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Ein Graben im Garten sorgt für Ärger

Ein Graben im Garten sorgt für Ärger

Schnaken, Mücken, grünbrackiges Wasser: Ein Entwässerungsgraben in ihrem Garten sorgt für einen Konflikt, den die Eheleute Müller seit Monaten mit den Werken der Verbandsgemeinde Wittlich-Land austragen. Die Müllers wünschen sich einen Anschluss an einen Regenwasserkanal. Die Werke lehnen das ab. Das Ehepaar hat mittlerweile den rheinland-pfälzischen Bürgerbeauftragten eingeschaltet.

Klausen. Zeitungsausschnitte aus dem Trierischen Volksfreund, amtliche Mitteilungen aus dem Wochenblättchen, Bebauungspläne, Abgabenbescheide, Schriftwechsel mit den Werken der Verbandsgemeinde (VG) Wittlich-Land, Anwaltsschreiben und jede Menge, teils handschriftlich verfasste Gesprächsprotokolle. Akribisch haben Pe tra und Hans-Walter Müller alles gesammelt, was mit dem Neubaugebiet Neuwies in Klausen zu tun hat.
Im Lehmboden versickert nichts


2008 bezog das Ehepaar ein Haus im sogenannten "äußeren Ring". Auch ein benachbartes, noch unbebautes Grundstück kauften die Müllers. Von ihrem Garten aus blicken sie auf die mit Gras bewachsene Böschung, die das Neubaugebiet vom alten Sportplatz trennt. Und genau vor dieser Böschung, am Ende ihres Gartens verläuft das, was dazu geführt hat, dass ihre Korrespondenz mit der Verwaltung einige Aktenordner füllt: ein Entwässerungsgraben, in den Regenwasser fließen und versickern soll. Nur, dass es das eben nicht tut, wie Hans-Walter Müller berichtet: "Das Wasser läuft nicht ab, da bilden sich regelrecht kleine Seen." Seiner Ansicht nach ein Konzeptionsfehler: "Es gibt in ganz Klausen nur Lehmboden, da versickert gar nichts." Muss es auch nicht zwingend, sagt Annegret Heinz, Leiterin der VG-Werke: Nach dem Landeswassergesetz soll Niederschlagswasser bei demjenigen, bei dem es anfällt, verwertet oder versickert werden. "Mulden, die in wasserundurchlässigem Erdreich angelegt werden, erfüllen genau diese Forderung", erklärt sie, "das Wasser wird zunächst in den Mulden zurückgehalten und kann verdunsten." Und so steht das Wasser im Entwässerungsgraben der Müllers mitunter 30 bis 40 Zentimeter hoch - mit unangenehmen Nebenwirkungen: Petra Müller spricht von Mücken und Schnaken, die in ihrem Garten herumschwirren, und - schlimmer noch - von "grünbrackigem, stinkendem Wasser".
Was die Müllers besonders ärgert: Nicht alle Anlieger im Neubaugebiet Neuwies haben Versickerungsgräben im Garten. Zwar war, als das Neubaugebiet auf den Weg gebracht wurde, zunächst vorgesehen, überall in Neuwies das Niederschlagswasser über Gräben zu entwässern. Bei Stark regen sollte das Wasser in ein Biotop abfließen, das außerhalb des Baugebiets liegt.
25 Grundstücke angeschlossen


