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Ein Handschlag für gutes Zusammenleben

Ein Handschlag für gutes Zusammenleben

Die Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in Wittlich ist geschlossen. Nun beginnt die Inte gration der Menschen. Der DRK-Kreisverband will dank personeller Verstärkung die ehrenamtliche Hilfe in Stadt und Kreis noch verbessern.

Wittlich. Zakaria Al Ali spricht noch nicht gut deutsch. Das Formular der Arbeitsagentur, das Christina Geibel vom Migrationsfachdienst des DRK-Kreisverbandes gemeinsam mit ihm durchgeht, muss am Telefon mühsam von einem der 49 ehrenamtlichen Dolmetscher übersetzt werden, die den Verband unterstützen. Al Ali macht das umständliche Prozedere nichts aus. "Hier ist alles gut", sagt er und strahlt in die Kamera. Was es bedeutet, dass er vor einer Woche vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) einen Bescheid über subsidiären Schutz bekam, hat er möglicherweise noch nicht realisiert.
Ende 2015 war er aus Syrien mit drei seiner Kinder nach Deutschland geflohen. Für seine Frau und die zwei kleinsten Kinder des Lehrer-Ehepaars war der Weg ab Griechenland zu gefährlich. Sie warten dort. Der subsidiäre Status für Zakaria Al Ali bedeutet, dass seine Familie frühestens in zwei Jahren nachkommen kann.
Christina Geibel hat Verständnis für Menschen, die beim Verwaltungsgericht Trier gegen eine solche Bamf-Entscheidung vorgehen. "Wir haben sehr viel mit Klageverfahren und Familienzusammenführung zu tun." Die Flüchtlinge dabei zu begleiten, ist nur eine ihrer Aufgaben. Seit Anfang des Monats setzt sich die 27-jährige Sozialwissenschaftlerin mit der Sozialpädagogin Simone Schenk im DRK-Migrationsfachdienst hauptamtlich für die Integration von Flüchtlingen ein. "Unser wichtigstes Ziel ist es, die vielen bereits vorhandenen ehrenamtlichen Angebote in den Städten und Dörfern zu unterstützen und besser zu vernetzen", sagt Schenk. "Wir würden zum Beispiel gerne einmal wöchentlich in den Verbandsgemeinden und Rathäusern Gesprächsangebote anbieten." Möglich werden solche Vorhaben durch die Unterstützung der Aktion Mensch, die eine volle Stelle für drei Jahre finanziert. VVR-Bank, Land und DRK teilen sich die Kosten für die zweite Ehrenamtskoordinatorin und Migrationsfacharbeiterin.
Den Schwerpunkt ihrer Arbeit wollen die beiden Frauen im Kreis setzen, zumal die Stadt Wittlich mit dem Mehrgenerationenhaus bereits über eine funktionierende Schnittstelle für die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit verfügt. "Wir arbeiten gut zusammen, auch weil wir vermeiden wollen, dass sich drei Leute parallel mit einem Fall befassen", sagt Geibel. DRK-Kreisgeschäftsführer Heinz-Werner Steffen ist von der Notwendigkeit des neuen Angebots überzeugt: "Wir hatten durch unser Engagement in der Afa sehr viel mit diesem Thema zu tun. Es wird Jahre dauern, bis die Menschen integriert sind. Dabei helfen wir gerne." Zwar müssten in den Orten der soziale Kontakt und die Alltagshilfe von den Mitbürgern kommen. "Bei grundlegenden Dingen wie Verwaltungsangelegenheiten oder bei Behördengängen und Anträgen können wir die Menschen aber besser unterstützen." Ein "Urgestein" der Migrationsarbeit beim DRK-Kreisverband ist Marlene Merkes, die über lange Jahre mit einer Viertelstelle dafür verantwortlich war - am heutigen Freitag ist ihr letzter Arbeitstag.
"In der Wendezeit 1990 war es auch schon heftig", erinnert sie sich. Damals, als der Schwerpunkt auf dem Thema Aussiedler und Russlanddeutsche lag, sei in der Bevölkerung die Bereitschaft viel geringer gewesen, sich für diese Menschen zu engagieren. "Was heute bei uns passiert, ist wirklich toll", sagt die Frau, die vor mehr als zehn Jahren den Arbeitskreis Integrationspartner Wittlich mit initiiert hat. Wie offen und hilfsbereit heute die Menschen auf ihre neuen Mitbürger eingehen, fasziniert auch Christina Geibel, die seit Anfang des Monats in Stadt und Kreis unterwegs ist. "Ich habe selbst einen Migrationshintergrund und in meiner Kindheit üble Dinge erlebt. Die zwischenmenschliche Unterstützung heute ist viel größer."
Zakaria Al Ali erlebt diese Mitmenschlichkeit in Traben-Trarbach nicht nur in einem der Welcome-Cafés. Der Lehrer aus Syrien hofft darauf, nicht erst in zwei Jahren wieder für seine ganze Familie sorgen zu können.
Extra

Die Koordination und noch bessere Verknüpfung der ehrenamtlichen Hilfsangebote für Flüchtlinge in der Stadt Wittlich und im Kreis Bernkastel-Wittlich ist das Ziel des erweiterten DRK-Migrationsfachdienstes. Besonders groß ist der Bedarf an Dolmetschern in arabischer Sprache. Für Migranten, die bereits deutsch gelernt haben, sucht der DRK-Kreisverband Unternehmen, die Flüchtlingen ein mehrwöchiges Praktikum ermöglichen. r.n. Kontakt: Christina Geibel, E-Mail c.geibel@kv-bks-wil.drk.de