Ein Handwerker und Künstler

BENGEL. Steinmetz Karl-Josef Follmann führt das Familienunternehmen in vierter Generation. Der junge Mann ist mit Leib und Seele Steinmetz – ein Beruf, der für ihn persönlich handwerkliche und künstlerische Arbeit in einzigartiger Weise verbindet.

Mit Hammer und Meißel geht Karl-Josef Follmann an die Arbeit. Mit geschickter Hand ritzt er Runenzeichen in einen Säulenbasalt. Solche Auftragsarbeiten gehören zur "Hobbysparte" seines Berufs. Diese Arbeiten reichen in den isoterischen Bereich der Heil- und Kugelsteine mit germanischen und keltischen Schriftzeichen. Auch hier gilt für ihn, nach den Regeln der alten Steinmetzkunst zu arbeiten. "Das macht riesig Spaß, für mich ist das nicht nur Arbeit , sondern Erfüllung", gesteht Follmann. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit aber liegt auf Steinmetzarbeiten für den Innen- und Außenbereich. Ob Treppen, Sandstein-Fensterverkleidungen, Grabsteine oder Küchenarbeitsplatten - das Spektrum seiner Handwerkskunst ist groß. Individuelle Firmenschilder, Haus-Nummern oder -Wappen, Steinkugeln für innen und außen, Bauschmuck oder Trophäenplatten - auch dieser künstlerische Bereich ist Teil seiner Arbeit, bei der der Kunde "in Stein geschlagene Unikate für die Ewigkeit" erhält. Angefangen hat alles mit einem kleinen Steinmetzbetrieb, den Urgroßvater Mathias Follmann 1907 in Bengel gründete. Im landwirtschaftlichen Betrieb der Familie seiner Ehefrau befand sich die erste Werkstatt, wo anfangs die Steinmetzarbeiten für Bau, Kirche, Kriegerdenkmäler und Grabmale aus Sandstein gefertigt wurden. Später baute der Firmengründer zusätzlich die Beton- und Kunststeinsparte auf. 1934 übernahm Steinmetz- und Bildhauermeister, Großvater Josef Follmann den Betrieb. In der "Wirtschaftswunderzeit" setzte er mit dem Bau neuer Hallen schwerpunktmäßig auf Masse und verlagerte das Haupttätigkeitsfeld auf industrielle Beton-Serienproduktion für Hoch- und Tiefbau. Bordsteine, Rohre, Trepppen und mehr wurden in den 60/70er Jahren mit teilweise bis zu 25 Mitarbeitern hergestellt. "Leider wurde in dieser Zeit das Handwerkliche etwas stiefmütterlich behandelt", sagt Karl-Josef Follmann. Doch Anfang der 80er-Jahre stellte sich ein Umdenken ein: Die Massenfertigung wurde wieder zurückgefahren. "Eine richtige Entscheidung", nennt Follmann diesen Schritt. 1986 übernahm sein Vater Karl den Betrieb, der zusammen mit seinem Sohn, "Jungmeister" Karl-Josef Follmann sich wieder den Ursprüngen der alten Steinmetz-Handwerkskunst widmete. Mit der Übernahme des Traditions-Familienunternehmens im Jahre 2000 investierte Karl-Josef Follmann in modernste Maschinen für anspruchsvolle Natursteinprodukte, denn der passionierte Steinmetz setzt auf Klasse statt Masse. Mit drei Mitarbeitern ist er im Umkreis von rund 50 Kilometern tätig. Ein wichtiges Standbein ist die Ausführung von Sonderanfertigungen in Kunststein (Terrazzo). Im mitteldeutschen Raum ist Follmann einer der letzten Steinmetze, die in dieser Sparte arbeiten. Sein Steinmaterial bezieht er ausschließlich aus innerdeutschem Großhandel - ob Granit, Marmor, Travertin, Speckstein oder Sandstein in untersschiedlichsten Farbnuancen. "Mein persönlicher Lieblingsstein ist der Sandstein, mit diesem Material bin ich groß geworden", betont Follmann. Für Follmann ist sein Beruf auch Berufung. Er probiert viel aus. Aber auch auf die Erfahrung der älteren Generation greift er gerne zurück. Sein Vater hilft im Betrieb oder bei Kundenbetreuung und -beratung noch gerne mit. "Der Beruf des Steinmetz ist ein eher stiller Beruf, gerade auch im Bereich der Grabmalfertigung", unterstreicht Follmann. Hier besitzt er auch das Patent der einteiligen Naturstein-Grabeinfassung. Auch in der "Ruhezeit" im Winter legt Follmann die Hände nicht in den Schoß. Das sei dann die richtige Zeit für seine "Spielereien", wie der Handwerker und Steinkünstler gerne zugibt.