Ein Gall sucht seine Vorfahren

ENKIRCH. Viele deutsche Familien sind in den Notzeiten des 18. und 19. Jahrhunderts nach Übersee ausgewandert. Nicht wenige fanden in Brasilien eine neue Heimat. So wie die Vorfahren von Adriano Lizandro Seibert-Gall. Der Mann, der seit fünf Jahren in Süddeutschland lebt, hat nun Kontakt zu Familien namens Gall aufgenommen. Unter anderem ist er auch in Enkirch fündig geworden.

Vor wenigen Wochen erhielten Erwin und Frieda Gall aus Enkirch ein Schreiben von einem gewissen Adriano Lizandro Seibert-Gall aus Altensteig in Süddeutschland. Der junge Brasilianer wohnt seit fünf Jahren mit seiner deutschen Ehefrau Steffi in dem beschaulichen Ort im Schwarzwald.Auf den Spuren der Ahnen

"Ich wollte immer schon mehr über meine Vorfahren wissen, aber in Brasilien ist das sehr schwierig, weil sie von Süd- nach Nordbrasilien weitergezogen sind. Mein Großvater hat mir immer gesagt, dass sein Großvater aus der Region Hunsrück nach Brasilien gekommen war. Aber ich wusste nie, wo das war, bis ich nach Deutschland gezogen bin." Adriano Lizandro Seibert-Gall ist seit mehreren Jahren auf der Suche nach seinen deutschen Vorfahren. Seine Recherchen haben bereits einiges zu Tage gefördert. In Rio de Janeiro stieß er auf einen Mann namens Eugenio Gall. Schnell stellte sich heraus, dass sie verwandt sind. Gemeinsamer Vorfahre ist demnach ein Johann Nicolaus Gall, geboren im Jahr 1800. 1824 heiratete er die im Jahr 1801 geborene Maria Juliane Gerhart. Beide wanderten mit ihren vier Söhnen 1855 von Enkirch nach Brasilien aus. Die Namen von dreien dieser Söhne hat Eugenio Gall herausgefunden: Friedrich Peter, Philipp Heinrich und Johann Daniel - sein Urgroßvater. Frieda und Erwin Gall waren ganz gerührt, als sie den Brief erhielten, erinnert er sie doch auch an die eigene Familiengeschichte. Direkt helfen können sie dem Deutsch-Brasilianer nicht, immerhin konnten sie ihm aber die Adresse der evangelischen Archivstelle Boppard mitteilen. Dort sind alte Kirchenbücher, unter anderem auch von Enkirch, gelagert. Und die betagten Enkircher Galls, Erwin ist 84 Jahre alt, Ehefrau Frieda 82, haben den Ahnenforscher, der vermutlich mit ihnen verwandt ist, nach Enkirch eingeladen. Erwin Gall erzählt, dass sich im Jahr 1792 erstmals eine Familie namens Gall in Enkirch ansiedelte. Deren Vorfahren waren vermutlich Hugenotten aus Frankreich. Hugenotten ist die seit etwa 1560 gebräuchliche Bezeichnung für die französischen Protestanten. Sie wurden in Frankreich insbesondere im 16. und 17. Jahrhundert stark verfolgt. Der Familienname Gall ist vermutlich von dem alten Personennamen Gallus mit der Bedeutung "der Gallier" hergeleitet.