Diese Planung ist inzwischen überholt: Denn in den vergangenen Wochen wurden vor zahlreichen Häusern Rohre verlegt. Nach Auskunft von Werkleiterin Heinz werden 25 der insgesamt 60 Grundstücke an den neuen Niederschlagswasserkanal angeschlossen. Selbst bei den Nachbarn der Müllers auf der gegenüberliegenden Straßenseite wurden jüngst Rohre verlegt. Ihre beiden Grundstücke blieben jedoch außen vor. "Das ärgert mich", sagt Hans-Walter Müller, "die anderen Grundstücke werden mit hübschen Rohren angeschlossen, sodass es sauber aussieht, und bei uns ist es verwahrlost." Das Neubaugebiet entwässere im sogenannten "modifizierten Trennsystem", erklärt Heinz auf TV-Nachfrage. Favorisiert werde die Ableitung des Regenwassers in offenen Gräben und Mulden, dies sei aber nicht überall möglich (siehe Hintergrund).
Ein Antrag der Müllers an die Werke, aus Gründen des Gleichbehandlungsgebots ihre beiden Grundstücke doch noch an den Kanal anzuschließen, scheiterte jüngst (siehe Extra). Viel Zeit bleibt dem Ehepaar jetzt nicht mehr: Schon in dieser Woche sollen die Asphaltarbeiten in Neuwies beginnen. Dass die Werke danach die Straße wieder aufreißen, um weitere Rohre zu verlegen - daran glaubt selbst Hans-Walter Müller nicht. Ganz aufgegeben hat er aber noch nicht: Er hat sich an den Bürgerbeauftragten des Landes, Dieter Burgard, gewandt.
Wenn schon keine Rohre, dann will er wenigstens einen hübscher anzuschauenden Versickerungsgraben im Garten. Seine Frau Petra verweist auf das Neubaugebiet Birkenbüsch in Salmtal: Dort wurden die Entwässerungsgräben mit dicken Schottersteinen aufgefüllt, durch die das Wasser versickern kann. "Das sieht wenigstens sauber aus", sagt sie.
Extra

In dem Schreiben an die Verbandsgemeindewerke Wittlich-Land beruft sich der von den Müllers engagierte Anwalt auf das Gleichbehandlungsgebot: Das Ehepaar dürfe nicht schlechter gestellt werden als die benachbarten Grundstückseigentümer. Seinen Mandanten dagegen werde mit dem offenen Graben im Garten "eine zweit- bis drittklassige Oberflächenentwässerung" zugemutet - und das, obwohl es gleich hohe Beiträge für die Oberflächenentwässerung entrichten müsse wie die Nachbarn mit Kanalanschluss. Die Werke lehnten den Antrag ab: Die Ableitung über einen offenen Graben stelle "in keinster Weise eine Einschränkung des Entwässerungskomforts" dar. "Alle Grundstückseigentümer in der gesamten Verbandsgemeinde Wittlich-Land bilden eine Solidargemeinschaft und zahlen deshalb für die Beseitigung des Niederschlagswassers einen einheitlichen wiederkehrenden Beitrag", betont Werkleiterin Heinz auf TV-Nachfrage - unabhängig davon, ob die Niederschlagswasserbeseitigung über einen Kanal oder Gräben erfolge. nebExtra

Im modifizierten Trennsystem soll das Niederschlagswasser möglichst an Ort und Stelle - in Gruben und Mulden - verbleiben, dort zeitverzögert in den Untergrund versickern und somit dafür sorgen, dass sich neues Grundwasser bildet. Im Neubaugebiet Neuwies gibt es laut Werkleiterin Annegret Heinz allerdings einige Grundstücke, die aufgrund der "ungünstigen topografischen Verhältnisse" das Regenwasser nicht über rückwärtige Gräben ableiten könnten. Auch die ursprünglich zwischen der Straße und den privaten Grundstücken angelegten Gräben, mit denen die Straße entwässert werden sollte, wurden inzwischen zurückgebaut. Stattdessen wurden Teilsickerrohre und versickerungsfähiges Pflaster als Oberflächenbelag verlegt - aus Gründen der "Verkehrssicherheit", wie Heinz betont: Autofahrer könnten bei Begegnungsverkehr den befestigten Pflasterstreifen zum Ausweichen nutzen. Außerdem habe man auf diese Weise zusätzliche Parkmöglichkeiten im Neubaugebiet geschaffen. neb