeig geäußerten Wunsch "ich hätte gern diesen Fisch" macht ihn der Kellner aufmerksam, das sei doch eine Schweinekeule. Darauf der Gast: "Habe ich gefragt, wie er sich nennt, der Fisch?" Ein Leckerbissen, der auch den rund 60 Besuchern zu Mohnbrötchen mit Sesam-Mus bestens mundete. In den Erzählpausen konnten sie sich zudem zusätzlich an jiddischer Musik erfreuen - einfühlsam präsentiert von Ellen Höfer und Jutta Boenisch vom Ensemble "Tourdion". Die Qualität des kurzfristig initiierten Gastspiels überraschte selbst den Referenten. "Ich bin begeistert, wie hervorragend sie die jiddischen Lieder interpretieren können - in dem Gesang ist wirklich die jiddische Seele drin", sagte er. Das Publikum empfand das offensichtlich nicht anders. Das ganze habe ihr "außerordentlich gut" gefallen, freute sich Regine Santoni, die für dieses Erlebnis extra aus Hannover angereist war. Harald Geißler lobte: "Das Konzept finde ich gut - diese Mischung aus seriösen Informationen und aufgelockerter Stimmung." Mit ihm genoss Ehefrau Dorothee den Abend, der in Zusammenarbeit von Akademie Kues und dem Bündnis für Menschlichkeit und Zivilcourage entstanden war. Volker Frankenberger konnte nicht umhin, sich während der Erzählungen einige Notizen zu machen. Dabei waren dem Piesporter die jiddischen Worte so gut wie alle bekannt, nur nicht immer in ihrer vielschichtigen Bedeutung. Helga Frankenberger ging es ähnlich. "Bei vielen Wörtern hat man sich früher nur keine Gedanken gemacht, wo sie her kommen", sagte sie.

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