Ein Geschenk wird teuer

36 Mini-Spielfelder im Fußballverband Rheinland, 1000 Plätze insgesamt, will der Deutsche Fußballbund (DFB) fördern. Wittlich hat sich um eines der Spielfelder beworben und war erfolgreich. Die Kosten für die Vorleistungen laufen jedoch "aus dem Ruder".

Wittlich. Fußball ist "in", und ein vom DFB gefördertes Mini-Spielfeld (20 mal 13 Meter) auch für Wittlich klingt wie eine tolle Sache. Elastische Tragschicht, Kunststoffrasen, Linien, schalldämmende Bande, Ballfang und nicht zuletzt die Tore will der DFB stiften. Das DFB-Präsidium hatte im April 2007 den Bau von 1000 Plätzen aus Überschüssen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 beschlossen und 23 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Stadt hatte sich mit der Georg-Meistermann-Schule als Standort für ein solches DFB-Mini-Spielfeld beworben und schon einmal 12 000 Euro im städtischen Haushalt 2008 für notwendige Vorleistungen reserviert. Diese Kosten waren den Kommunen für die Bodenarbeiten angegeben worden. "Dieser Betrag war allerdings von Seiten des DFB als zu gering veranschlagt", heißt es nun in einer Information für den Stadtrat. Schon im Mai rechnete die Stadt damit, dass man 40 000 Euro kalkulieren müsse. Diese Kostenschätzung beruhte auf einer Ingenieursbüro-Schätzung. Eine erste überplanmäßige Ausgabe wurde daraufhin genehmigt. Mittlerweile erwartet man allerdings eine Rechnung von rund 72 000 Euro, denn unter anderem wurde festgestellt, dass pechhaltiges Material zu entfernen und entsorgen sei, bevor ein Spielplatz entstehen könne. Weiterhin seien "Kostensteigerungen auf dem Stahlpreissektor" zu berücksichtigen.

Insgesamt werden jetzt 59 000 Euro für Tiefbauarbeiten aufgelistet, 6000 Euro für eine Zaunanlage und 7000 Euro für Honorar und Ähnliches.

Weiterhin macht die Stadtverwaltung in der Vorlage für den Stadtrat darauf aufmerksam, dass die Unterhaltungskosten für das Minispielfeld nicht genau beziffert werden könnten: "Der Platz muss regelmäßig abgekehrt und abgesaugt werden. Eine Bewässerung ist nicht unbedingt erforderlich." Generell sei die Finanzierung der erneuten Mehrkosten wohl über die Stiftung möglich. Ein Antrag für einen Zuschuss von 25 000 Euro sei an die Stiftung gestellt. Abzüglich eines Restbetrags von 6000 Euro, der noch vom Gewinn des RWE-Städteduells übrig ist, müsste die Stadt aus jetziger Sicht 41 000 Euro für das DFB-Mini-Spielfeld zahlen. Über das Vorhaben muss der Stadtrat in seiner heutigen Sitzung entscheiden.

Geplant war, den Fußballplatz an der Seite des Schulhofs der Georg-Meistermann-Grundschule in Richtung Rommelsbach Parkplatz zu bauen. Es hieß, er könne sowohl von der Schule als auch von Fußballvereinen und Öffentlichkeit genutzt werden.

Unter den 5000 Bewerbern für 1000 Plätze deutschlandweit war in der Region auch die Verbandsgemeinde Daun erfolgreich. Dort wurden vergangene Woche zwei Plätze an Schulen in Daun und Gillenfeld bereits eingeweiht. Dort war der Eigenanteil nicht so kostspielig: Die Verbandsgemeinde gibt an, für die Erdarbeiten und Bereitstellung der Plätze jeweils 25 000 Euro investiert zu haben.

Die heutige Stadtratssitzung beginnt um 18 Uhr in der ehemaligen Synagoge.

Meinung

Von Sonja Sünnen

Mehr als eine Kostenfrage

Uuuups: Das ist schon enorm, wie in Wittlich die Kosten für das Mini-Spielfeld explodiert sind! Der DFB investiert umgerechnet rund 23 000 Euro pro Fußballplatz, die Stadt gut drei Mal so viel, damit das Ganze überhaupt gebaut werden kann. Es ist mehr als Pech, dass in Wittlich 72 000 Euro kostet, was in der Nachbarschaft für 25 000 Euro zu haben war und auch schon fertig ist. Es ist ein Glück für Wittlich, dass die Stiftung die Belastung um ein Drittel mindern könnte. Denn das Projekt per se ist eine gute Sache, auch wenn die Investition für die Jugend weitaus teurer wird als gedacht. Jetzt muss die Politik entscheiden. Vielleicht rollen vor dem Winter ja die Bälle. s.suennen@volksfreund.de