Ein großes Geschenk für die Feuerwehr

Ein großes Geschenk für die Feuerwehr

Einen solchen Blickfang hat nicht jede Feuerwehr. Eine 2,50 Meter hohe Floriansfigur steht vor dem Feuerwehrhaus in Heidweiler. Ein Hobbysteinmetz hat ihn gemacht. Dass dafür 700 bis 800 Arbeitsstunden nötig werden, bis er fertig ist, hat am Anfang wohl keiner gedacht.

Heidweiler. Mit Helm, Mantel, einem Wasserbottich in der Hand und einem kleinen Lächeln im Gesicht steht er da, in Stein gemeißelt: der heilige Florian, vor dem Feuerwehrhaus in Heidweiler. Geschaffen hat ihn Lulu, der eigentlich Ludwig Klein heißt, aber seit Kindertagen so genannt wird, mit seinen eigenen Händen. Und das war viel Arbeit.
Der Steinbrocken, von dem er und sein Hund Amigo im Wald nur die Spitze gesehen hatten, war fünf Tonnen schwer. Jetzt, nachdem er von Lulu bearbeitet wurde, sind es noch drei. Er sagt: "Eigentlich war das Ganze ja nur ein Scherz. Ich habe ja nur die Spitze vom Stein gesehen, und gedacht, der eignet sich schön für ein Relief. Ich habe den Feuerwehrleuten gesagt, wenn ihr mir den Stein bringt, mach ich euch einen Florian für euer erweitertes Feuerwehrhaus, draus.
Aber dann kam es anders: "Dass er fünf Tonnen schwer ist und mit daumendicken Drahtseilen und schwerem Gerät aus dem Wald geholt werden muss, hätte ich nicht gedacht." Mit seinem 30 Jahre alten Lufthammer hat der Hobbybildhauer filigran das brennende Haus herausgearbeitet, das der Florian mit dem Wasser aus einem Bottich löscht.
Gelernt hat Ludwig Klein Elektriker. Bei seinen Einsätzen in alten Gebäuden hat er sich aber schon früh mehr für die alten Steine in den Mauern als für die Elektroleitungen interessiert. Seine ersten Versuche mit dem Bildhauen hat er mit Sandstein-Stürzen aus alten Häusern gemacht. Wildschweine hat er aus ihnen herausgemeißelt. Der drahtige Mann erzählt: "Die habe ich dann auf dem Flohmarkt verkauft." Weil er ein gutes Vorstellungsvermögen für Formen hat, hat er auch Formen für Figuren gefertigt, die dann gegossen wurden.
Mit einem Kumpel hat er Marienstatuen, ebenfalls für den Flohmarkt gemacht. "Da ist uns was passiert. Da hat uns einmal die Polizei angehalten, weil sie dachten, wir hätten in Kirchen Statuen geklaut. Dabei haben wir welche für in die Kirchen gemacht", sagt er gut gelaunt lachend. Den Heiligenfiguren ist er ja mit dem heiligen Florian treu geblieben. Auch das Mühlrad, an dem er den Märtyrertod gestorben ist, hat er ihm an die Seite gegeben. Insgesamt, so schätzt Lulu, hat er 700 bis 800 Stunden an der Figur gearbeitet, über mehrere Jahre hinweg. Wie detailliert und mit wie viel Herzblut er die Figur geschaffen hat, zeigt sich beispielsweise im Amulett, das den Mantel zusammenhält. Er hat einige klitzekleine Roh-Diamanten eingearbeitet, damit es in der Sonne glitzert. Auch das brennende Haus hat eine Besonderheit. Es ist hohl, und abends steht ein Kerzchen drin.
Während der Arbeit wird es Lulu nicht langweilig. Am Feuerwehrhaus kommen viele Leute vorbei, die kurz auf ein Schwätzchen anhalten. "Wenn Autofahrer langsamer fahren, den Daumen hochhalten, um zu signalisieren, dass ihnen der Florian gefällt, oder sogar Fotos machen, ist man schon stolz", so Lulu. Den Schriftzug Feuerwehr Heidweiler durften Kinder aus dem Ort mit Goldfarbe veredeln. Ein neues Projekt hat Lulu noch nicht im Auge, aber er hat ja auch noch ein paar Kleinigkeiten zu machen, die Hand des Florians will er noch verbessern und den Mantel an der Rückseite verzieren.
Extra

Der heilige Florian war in der römischen Armee und Oberbefehlshaber einer Einheit zur Feuerbekämpfung. Er wird in der katholischen und orthodoxen Kirche gleichermaßen verehrt. Florian gilt unter anderem als Schutzpatron der Feuerwehr, daher auch die Bezeichnung Floriansjünger für Feuerwehrleute. Er soll aber auch Bäcker, Rauchfangkehrer, Bierbrauer und Gärtner schützen. Florian wollte 40 verhafteten Christen beistehen und starb dabei mit einem Mühlstein um den Hals den Märtyrertod. chb

Mehr von Volksfreund