Ein glanzvoller Abschluss

Zum Abschluss haben die Eifel-Kulturtage am Wochenende im Kloster Himmerod eine Sternstunde erlebt. Mit ihrem komödiantischen Solo "Nibelungen" entführte Bea von Malchus die Zuschauer am Freitag im "IC Walhalla" an den Hof von Worms. Mit dem Film "Die große Stille" kam am Samstag ein Meisterwerk des Filmemachers Philip Gröning zur Aufführung.

Himmerod. Mit rasantem Rollenwechsel, einer außergewöhnlichen Stimmenvielfalt und einer atemberaubenden Mimik machte eine ebenso außergewöhnliche Frau auf sich und ihr Solotheater aufmerksam: Bea von Malchus zauberte mit ihrer Darbietung der "Nibelungen" zum Abschluss der Eifel-Kulturtage in Himmerod ein facettenreiches Stück auf die Bühne. "Selten kann der Mensch auf so hohem Niveau lachen - eine grandiose Vorstellung", freute sich der Bitburger Werner Pies.Liebe, Rache, Geldgier und Mord

Das Nibelungenlied ist einer der packendsten Stoffe des Mittelalters. Bea von Malchus entführte im "IC Walhalla" das Publikum an den Hof zu Worms. Dort scheint die Welt in Ordnung zu sein. Der Weinkeller ist voll, die Königstochter die Schönste weit und breit und das Regierungstrio gelassen. Bis eines Tages ein blonder Ritter in den Burghof einreitet und alles auf den Kopf stellt: Hat Gunther ein Alkoholproblem? Ist Gernot noch bei Trost? War Brunhild gedopt? Ist Giselher schwul und Hagen in Kriemhild verliebt? Am Ende sind alle tot, bis auf einen dicken Kater namens Wagner. Eine herrliche Geschichte, exzellent in Szene gesetzt von Bea von Malchus.In der Fachwelt hoch gelobt sind Filmemacher Philip Gröning und sein Werk "Die große Stille". "Der Spiegel" bezeichnete ihn gar als "eine Sensation". Und so waren es ganz andere Vorzeichen als bei den "Nibelungen" tags zuvor. Den Mut, eine Anstrengung vollbringen zu wollen und den unbedingten Willen, sich des Themas anzunehmen, war den Besuchern am Samstagabend zu Eigen. Die kamen so zahlreich, dass die letzten stehen mussten.Der Film ist eine sehr strenge, fast stumme Meditation über das Klosterleben in reiner Form. Keine Musik, bis auf die Gesänge der Mönche, keine Interviews, keine Kommentare, kein zusätzliches Licht. Nur der Lauf der Zeit, der Wechsel der Jahreszeiten und das sich stetig wiederholende Element des Tages: das Gebet. Ein Film über Bewusstsein, über absolute Präsenz und über Menschen, die ihre Lebenszeit in aller Klarheit Gott gewidmet haben. "Erst in der Stille beginnen wir zu hören", sagte am Ende Besucher Götz Herbig, der sich beeindruckt von diesem Filmdokument zeigte.Der Karthäuserorden gilt als eine der strengsten Bruderschaften innerhalb der römisch-katholischen Kirche. Verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit folgt das Leben der Mönche den Jahrhunderte alten Regeln des Ordens. Die letzten Aufnahmen im Kloster sind um 1960 entstanden. 16 Jahre nach seiner ersten Begegnung mit dem derzeitigen Prior des Ordens erhielt Philip Gröning die Genehmigung, einen Film über das Leben der Mönche zu drehen. Dies ist das Resultat einer langjährigen und vertrauensvollen Beziehung zwischen Gröning und dem Prior der "Grande Chartreuse". Bedenkt man, dass vor Gröning noch niemandem solch eine Dreherlaubnis erteilt wurde, wird dieser Film über den Orden vielleicht auch der einzige bleiben. Interview mit Rainer Laupichler

Die Eifel-Kulturtage fanden vom 22. Juni bis 28. Juli in Bad Bertrich, Ulmen und im Kloster Himmerod statt. 14 Veranstaltungen standen auf dem Programm. Von Fernbleiben bis zu stehenden Ovationen reichte das Spektrum der Resonanz. Mit Rainer Laupichler, dem künstlerischen Leiter der Eifel-Kulturtage, sprach TV-Mitarbeiter Rudolf Höser nach Abschluss der Kulturtage.Die ersten Eifel-Kulturtage sind zu Ende. Wie fällt Ihr Fazit aus?Laupichler: Die Eifel-Kulturtage, die ja als Nachfolgeveranstaltung der Manderscheider Kulturtage entstanden sind, sind in der Summe sehr gut verlaufen. Wir hatten 14 Veranstaltungen mit über 90 Künstlern. Ehrlicherweise müssen wir anführen, dass eine Veranstaltung wegen zu geringer Nachfrage abgesagt werden musste. Aber das entmutigt uns nicht.Wobei empfanden Sie die größte Freude? Laupichler: Was mich sehr freut und was auch ein Entree für 2008 ist, ist die tolle Resonanz, insbesondere bei der Presse. Alles Gute wurde hoch gelobt, der einzige Flop zu Recht kritisiert. Wir hätten uns dennoch etwas mehr Publikum gewünscht.Haben Sie ein tragbares Veranstaltungskonzept? Laupichler: Ich habe das Ganze ehrenamtlich und eigenverantwortlich organisiert. In der Umsetzung kamen Leute hinzu, die das auch ehrenamtlich machen. Das muss anders werden. Die Basis der Trägerschaft muss verbreitert werden. Es müssen bestimmte Gelder fließen. Es gibt hier einen Kulturauftrag des Landes.Welche Zielgruppe visieren Sie an? Laupichler: Wir leben in einem Umfeld, in dem das Bildungsbürgertum nicht so breit gestreut ist. Mein Wunsch ist es, die Leute zu erreichen, die noch eine Hemmschwelle haben, sich einmal mit Shakespeare oder Kafka zu beschäftigen. Die möchte ich neugierig machen.Fortsetzung folgt? Laupichler: Ich denke ja. Mit einem ambitionierten Programm.Welche Schwerpunkte setzen Sie für die Eifel-Kulturtage 2008?Laupichler: Ich setze wie in diesem Jahr stark auf die Darstellung. Volkstheater, wuchtiges, fulminantes Theater zum Anfassen. Der Schwerpunkt sollte nicht zu intellektuell, nicht zu sehr reserviert gesetzt werden. Ich will aber immer ambitioniert bleiben. Ich möchte, dass die Leute weiter kommen. Es wird auch wieder eine Kombination mit der Gastronomie geben. Wir wollen nicht missionarisch wirken, sondern kulturelle Unterhaltung mit Niveau bieten. Es könnte aber eine zeitliche Verschiebung geben. Ich denke da eher an März und April.

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