Ein großer Kämpfer
Heute, vor genau 123 Jahren, wurde im Hunsrückdorf Hunolstein bei Morbach ein Mann geboren, der als ein Mann des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in die Geschichtsbücher eingegangen ist: Mathias Jakobs.
Morbach. (red) Mathias Jakobs wurde am 9. September 1885 als Sohn der Eheleute Johann Jakobs, Landwirt, und Anna Maria geborene Thös in Hunolstein geboren. Nach seiner Kindheit, in der er im Alter von acht Jahren schon seine Mutter verlor, und einer Schuhmacherlehre zog er ins Ruhrgebiet nach Gladbeck.
Im Alter von 20 Jahren, im Jahr 1905, begann seine typische "Ruhrbergarbeiterkarriere" als Hilfsarbeiter zunächst in Gelsenkirchen-Schalke, fortgesetzt in Gladbeck als Koksarbeiter, 1909 ging er als Schlepper unter Tage, und wenige Monate später begann er als Lehrhauer. In dieser Zeit begann auch sein politisches Leben. 1909 trat er dem "Verband der Berg- und Hüttenarbeiter Deutschlands" bei und engagierte sich in der Freidenkerbewegung, deren Gladbecker Ortsgruppe im Jahr 1911 eine der größten im ganzen Reichsgebiet war. Seinen Eintritt in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands erklärte er am 1. August 1912. Den Ersten Weltkrieg erlebte Jakobs vom 3. August 1914 bis zum 10. April 1919 an der Westfront.
Schon vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges war Jakobs zum Filialleiter der SPD Gladbeck-Mitte aufgestiegen. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg startete dann Jakobs' steile Polit-Karriere: Ende 1919 machte man ihn zum Vorsitzenden der Gladbecker SPD. Mitte des Jahres 1920 zog er in die Stadtverordnetenversammlung ein, zweieinhalb Jahre später wurde er schon zum Sprecher des Stadtparlaments bestimmt. Gegen Ende des Jahres 1924 wurde er für den Wahlkreis 17 Münster/Minden/Kreis Grafschaft Schaumburg zum Abgeordneten des Preußischen Landtags in Berlin gewählt und war damit automatisch Delegierter des Heidelberger SPD-Programmparteitages im selben Jahr. Dabei machte er sich einen Namen als Bergbauexperte und streitbarer und harter Verfechter der Interessen der im Bergbau Tätigen.
Vor einem solch engagierten und couragierten Sozialdemokraten machten dann natürlich auch die politischen Veränderungen dieser Zeit in Deutschland nicht halt. Zwar wurde er im März 1933 abermals in das Stadtparlament Gladbecks sowie in den Preußischen Landtag gewählt. Am 27. Juni 1933, fünf Tage nach dem reichsweiten Verbot der SPD, wurde das "SPD-Schwein" Jakobs von Gestapo und SA verhaftet und misshandelt. Sein sechsmonatiges Martyrium begann zunächst im Zuchthaus in Herford und führte ihn in die berüchtigten Konzentrationslager des Emslandes.
Todkrank organisiert er den Widerstand
Auf dem Marsch dorthin wurde ihm eine Dornenkrone auf seinen Glatzkopf gepresst, blutüberströmt musste er diese Qualen ertragen. Aufgrund seiner Korpulenz zog er immer wieder den Sadismus der SA- und SS-Wachmannschaften auf sich, die sich an den Grausamkeiten an ihm ergötzten. Als Jakobs im Dezember 1933, durch Folter schwer misshandelt, entlassen wurde, diagnostizierte man bei ihm fünf Lungenrisse und Tuberkulose. Durch die Qualen war er derart entstellt und hatte so körperlich abgebaut, dass er sogar von Bekannten und Verwandten nicht erkannt wurde.
Obwohl er todkrank war, organisierte er weiter den Widerstand in Gladbeck mit, bis er seinen seelischen und körperlichen Verletzungen am 5. Mai 1935, im Alter von 49 Jahren, erlag. Seine Beisetzung wurde zu einer großen stummen, antifaschistischen Kundgebung.
Zu seinen Ehren wurde 1987 die Stadthalle Gladbeck nach ihm "Mathias-Jakobs-Stadthalle" benannt. In seiner Heimat, in seinem Geburtsort Hunolstein, erinnert heute bisher nichts an diesen mutigen Demokraten, der sich für die Arbeiter und die Wohlfahrt ohne Rücksicht auf die eigene Person einsetzte, ja sein Leben in der NS-Zeit opferte.